Auch beim Notar wurden die Betrogenen nicht stutzig

Von: Stefan Reiners
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Geilenkirchen. Am Dienstag ist der Prozess gegen die drei wegen gemeinschaftlichen Betrugs in Verbindung mit Urkundenfälschung angeklagten Birgit E., Rudolf K. und Reinhard Z. fortgesetzt worden. Vor dem Schöffengericht in Geilenkirchen stand diesmal die Zeugenvernehmung zweier weiterer Geschädigter an. Dabei zeichnete sich bezüglich der Vorgehensweise der Angeklagten ein immer einheitlicheres Bild ab, das dem von der Staatsanwaltschaft vorgeworfenen Ablauf größtenteils entsprach.

Die Geschädigten erfuhren jeweils aus dem eigenen Bekanntenkreis von der Möglichkeit, mit Hilfe der Angeklagten schnell und problemlos die angebliche „Provision“ – die gelegentlich auch „Renovierungszuschuss“ genannt wurde und zwischen fünf-, und zehntausend Euro schwankte – verdienen zu können und meldeten sich daraufhin ihrerseits bei der Angeklagten Birgit E.

Da der Bekannte jeweils angab, selbst schon gute Erfahrungen mit diesem System gemacht zu haben, wähnten sich die Käufer in Sicherheit und vertrauten der Angeklagten, die versicherte, man bräuchte sich um nichts zu kümmern, und es fielen keine Kosten an.

Keiner der Zeugen machte sich damals Gedanken darüber, warum ihnen trotz fehlendem regelmäßigen Einkommens ein erheblicher Kredit anstandslos gewährt wurde oder kam auch nur auf die Idee, das zu kaufende Objekt vorher einmal zu besichtigen oder Kontakt mit den darin wohnenden Mietern aufzunehmen.

Selbst als im Notartermin der Kaufvertrag, der etwas ganz anderes beinhaltete als vorher zugesagt und besprochen worden war, verlesen wurde, schöpften die Betroffenen keinen Verdacht und unterzeichneten den Vertrag anstandslos.

Denn in den inzwischen dem Gericht, der Verteidigung und der Anklage vorliegenden Notarverträgen wurde jeweils klar festgelegt, dass sowohl Notarkosten, als auch Grunderwerbssteuer vom Käufer zu tragen waren. Teilweise fand sich darin sogar der explizite Hinweis, dass die Wohnung überhaupt nicht vermietet sei, beziehungsweise die damals noch gängige Klausel, die Wohnung sei besichtigt worden und wie besehen gekauft und „Nebenabreden“ (wie etwa die versprochene Provision) bestünden nicht.

Hiermit konfrontiert räumte der Zeuge Christian H. aus Eschweiler bei Aachen ein: „Ja, das stimmt. So dumm war ich damals“, und bestätigt den von allen Geschädigten angegebenen Wunsch, die Angelegenheit am liebsten einfach zu vergessen.

Hinzu kommt, dass bei jedem der Geschädigten, wo es zur Abwicklung des Kaufvertrages kam, auch tatsächlich Geld an die Käufer geflossen ist, teilweise auch in versprochener Höhe. Diese Summen kamen in manchen Fällen aus einem separat vermittelten Bausparvertrag oder aber auch von einem der Angeklagten direkt.

Auch traf es zu, dass sich die Wohnungen, wie zugesagt, nahezu selbst trugen, sofern und solange sie vermietet waren.

Daneben steht jedoch immer noch die Angabe sämtlicher Zeugen im Raum, die den jeweiligen Banken vorgelegten Einkommensnachweise stammten nicht von ihnen und entsprächen auch nicht der damaligen Realität.

Das alles rechtlich zu werten, bleibt Aufgabe des Gerichts, dessen Vorsitzender Thomas Schönig gegenüber den zerknirschten Zeugen eine aufschlussreiche Frage formulierte, die wohl jedem Betrüger schnell den Wind aus den Segeln nimmt: „Wenn die Sache so todsicher ist, warum machst Du es dann nicht selbst?“

Das Verfahren wird am Montag, 8. April, fortgesetzt, da noch zwei weitere Zeugen, die zu den vorherigen Terminen trotz Ladung und zwischenzeitlich verhängtem Ordnungsgeld unentschuldigt nicht erschienen sind, gehört werden müssen.

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