Armenbegräbnisse: Schlichte Platten erinnern an die Einsamen

Von: Jessica Küppers
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Nur wenige Blumen und Kerzen erinnern auf dem Geilenkirchener Friedhof an diejenigen, die alleine gestorben sind. Foto: Jessica Küppers

Kreis Heinsberg. Auf dem Geilenkirchener Friedhof an der Heinsberger Straße gibt es eine kleine Grabfläche für Menschen, die zu Lebzeiten einsam waren. Es ist ein Platz für diejenigen, die zum Zeitpunkt ihres Todes keine Angehörigen hatten, die sich um ihre Beerdigung kümmern wollten oder konnten.

Schlichte Steinplatten, die Namen der Toten tragen, erinnern auf dem etwa 20 Quadratmeter großen Stück Rasen an sie. Vereinzelt stehen Kerzen oder Blumen darauf. Die meisten aber sind leer.

Wenn jemand zum Beispiel tot in seiner Wohnung gefunden wird und keine direkten Angehörigen erreichbar sind, muss die Stadt oder die Gemeinde einspringen und die Kosten für die Bestattung übernehmen. In so einem Fall, den der Volksmund als „Armenbegräbnis“ bezeichnet, kümmert sich das Ordnungsamt um alles.

Auch in Geilenkirchen, Gangelt und Übach-Palenberg sind solche Beisetzungen gar nicht so selten. Im vergangenen Jahr gab es insgesamt 13 Todesfälle, in denen die Stadt oder Gemeinde tätig werden musste. Dazu werden auch die Fälle gezählt, in denen zwar noch Angehörige vorhanden sind, die aber mit dem Toten aus unterschiedlichen Gründen nichts mehr zu tun haben wollen.

Dass an so einer Beerdigung nicht besonders viele Menschen teilnehmen, liegt auf der Hand. „Ein Diakon, ein Friedhofsmitarbeiter und ein Bestatter sind meistens dabei“, sagt René Langa, der beim Ordnungsamt der Stadt Geilenkirchen für den Bereich der Friedhöfe zuständig ist. Manchmal kämen noch ein paar Nachbarn dazu, sagt er, das sei aber eher selten.

In Gangelt sind diese Beerdigungen noch einsamer. Dort kümmern sich nur Friedhofsmitarbeiter und Bestatter darum, dass der Tote beerdigt wird. Der Tote wird zunächst eingeäschert und dann in einer Urne begraben. Ein Geistlicher ist nicht anwesend. Solche Beisetzungen würden „in aller Stille gleich morgens nach Dienstbeginn durchgeführt“, heißt es aus dem Ordnungsamt der Gemeinde.

Anonyme Beerdigungen sind nach dem Gesetz nicht erlaubt, so dass das Ordnungsamt auf Nachfrage den genauen Ort des Begräbnisses nennen muss. Bis vor einigen Jahren wurden in solchen Fällen Erdbestattungen gemacht. Das habe man aus Kostengründen geändert, sagt der Geilenkirchener Ordnungsamtsmitarbeiter.

Die Stadt zahlt jedes Jahr etwa 15.000 bis 30.000 Euro für solche Beerdigungen. Davon werden die Bestattungs- und Friedhofsgebühren gezahlt. Im vergangenen Jahr gab es sieben Fälle, ebenso 2014. 2013 waren es doppelt so viele. Eine Beerdigung kostet die Stadt etwa 2300 Euro. In Übach-Palenberg sind es durchschnittlich etwa 6000 Euro im Jahr.

Pro Beerdigung werden 2335 Euro fällig. Im vergangenen Jahr gab es einen Fall, im Jahr 2014 vier und im Jahr 2013 drei Fälle. In Gangelt waren es im vergangenen Jahr fünf Fälle. Zahlen für die Jahre 2014 und 2013 liegen nicht vor.

Gezahlt hat die Gemeinde für die fünf Beerdigungen bislang noch nicht, weil Vollstreckungsverfahren noch nicht abgeschlossen sind. Sollte sie tatsächlich für die Kosten aufkommen müssen, schlägt jede Bestattung mit 2248 Euro zu Buche.

Ein Angehöriger reicht aus

Eine Stadt oder Gemeinde muss aber nur zahlen, wenn es keine direkten Angehörigen mehr gibt oder diese nicht gefunden werden. Für die Bestattung haben die Mitarbeiter der Stadt per Gesetz zehn Tage Zeit. In der Reihenfolge werden zunächst die Ehepartner des Gestorbenen, gefolgt von Kindern, Eltern, Geschwistern, Großeltern und Enkeln in die Pflicht genommen, die Kosten zu übernehmen.

Wird ein Angehöriger mit vollständiger Anschrift ausfindig gemacht, ist die Stadt von der Zahlungspflicht befreit. Ob es weitere Angehörige gibt, die sich ebenfalls an den Kosten beteiligen müssten, muss der von der Stadt angesprochene Angehörige selbst herausfinden. Andernfalls muss er die Kosten allein tragen.

Ausnahmen dieser Regelung gibt es nur, wenn schwere Vergehen des Gestorbenen aktenkundig geworden sind. Das können zum Beispiel Misshandlungen oder Missbrauchsfälle sein. „Wenn es schlimme Fälle sind, nehmen wir Abstand davon“, sagt Langa. Vergleichsweise harmlose Familienstreitigkeiten reichten jedoch nicht aus, um eine Zahlung zu verweigern, sagt er.

Auch wenn es solche Armenbegräbnisse immer wieder geben wird, können die meisten Menschen noch im Kreis ihrer Familie beerdigt werden. Das wird vor allem an der Anzahl der Gräber auf dem Geilenkirchener Friedhof deutlich, die nicht nur mit einer schlichten Steinplatte bedeckt sind.

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