Geilenkirchen - An den Ufern der Wurm entsteht das Rheinland

An den Ufern der Wurm entsteht das Rheinland

Von: Udo Stüßer
Letzte Aktualisierung:
Nikolaus-Becker-Straße
Die Geilenkirchener Nikolaus-Becker-Straße, die hier in die Konrad-Adenauer-Straße mündet, erinnert an einen großen Sohn unserer Heimat. Er wurde mit seinem „Rheinlied“ berühmt. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ein glühender Patriot, dessen Gedicht in ganz Deutschland verbreitet, schließlich sogar vertont und gesungen wurde, ist ein großer Sohn unserer Heimat: An den Ufern der Wurm dichtete Nikolaus Becker das Lied „vom freien deutschen Rhein“. Sein „Rheinlied“, das 1841 veröffentlicht wurde, ging wie ein Lauffeuer durch ganz Deutschland.

Reichskanzler Otto von Bismarck lobte den Verfasser ebenso wie König Ludwig I. von Bayern für sein Werk.Nicht nur die Nikolaus-Becker-Straße in der Geilenkirchener Stadtmitte erinnert heute an den Dichter. Am gotischen Teil der katholischen Pfarrkirche St. Johannes Baptist Hünshoven, unter dem das Grab von Nikolaus Becker liegt,  ist eine Gedenktafel angebracht. Eine weitere Tafel befindet sich im Eingangsbereich der Nikolaus-Becker-Stube.

Nikolaus Becker wurde im Jahre 1809 in Bonn geboren. Bis zum Tode seiner Mutter im Jahre 1835 lebte er in Köln, wo er nach Beendigung seines Militärdienstes in den juristischen Vorbereitungsdienst getreten war. Von Köln zog er nach Geilenkirchen-Hünshoven, da hier seine jüngste Stiefschwester Cäcilie lebte. Hier hoffte er, eine neue Anstellung zu finden und arbeitete schließlich bei seinem Schwager als Friedensgerichtsschreiber.

Dabei blieb ihm noch genügend Zeit, sich der Dichtkunst zu widmen und Ausflüge in die Umgebung, besonders in das landschaftlich reizvolle Geilenkirchener Wurmtal, zu starten. Die Ausflüge inspirierten ihn, wirkten so vorteilhaft auf seinen poetischen Geist, dass der größte Teil seiner Dichtungen in dieser Zeit entstand.

1841 erschienen im DuMont-Schauberg Verlag in Köln 72 seiner Gedichte, darunter sein berühmtes Lied „Der deutsche Rhein“, welches er aufgrund der damaligen politischen Ereignisse im August 1840 niedergeschrieben hatte. Der Verleger Joseph DuMont, der ein naher Verwandter von Nikolaus Beckers Mutter war, hatte ihn zu der Veröffentlichung bewogen.

Zum ersten Mal erschien dieses Gedicht am 18. September 1840 in der Nummer 257 der Trierischen Zeitung. Es machte den Hilfsgerichtsschreiber Nikolaus Becker zum Helden des Tages, denn  von nun an flog das Gedicht wie ein Lauffeuer durch ganz Deutschland.


Der Grund, warum Nikolaus Becker dieses Gedicht schrieb, war ein damals ausgebrochener „Krieg“ zwischen deutschen und französischen Zeitungen um den Rhein. Sowohl Deutsche als auch Franzosen beanspruchten  diesen Fluss für sich. Verschiedene Artikel über den Rhein erschienen zu dieser Zeit in der „Allgemeinen Zeitung“. Nikolaus Becker traf also genau den Zeitgeist mit seinen Versen, in denen glühender Patriotismus, an Fanatismus grenzend, nicht zu verkennen ist.

Sein „Rheinlied“ kann nur aus dieser politisch sehr bewegten Zeit heraus verstanden werden. In ganz Deutschland wurde das Gedicht verbreitet, schließlich sogar vertont und gesungen. Am erstauntesten über die begeisterte Aufnahme des Liedes war der Dichter selbst, der sich kurze Zeit zuvor wegen seiner trostlosen finanziellen Lage an seinen Neffen Edmund Oppenhoff gewandt hatte, der ihm eine besser Stelle besorgen sollte.

Nun aber, nach Bekanntwerden des Gedichtes und nach dessen begeisterter Aufnahme, wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil: Seinen königlichen Dank für dieses Gedicht ließ ihm König Friedrich Wilhelm IV aussprechen und bot ihm ein Geschenk von 1000 Talern Gold oder eine jährliche Pension von 300 Talern an. Becker entschied sich für das Geschenk von 1000 Talern. In seiner Eigenschaft als „Pfalzgraf bey Rhein“ sandte König Ludwig I. von Bayern dem Dichter einen silbernen, reich vergoldeten Pokal.

Dazu schickte er ihm ein königliches Schreiben.  Zur Vorfeier der Huldigung des Königs Friedrich Wilhelm IV. am 13. Oktober 1840 wurde unter anderem Nikolaus Beckers Lied im Kölner Schauspielhaus gesungen. Und Reichskanzler Otto von Bismarck erklärt am 18. August 1893: „Aber dankbar bin ich der Musik, dass sie mich in meinen politischen Bestrebungen wirkungsvoll unterstützt hat (…) In diesem Stadium war das Beckersche Rheinlied mächtig und bei der Schnelligkeit, mit der es von der Bevölkerung aufgegriffen wurde, die damals meist noch partikularistisch war, hatte es die Wirkung, als ob wir ein paar Armeecorps mehr am Rhein stehen hätten, als wir hatten.“

Diese Worte von Bismarck zeigen, dass dieses Gedicht von Nikolaus Becker eine starke psychologische Wirkung auf die Kampfkraft der Soldaten hatte. Den „Kampf“ um den Rhein sahen sie wirklich als Kampf um das Vaterland an.


In den frühen Morgenstunden des 28. Juli 1845 starb Becker an den Folgen einer Lungenschwindsucht im Hause seiner Stiefschwester Cäcilie. Das Grab von Nikolaus Becker liegt unter der Pfarrkirche  St. Johannes Baptist Hünshoven. Als Antwort auf das Lied Beckers erschienen verschiedene französische Zeitungsartikel, die das Nationalgefühl der Franzosen ebenso energisch ausdrückten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert