Ans Aufhören denkt sie nicht: Corinna Weinhold von der UWG

Von: mabie
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So ein Auto kann eigentlich nur Corinna Weinhold gehören: Nicht wegen der Größe des Zweisitzers, sondern wegen des Aufdrucks ist das ein würdiges Fortbewegungsmittel für die bewegte Ratsfrau aus Übach-Palenberg. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Wenn jemand das darf, dann Sie: Corinna Weinhold öffnet mit leichtem Fingerdruck die Tür zu ihrem Smart, setzt sich hinters Steuer und fährt mit dem auffällig bedruckten Zweisitzer für die Unabhängigen Wählergemeinschaft Reklame. „Ich habe ihn erst seit Kurzem“, erzählt sie beim Besuch in der Rembrandtstraße 13, wo Sie zu Hause ist, „aber überall falle ich damit auf.“

So viel Aufmerksamkeit zu genießen, ist der Frau, die 1994 zu den Mitbegründern der „Unabhängigen Wählergemeinschaft“ (UWG) gehörte, aber nicht in den Schoß gefallen. Heute ist sie in einem Lebensalter, in dem andere sich vielleicht lieber mit einem guten Buch gemütlich an den Kamin setzen und die Welt draußen vergessen möchten.

Doch das liegt der pensionierten Lehrerin überhaupt nicht. „Wir haben genug Arbeit“, sagt sie, während sie eine Tasse Kaffee leert, „und wenn man sich vernünftig um alles kümmert, dann ist man wirklich ausgelastet.“

Der Begriff Arbeitstier ist hier wohl fehl am Platz, vielmehr ist Corinna Weinhold, die wie niemand anders in der Stadt eine Identifikationsfigur der UWG ist, eine, die sich gerne einmischt, eine, die sich gerne kümmert.

So fing es auch bei der Parteigründung an, die einfach darauf basierte, dass sie und ihre Mitstreiter so viele Baustellen in der ehemaligen Zechengemeinde sahen, dass sie diese nicht länger übersehen wollten. „Ich habe immer wieder festgestellt, wie wichtig es den Menschen ist, dass ihnen vernünftige Hilfe angeboten wird“, sagt sie.

Beispiele für ihr persönliches Wirken – auch abseits ihres Steckenpferdes UWG – gibt es genug. Zum Beispiel Tafel: 2005 gehörte sie zu denjenigen, die die heute in der gesamten Region hoch angesehene Einrichtung zur Unterstützung von der immer weiter wachsenden Zahl von Menschen in Notlagen gemeinsam mit Roswitha Bischhaus-Trotnow und Petra Meyer ins Leben rief. „Bis 2009 habe ich die Tafel in Boscheln geleitet, dann aber die Leitung abgegeben, weil es einfach Menschen gibt, die das mindestens genauso gut können“, sagt sie lächelnd.

Zum Beispiel Deutschunterricht: In einer Zeit, wo im Rat der Stadt durchgesetzt wurde, dass in der gesamten Stadt Schilder mit dem Hinweis „Übach-Palenberg hat keinen Platz für Rassismus“ aufgestellt werden, organisierte sie als Lehrerin ehrenamtlich Deutschunterricht für Frauen mit Migrationshintergrund. „Daraus resultieren Freundschaften, die heute noch Bestand haben“, sagt sie, „aber es half auch vielen Frauen dabei, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen.“

Privat ist die gebürtige Berlinerin auch eine, die sich gerne engagiert, auf kurzem Wege Hilfe anbietet. So holte sie als Einzelkind ihre Eltern aus Berlin nach Übach-Palenberg, wo sie sich von Beginn an gut aufgehoben fühlten. Mentalitätsunterschiede waren für sie kein Hindernis, eher ein Grund für persönlichen Spaß. „Als ich zum ersten Mal hier im Karneval unterwegs war, habe ich den rheinischen Humor sehr zu schätzen gelernt“, sagt sie mit einem Lächeln. „Schuld“ daran ist natürlich die Liebe, denn ihr Mann Theo, der in Berlin eine Zeit beruflich unterwegs war, lockte sie in die Stadt mit den zwei Herzen. „Ich finde die Mentalität hier bemerkenswert“, sagt sie, „aber meine Berliner Schnauze habe ich mir trotzdem bewahrt.“

Schnell schwenkt sie wieder zu dem, was sie gerne tut: etwas tun. So war sie auch dabei, den Freibad-Förderverein zu gründen, dessen Stellvertreterin sie heute noch ist, auch wenn der Vorsitzende längst nicht mehr in Übach-Palenberg wohnt.

Sie nimmt das gerne auf sich, nicht, weil sie sich die Arbeit aufbürden will, sondern weil sie es nicht mag, wenn Inkompetenz und Umfallen den Menschen in der Stadt, die zu ihrer Heimat geworden ist, schaden. „Ich bin immer dafür, eine gerade Linie zu fahren“, sagt sie.

Und darum ärgert sie sich auch sehr darüber, dass der letzte Antrag, den sie gemeinsam mit SPD und Grünen eingebracht hat, und eigentlich verhindern sollte, dass ein Jurist bei der Stadt angestellt wird, durch Umfallen und Abwesenheit von Menschen, die das Ganze eigentlich mittragen sollten, abgelehnt wurde. „Manche fahren politisch, als hätten sie 1,5 Promille intus“, schließt sie mit ausnahmsweise ernstem Blick, „da kriege ich Zahnschmerzen.“

Doch ans Aufhören denkt sie nicht, auch wenn auf der nächsten Geburtstagstorte sieben Mal zehn Kerzen stehen werden. „Ich stehe weiterhin bereit“, sagt sie, dreht den Zündschlüssel ihres kleinen Autos um und fährt los, um zu sehen, wo sie helfen kann.

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