Anstelle der Zeichen vom Himmel Kreide an den Türen

Von: Johannes Gottwald
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Reale „Zeichen“ der drei Könige, also der Sternsinger, an vielen Hauseingängen, wie hier in der Dürener Straße Immendorfs. Foto: Gottwald
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Ein kunstvolles Glasfenster in der Hünshovener Kirche St. Johann ist den drei Königen gewidmet, hier aber mit einer vierten Person dargestellt.

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. In den ersten Tagen des neuen Jahres ziehen sie wieder durch die Straßen in den Dörfern und kleinen Städten unserer Region – die Sternsinger. Meist gehören sie zu den Messdienern der örtlichen katholischen Pfarrgemeinde. Sie tragen orientalische Verkleidungen, auf dem Kopf vergoldete Kronen und eine Stange mit einem goldenen Stern an der Spitze.

Sie läuten an vielen Wohnungstüren, stimmen ein Lied an und sammeln Geldspenden für einen wohltätigen Zweck. In der Geilenkirchener Pfarre St. Mariä Himmelfahrt beispielsweise freut sich die verantwortliche Organisatorin Elke Horsten über die besonders lebhafte Beteiligung: „Diesmal machen 44 Kinder mit – so viele hatten wir noch nie.“ Nach ihrem Besuch malen die Sternsinger mit gesegneter Kreide an die Türe oder die Hauswand die Jahreszahl 2014 und die Buchstabenfolge „C+M+B“. Volkstümlich wird es oft als „Caspar-Melchior-Balthasar“ gedeutet, tatsächlich soll es aber heißen: „Christus mansionem benedicat“, zu deutsch „Christus möge dieses Haus segnen“.

Dieses schöne im Rheinland seit 400 Jahren nachweisbare Brauchtum geht auf das Fest der „Heiligen Drei Könige“ zurück, das die Kirche am 6. Januar feiert, also auch am heutigen Montag. Offiziell heißt es im kirchlichen Sprachgebrauch „Erscheinung des Herrn“. Für die Ostkirchen in Russland, Bulgarien, Serbien, Rumänien und Griechenland ist dieser Tag sogar das eigentliche Weihnachtsfest, während sich die westlichen Kirchen in der Antike für den 25. Dezember – im alten Rom das Fest des unbesiegbaren Sonnengottes – entschieden haben.

Eine fromme Sage?

Aber gab es die heiligen drei Könige überhaupt? War es nur eine fromme Legende oder doch eine wahre Begebenheit? Die meisten Historiker glauben, dass der biblische Bericht tatsächlich zutrifft – allerdings dürfte es sich dabei wohl kaum um Könige gehandelt haben. Schon der griechische Urtext im Matthäus-Evangelium spricht von „Magoi“, womit also keineswegs Fürsten, sondern vielmehr Gelehrte, höchstwahrscheinlich Astrologen gemeint sind.

Sie kamen aus Babylonien (dem heutigen Irak), wo sich schon im Altertum ein bedeutendes Zen­trum astronomischer Forschung entwickelt hatte. Damals waren Wissenschaft und Sterndeuterei noch keineswegs voneinander getrennt; man beobachtete nicht nur den Sternenhimmel und den Lauf der Planeten, sondern glaubte ebenso daran, dass besondere Himmelserscheinungen oder ungewöhnliche Planetenkonstellationen bedeutende Ereignisse ankündigen würden.

Bestürzung und Schrecken

So war es auch diesmal: Im Sternbild Fische (das bei den Babyloniern Palästina symbolisierte) trafen sich Jupiter und Saturn im Jahre 6 vor Christus dreimal kurz hintereinander. Der Jupiter war ein Sinnbild für Könige – also offenbar ein Zeichen des Himmels, dass in Jerusalem ein König zur Welt gekommen war.

Unwahrscheinlich ist dagegen das Auftreten eines Kometen, der auch jüdischen Priestern und Astronomen aufgefallen wäre. Denn bezeichnenderweise erwartete niemand in Judäa die Geburt eines Königs – vielmehr rief die Ankunft der Weisen aus dem Morgenland Bestürzung und Schrecken hervor. Übrigens stimmt sogar die Himmelsrichtung: Die Stadt Bethlehem liegt von Jerusalem aus im Süd-Südwesten. Genau dort steht im Dezember am Abend das Sternbild Fische – Jupiter und Saturn hätten die Weisen tatsächlich zur Krippe führen können.

Unbiblische Namen

Genau genommen ist die Bezeichnung „Heilige Drei Könige“ nicht korrekt, denn sie besaßen keine Kronen, ebenso wenig wie der „Stern von Bethlehem“ einen Schweif. Auch ihre Namen werden in der Bibel nicht genannt – die Bezeichnungen Caspar, Melchior und Balthasar kamen erst im frühen Mittelalter auf.

Aus dieser Zeit stammt auch die Vorstellung, dass die drei Weisen aus den drei Kontinenten Europa, Asien und Afrika stammen sollten. Aus diesem Grund wird Melchior häufig mit dunkler Hautfarbe dargestellt. Interessanterweise wurden die „Heiligen Drei Könige“ nie offiziell von der Kirche heilig gesprochen, aber dennoch werden ihre Reliquien verehrt – und zwar auf rheinischem Boden. Denn sie befinden sich im Kölner Dom, wo man bis heute im Chorraum den mächtigen Dreikönigsschrein aus dem späten 12. Jahrhundert bewundern kann, der zu den kostbarsten Kunstwerken seiner Zeit gehört.

Ursprünglich befanden sich die Reliquien in Mailand, wurden aber 1162 nach einem Italien-Feldzug von Kaiser Friedrich Barbarossa nach Deutschland übergeführt und dem damaligen Kölner Erzbischof Rainald von Dassel als „Beutekunst“ übereignet. Ob der prächtige Sarkophag allerdings wirklich die Gebeine der drei Weisen aus dem Morgenland enthält, ist eher zweifelhaft als wahrscheinlich.

Trotzdem lohnt es sich, am 6. Januar den Kölner Dom zu besuchen. Denn dieser Tag gehört zu den wenigen im Jahr, an denen vor dem Festgottesdienst das volle Geläut der Kathedrale zu hören ist – für jeden Touristen ein unvergleichliches – mindestens akustisches – Erlebnis.

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