Übach-Palenberg - An der Via Belgica mit römischem Touch

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An der Via Belgica mit römischem Touch

Von: Manfred Hahn und Verena Müller
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So sieht es bislang am Beyelsfeld aus. Foto: Manfred Hahn
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Der erste Entwurf für das geplante Wohngebiet Beyelsfeld in Übach-Palenberg: 119 Einfamilien-, 18 Doppel- und vier Mehrfamilienhäuser sollen hier entstehen. Grafik: S-Bauland

Übach-Palenberg. Wenn Übach-Palenberg oder vergleichbare Städte nicht weiter schrumpfen, sondern wachsen wollen, kann das wegen der demografischen Entwicklung mit ihren Geburtenrückgängen nur gelingen, wenn neuer und attraktiver Wohnraum zur Verfügung gestellt wird. Das wurde zuletzt einmal mehr deutlich, als beim Spatenstich für den zweiten Bauabschnitt der Bonback-Brotfabrik von Seiten der Lidl-Gruppe darauf hingewiesen wurde, dass bei Vorstellungsgesprächen immer wieder nach Wohnungen und Häusern sowie Nahversorgung und Kindergartenplätzen gefragt wird.

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch erläuterte bei dem Termin, dass innerhalb der kommenden Jahre gleich mehrere Baugebiete ausgewiesen würden und beispielsweise der Kindergarten in Marienberg eine räumlich nahe gelegene Lösung sein kann.

Dem Ziel der Wohnraumschaffung dient auch die Ausweisung oder Erschließung von Wohnbauflächen mit einer längerfristigen Planung, wie es das Beyelsfeld am Rand von Übach, südlich der Conneallee, werden soll. Mit den ersten Planungsschritten ist im Auftrag der Stadt die S-Bauland GmbH, eine hundertprozentige Tochter der Kreissparkasse Heinsberg, betraut. Die ersten politischen Stationen – die Zustimmung von Stadtentwicklungsausschuss, Haupt- und Finanzausschuss und Rat – haben die Pläne bereits hinter sich.

Die Ratsvertreter hatten keine großen Einwände, es wurde lediglich angeregt, die Grundstücke etwas großzügiger zu gestalten, den Verkehrsfluss gleich in die Friedensstraße statt in die Conneallee zu steuern und die Anwohner rechtzeitig einzubinden. Beim lästigen Thema Kanalvergrößerung versicherte die Verwaltung gleich, dass die Kosten vom Investor zu tragen sind. Altanwohner würden nicht beteiligt.

S-Bauland-Geschäftsführer Willi Pfennigs erklärte im Gespräch mit unserer Zeitung die Ziele und den Stand der Rahmenplanung am Beyelsfeld: „Wir machen aus Äckern Bauland“, so beschreibt Pfennigs seine Arbeit, die sich allein mit der Grundstücksentwicklung beschäftigt. Für die endgültige Gestaltung der Einzelgrundstücke sind später Bauträger oder Investoren zuständig, die mit der Planung der S-Bauland einen hohen Grad an Flexibilität vorfinden. Für das Beyelsfeld rechnet Pfennigs mit einem Zeitraum von acht bis zehn Jahren, bis die Häuser stehen.

Begrenzt wird die jetzt beplante Fläche von der Verlängerung der Straße Am Bucksberg im Westen, der Conneallee im Norden, der Verlängerung der Adolfstraße im Osten und dem Verlauf der Via Belgica im Süden. Insgesamt geht es für diesen Abschnitt des Beyelsfeldes um rund 95 000 Quadratmeter, auf denen 119 Einfamilienhäuser, 18 Doppelhäuser und vier Mehrfamilienhäuser entstehen sollen.

Eine Erleichterung für Stadt und Planer ist die Tatsache, dass die Bezirksregierung bereits Ja zu der Planung gesagt hat, dass also einer Änderung des Flächennutzungsplanes von Ackerland in Wohnbauflächen nichts im Wege steht. Einen Bedarf für neue Wohngebiete wie das Beyelsfeld sieht der Planer auch in der Nähe zur Hochschulstadt Aachen, die ihren neuen, mit der Campus-Einrichtung entstehenden Wohnbedarf kaum alleine stemmen kann. Aus diesem Grund ist für die weitere Planung auch an hochwertige Baueinheiten gedacht.

Für Willi Pfennigs heißt es nun, Gespräche mit den einzelnen Grundstücksbesitzern zu führen, was bei oft zu hohen Preiserwartungen sicher nicht einfach ist. Vorteil ist, dass große Teile der Planfläche schon städtisches Eigentum sind. Die übrigen Grundstücksbesitzer sind mittlerweile durch Anschreiben der Stadt auf die Gespräche vorbereitet.

Pfennigs teilt die Meinung der Politiker in den Punkten Infrastruktur und vor allem Verkehrsanbindung, dass diese Fragen möglichst frühzeitig angegangen werden müssen. Einiges hat man schon bedacht, so etwa die Anlage von zwei großen Regenrückhaltebecken im Norden des Plangebietes. Was die Erreichbarkeit von Kindergärten, Schulen oder auch Einkaufsmöglichkeiten angeht, so wird darüber sicher noch öfter gesprochen werden, sagte er.

An Einrichtungen wie Spielplätze oder Ladenlokale ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht gedacht, doch könne sich so etwas durchaus später entwickeln, meinte Pfennigs. Ein nicht unerhebliches Problem ist die Verkehrsanbindung und vor allem die Anbindung während der Erschließung des Baugebietes. Zwar will Pfennigs nicht ausschließen, dass einiger Verkehr auch über die Verlängerung der Adolfstraße läuft, doch kann er sich gut eine Erschließungsstraße im Verlauf der südlich gelegenen Via Belgica oder parallel dazu vorstellen.

Apropos Via Belgica: Diese historische Römerstraße, die von Köln bis ins belgische Tongern führte, ist heute nur als Feldweg sichtbar, der in Richtung Herbacher Wäldchen verläuft. „Doch die Via Belgica könnte sich für uns als Glücksfall erweisen“, meinte Willi Pfennigs, denn es dürfte für manchen Bauwilligen durchaus attraktiv sein, einmal so hautnah mit römischer Geschichte zu leben. Möglicherweise, so Pfennigs, ergeben sich auch Möglichkeiten, die Via Belgica mit gestaltenden Elementen und Hinweistafeln als Geschichtsdenkmal auszuweisen.

Gespräche und eine Begehung mit Vertretern des Landschaftsverbandes Rheinland finden in absehbarer Zeit statt. Und einen gewissen römischen Touch zeigt auch der Plan für das Baugebiet Beyelsfeld. In seiner strengen geometrischen Anordnung gleicht er der Aufsicht auf ein römisches Lager oder eine römische Siedlung, wie man sie zum Beispiel im niederrheinischen Xanten noch erleben kann.

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