Auf den Geilenkirchener Gehwegen droht die Gefahr

Von: Udo Stüßer
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Sie suchen Deckung hinter einem schützenden Pfahl auf dem Gehweg der Konrad-Adenauer-Straße: Renate Schlegel (rechts) und Nicole Abels-Schell. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Als Renate Schlegel an diesem Nachmittag auf dem Bürgersteig der Konrad-Adenauer-Straße flaniert, fährt ihr ein Schreck in die Glieder. Steuert in diesem Moment doch ein Radfahrer mit hohem Tempo auf sie zu. Die 69-Jährige bringt sich mit einem beherzten Sprung in Sicherheit. Und das nicht zum ersten Mal.

„Viele ältere Menschen, die in den Randgebieten der Stadt wohnen, haben mittlerweile Angst, in die Innenstadt zu gehen“, weiß sie. Besonders verunsichert sind auf dem Bürgersteig die Senioren, die sich nur mit Hilfe eines Rollators fortbewegen.

Fünf Radfahrer innerhalb von drei Minuten hat sie in dieser Woche einmal gezählt. Und alle auf dem Bürgersteig. „Und wenn man einen Radfahrer auf sein Verhalten anspricht, wird man noch angepöbelt“, hat sie schlechte Erfahrungen gemacht. Bürgermeister Thomas Fiedler kennt das Problem. „Das ist aber kein typisches Geilenkirchener Problem. Alle anderen Städte kennen das auch, weil wir den Menschen bis zum zehnten Lebensjahr gesagt haben: „Ihr müsst auf dem Gehweg fahren“, sagt er. Aber nach dem zehnten Lebensjahr habe ihnen keiner mehr gesagt, dass diese Zeit nun vorbei ist.

„Die Kinder kennen es nicht anders. Und da sie nie im Leben etwas anderes getan haben, halten sie dieses Verhalten bei“, erklärt er. Selbst seine zwölfjährige Tochter weigere sich heute, auf der Straße durch die Stadt zu fahren. Es sei ihr zu gefährlich. Dafür hat Fiedler Verständnis: „Zwischen dem Kreisverkehr und dem Amtsgericht haben wir auf der Konrad-Adenauer-Straße eine nicht fahrradfreundliche Stadt. Diese Straße ist eine der Hauptwege.“ Viel tun könne man dagegen nicht. „Sicherlich sprechen wir den einen oder anderen Schüler auf sein Verhalten an, aber es kommen ja in jedem Jahr neue hinzu. Mehr können wir nicht tun, denn für den fahrenden Verkehr ist die Polizei zuständig.“

Nicole Abels-Schell hat als Gemeindesozialarbeiterin der Caritas vor fünf Jahren den Runden Tisch für Seniorenarbeit wieder ins Leben gerufen. Sie fordert von den Radfahrern mehr Verständnis: „Man sollte doch Verständnis für die Senioren haben. Sie sind in ihrer Reaktion, in ihrem Geh- und in ihrem Hörvermögen eingeschränkt. Ein Sturz kann für die Senioren eine große Belastung sein“, erklärt sie. Am Runden Tisch, für den sich in der Altenarbeit ehrenamtlich tätige Menschen, Hauptberufler aus Altenheimen, interessierte Senioren und Sozialamtsleiter Wilfried Schulz engagieren, wird das Thema Radfahrer auf den Bürgersteigen seit nunmehr zwei Jahren diskutiert. Ergebnislos.

Auch die Polizeisprechstunde im Rathaus hat Renate Schlegel, die vom Runden Tisch als sachkundige Bürgerin in den Sozialausschuss entsandt wurde, aufgesucht und das Problem geschildert. „Hier habe ich das Anliegen der Senioren vorgetragen, es wurde diskutiert. Aber das Ergebnis lautete einfach: Personalmangel.“ Es ist aber nicht nur die zur Flaniermeile ausgebaute Konrad-Adenauer-Straße, auf deren Fußgängerweg sich ältere Menschen unwohl fühlen. Probleme sehen sie auf vielen Straßen in der Stadt. Beispiel Scheidehecke: „Das ist ein Fußgängerweg, Rad fahren ist hier verboten. Aber hier begegnen einem jede Menge Radfahrer, die auch Rasen“, klagt Renate Schlegel.

Nicole Abels-Schell hat sich den Weg näher angesehen. „Er ist relativ breit, vielleicht sollte man das Radfahrverbot aufheben und den Weg mit Hilfe einer Linie für Fußgänger und Radfahrer trennen.“ Wenn die beiden Frauen das Problem schildern, wollen sie die Radfahrer nicht anklagen und keine Bösartigkeit unterstellen. „Es ist oft nur Gedankenlosigkeit. Man muss sich nur klar machen, was das Verhalten für Senioren bedeutet“, sagt Nicole Abels-Schell.

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