Anwohner machen mobil gegen Betreuungsprojekt

Von: Franz Windelen
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Übach-Palenberg. „So harmlos ist das Projekt offensichtlich nicht. Die Fakten sprechen eine andere Sprache.” Olaf Kemper zeigt sich verärgert über die jüngsten Aussagen der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg und des Hephata-Mannes Dieter Köllner.

Das Projekt - das ist das gemeinsame Vorhaben der Evangelischen Kirchengemeinde und der Diakoniestiftung Hephata, in der „Hütte der Begegnung” in Marienberg eine Betreuungsstätte für seelisch behinderte Jugendliche einzurichten - womöglich schon ab Januar 2010.

Olaf Kemper ist einer von rund 260 Anwohnern, die sich gegen die Pläne wehren und ihren Unmut durch eine Unterschriftenliste auch kundgetan haben. Er, Stephanie Cremer-Halfenberg und Jörg Halfenberg machen im Gespräch mit unserer Zeitung ihre Sicht der Dinge deutlich. „Das Vorhaben wird von Teilen der Marienberger Bevölkerung nicht mit Argwohn, sondern mit großer Besorgnis betrachtet”, erklärt Halfenberg. Es handele sich um ein „Pilotprojekt”, das erste seiner Art, bei dem es noch keine Erfahrungswerte gebe.

In einem vom Presbyterium initiierten Treffen von drei Familien, dem Verantwortlichen des Projektes der Hephata, Dieter Köllner, und einem Vertreter des Presbyteriums sei man über Inhalte und Ziele informiert worden. „Leider waren weder Pfarrer Thomas Fresia noch Superintendent Jens Sannig oder Pfarrer Thomas Reppich anwesend”, bedauert Kemper. Bei einem derart brisanten Pilotprojekt, so die Kritik der Anwohner, hätte es einer rechtzeitigen Bürgerversammlung bedurft, einer Versammlung, bei der alle Sorgen und Bedenken hätten gehört und in die Entscheidung mit einbezogen werden können.

„Die Kinder und Jugendlichen, die in der Hütte untergebracht werden sollen, sind nicht nur seelisch behindert, sie haben auch Gewaltpotenzial”, befürchtet Stephanie Cremer-Halfenberg und zeigt auf einige Passagen im Hephata-Magazin vom November 2008: „Hier werden nach Worten von Herrn Köllner zwei mögliche, erste Bewohner der Hütte mit ihrem psychologischen und delinquenten Profil vorgestellt. Der eine fiel demnach ,durch Drogenkonsum und die damit verbundene Beschaffungskriminalität auf. Der andere landete im Heim, ,weil er mittlerweile auch bei der Polizei wegen verschiedener Delikte aktenkundig geworden war.”

Dem Hephata-Magazin sei zu entnehmen, dass es sich um Jugendliche im Alter zwischen 14 und 17 Jahren handele, die aggressives, delinquentes und psychiatrisch auffälliges Verhalten zeigen, erklärt Jörg Halfenberg. Eine 1:1-Betreuung der sechs Klienten ist nach Auffassung der Anwohner rechnerisch nicht möglich, da das Personal im Schichtdienst arbeite.

„In dem Karree rund um die Hütte leben rund 40 kleine Kinder, und wir, die Eltern, haben Angst, dass die Kriminalität dort steigt”, formuliert Kemper die Sorge der Anwohner. Und Stephanie Cremer-Halfenberg gibt zu bedenken: „Gilt die Nächstenliebe nur für die sechs seelisch behinderten Jugendlichen, oder sollte nicht auch das Wohl unserer Kinder zumindest in gleichem Maße berücksichtigt werden?”

In den kleinen Marienberger Ortsteil seien bereits zwei soziale Einrichtungen - die Förderschule mit 150 Schülern sowie das Jugendhaus Altes Kloster - integriert. „Eine weitere Einrichtung mit denkbar noch höherem Konfliktpotenzial auf engstem Raum aufzunehmen, kann man den Anwohnern nicht zumuten”, appelliert Olaf Kemper an die Kirchen-Verantwortlichen.

Die Projekt-Kritiker legen Wert auf die Feststellung, dass sie keine Gerüchte gestreut, sondern Informationen und Fakten weitergegeben haben, „die uns durch Herrn Köllner und das Hephata-Magazin vermittelt wurden”. „Dies halten wir unseren Nachbarn gegenüber, die noch nicht informiert waren, für unsere Pflicht”, sagen sie.
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