Asylbewerber lernen Deutsch im Geilenkirchener Bürgertreff

Von: Jan Mönch
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„Mir macht das ganz einfach Spaß“, sagt Peter Schlitt (links im Vordergrund) über seine Gesprächsrunde. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. Peter Schlitt ist nie Lehrer gewesen, sondern Soldat. Trotzdem – oder deswegen? – sitzt seine Ansage, als er sich am Tisch niederlässt. „Schluss jetzt mit Persisch, ich verstehe kein Wort“, poltert er mit gespielter Strenge. Die sieben Asylbewerber, die vor ihm sitzen, verstehen ihn anscheinend sehr wohl – denn sie lachen.

Peter Schlitt ist nie Lehrer gewesen, wie gesagt, und er ist es auch heute noch nicht. Denn das Angebot, das er Asylbewerbern einmal pro Woche im Geilenkirchener Bürgertreff macht, will er nicht als Deutschunterricht verstanden wissen. Es handele sich vielmehr um eine Gesprächsrunde, in der die Asylbewerber die Möglichkeit bekommen, Deutsch zu sprechen. Ob das, was dabei rauskommt, grammatikalisch korrekt ist, ist erstmal zweitrangig. Es geht darum, Hemmungen zu überwinden und sich mitzuteilen. Auf Deutsch. Und wenn auch erst mal nur geradebrecht wird. Denn ganz am Anfang steht immer das Wort.

Sieben Personen sind an diesem Donnerstag erschienen, vier von ihnen stammen aus Iran, zwei aus Eritrea und eine aus Albanien. In der vergangenen Woche hat Peter Schlitt ihnen seinen Lebenslauf aufgeschrieben. Darin steht, dass er aus Kassel stammt, mit einer Niederländerin verheiratet ist, zwei Töchter hat – und so weiter. Für diese Woche sollten die Asylbewerber einen entsprechenden Text über sich selbst schreiben. Elahe, Peter Schlitt bezeichnet sie als seinen Klassenprimus, fängt an: „Hallo, ich heiße Elahe und komme aus Teheran. Teheran ist eine Stadt in fast Norden von Iran. Ich lebe in Süggerath.“ Eine weitere Teilnehmerin an der Gesprächsrunde unterbricht: „Was bedeutet Süggerath?“ Peter Schlitt erklärt es ihr. Dann wird weiter vorgelesen. Am Ende des Textes heißt es: „Mein Deutschlehrer heißt Peter Schlitt. Er ist ein netter und freundlicher Mann.“ Sachlich ist das zwar falsch, denn Peter Schlitt ist ja gar kein Lehrer. Geschmeichelt fühlen darf er sich natürlich trotzdem.

Eigentlich hat der Bürgertreff es sich ja nie auf die Fahne geschrieben, soziale Angebote für Asylbewerber einzurichten. Andererseits schließt das Wort „Bürger“ nun mal auch die Asylbewerber mit ein, und irgendwann kam es zunehmend vor, dass welche von ihnen auf der Matte standen, mit ganz unterschiedlichen Anliegen. Und ein Ehepaar stellte schließlich die Frage, wo man sich denn einfach mal auf Deutsch unterhalten könnte, ganz ungezwungen. Warum eigentlich nicht hier?, dachte man sich im Bürgertreff.

Peter Schlitt bietet nur eine von zwei Gesprächsrunden an, die es im Bürgertreff für Asylbewerber gibt. In Schlitts Kurs sitzen die Anfänger, mit ihnen übt er die Kommunikation auf persönlicher Ebene. Die zweite Gesprächsrunde ist ein Angebot für die Fortgeschrittenen. Sie wird geleitet von Maggie Mladen und dreht sich um eher praktische Belange: Was sage ich beim Arztbesuch? Was will das Amt von mir? Einmal machte sie auch eine Exkursion in den Supermarkt. Welche Packung Fleisch ist die richtige, die auf der „Huhn“ oder die auf der „Pute“ steht? Ach, und es gibt eine günstigere Alternative zu Nutella?

Bei Peter Schlitt soll es etwas grundsätzlicher zugehen, doch auch hier kommt die Gruppe von Hölzchen auf Stöckchen. Er unterhält sich nun mit den Asylbewerbern wieder über seine Biographie. Einer stellt fest, dass Schlitt aus der Stadt Hessen kommt. Das ist natürlich falsch – und Schlitt muss erstmal einen Exkurs über den Föderalismus in Deutschland einschieben. Die Stadt heißt Kassel, das Land heißt Hessen, beides liegt in Deutschland. So weit alles klar? Sein Blick schweift über sieben nickende Köpfe. „Was man auch sagen muss“, hält Peter Schlitt nach dem Treffen fest, „mir macht das ganz einfach unheimlichen Spaß!“

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