Asylbewerbern helfen: Bürger mit Fremdsprachenkenntnissen gesucht

Von: Jan Mönch
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In seinem Dorf ist ein Großteil der Geilenkirchener Flüchtlinge untergebracht: der Süggerather Ortsvorsteher Lars Speuser vor der Unterkunft am Limitenweg. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. „Der Wertsack ist ein Beutel, der aufgrund seiner besonderen Verwendung im Postbeförderungsdienst nicht Wertbeutel, sondern Wertsack genannt wird, weil sein Inhalt aus mehreren Wertbeuteln besteht, die in den Wertsack nicht verbeutelt, sondern versackt werden.“ So weit alles klar? Nein? Dann stellen Sie sich erst mal vor, dieser Satz wäre nicht auf Deutsch, sondern auf Arabisch geschrieben.

Und Sie müssten ihn entschlüsseln und daraus Ihr Handeln ableiten. Es gibt leichtere Aufgaben.

Der wunderbare Satz wurde von Beamten der Deutschen Post ersonnen, er stand vor längerer Zeit mal im „Stern“ als besonders absurdes Beispiel für Bürokratensprech. Quasi ständig sind Geilenkirchens Asylbewerber mit solchen Schriftsätzen konfrontiert.

Gut, wenn diese Mitbürger Amtsschreiben erhalten, geht es natürlich in aller Regel nicht um Beutel und Säcke, sondern um tatsächlich relevante Dinge. Viel leichter zu verstehen sind die Schreiben für sie deshalb aber nicht unbedingt. Lars Speuser, als Ortsvorsteher von Süggerath überaus engagiert bei der Integration der Gäste in sein Dorf, fiel das kürzlich wieder auf, als er bei einem Libanesen in der Unterkunft saß.

Gleich mehrere behördliche Schreiben lagen da offen und offenbar unbearbeitet herum. Lars Speuser fragte: „Weißt Du eigentlich, was da steht?“ Der Libanese zuckte mit den Schultern.

In diesem Falle war es noch verhältnismäßig leicht, Abhilfe zu schaffen, denn dieser Asylbewerber sprach Englisch. Das trifft aber längst nicht auf alle Asylbewerber in Geilenkirchen zu, es sind sogar ein paar Analphabeten unter ihnen. Der Runde Tisch für Flüchtlingsarbeit, an dem auch Lars Speuser sitzt, sucht daher nun ausländische Mitbürger, die schon lange hier leben und entsprechend gut Deutsch sprechen, aber auch eine oder mehrere Fremdsprachen sprechen, die in Krisengebieten verbreitet sind.

Besonders gefragt sind natürlich die verschiedenen arabischen Dialekte, die in Nordafrika verbreitet sind, aber auch beispielsweise in Syrien und Irak verstanden werden. Aber auch Sprecher osteuropäischer Sprachen wie Mazedonisch, Serbisch, Albanisch, Abchasisch oder afrikanischer Sprachen wie Tigrinya (Eritrea, Äthiopien) oder Tigre (Eritrea, Sudan) könnten wertvolle Dienste leisten. Das würde nicht nur den Asylbewerbern helfen, sondern auch die Stadtverwaltung entlasten. Denn auch dort herrscht laut Speusers Schilderung mitunter babylonische Verwirrung.

Die Idee läuft darauf hinaus, dass eine Telefonliste erstellt wird mit den Sprechern der verschiedenen Sprachen. Und die würden dann bei akutem Bedarf kontaktiert. „Es wird niemand dazu gedrängt, eine Patenschaft zu übernehmen“, stellt Lars Speuser klar. „Es geht um das Angebot, auf Zuruf zu helfen.“

Wer glaubt, helfen zu können, kann sich bei Lars Speuser (Telefon 02451/91 44 04, lars.speuser@gmx.de) melden.

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