An den Handel mit Federvieh erinnern: CDU will ein Denkmal

Von: Jan Mönch
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Der Scherpenseeler Ortskern soll bald durch eine Statue aufgewertet werden. Das beantragt die CDU. Foto: Jan Mönch
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Regelrecht verstümmelte Bäume wie diese gehören in Übach-Palenberg seit einigen Jahren zum Stadtbild. Nicht nur SPD-Chef Alf-Ingo Pickartz ist das ein Dorn im Auge.
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Künstler Willi Arlt aus Lindern, hier zu sehen mit seiner Skulptur vor dem zukünftigen Geilenkirchener Schwimbad.

Übach-Palenberg-Scherpenseel. Die Frage nach den Kosten ist in Übach-Palenberg meist mit die wichtigste. Weil sie schon im Antragstext geklärt wird und die Antragsteller im Rat über eine komfortable Mehrheit verfügen, deutet alles darauf hin, dass im Ortsteil Scherpenseel recht bald ein Denkmal stehen wird. Das beantragt die CDU-Fraktion, über die Idee wird kommende Woche Dienstag in der Ratssitzung (Beginn um 18 Uhr) beschieden.

Die Statue soll am Hühnermarkt aufgestellt werden. Als postalische Adresse gibt es diesen Ort nicht, der Volksmund meint damit den Bereich an der Ecke Heerlener Straße/In der Heide, gelegen wenige hundert Meter entfernt von der deutsch-niederländischen Grenze. Sieht man sich vor Ort um, fällt der schöne und gepflegte Zustand auf. Jedoch fehlt eine Art Mittelpunkt, etwas, an dem das Auge sich festhalten kann.

„Ein Denkmal an dieser Stelle würde den Ortsteil aufwerten“, heißt es im Antrag der CDU. Sinnigerweise soll es auf den Handel mit Hühnern hinweisen, der hier dereinst betrieben worden ist, wahrscheinlich jedenfalls. Historisch gesichert ist das nicht.

Skulptur von Willi Arlt

Auch einen möglichen Urheber gibt es schon: Willi Arlt aus Lindern, der erst jüngst die Skulptur vor dem neuen Geilenkirchener Schwimmbad fertigstellte und sich gegenüber der CDU bereit erklärt hat, auch Scherpenseel mit seinem Können zu bereichern. Wohlwissend, dass die Opposition den Antrag in der Luft zerreißt, wenn er zu kostspielig wird, erklärt die CDU weiter, dass die Finanzierung des Projekts aus Spenden bereits gesichert sei. Um die weitere Pflege werde der Scherpenseeler Ortsverband sich kümmern. Auch hier entstünden also keine Kosten.

Etwas anders sieht das bei dem Antrag der SPD aus, der nicht nur die Unterschrift, sondern auch sehr deutlich die Handschrift des neuen Fraktionsvorsitzenden Alf-Ingo Pickartz trägt. Wenige Wochen nachdem Pickartz zum Erbe von Heiner Weißborn bestimmt worden ist, trägt die Fraktion einen Antrag zur „ökologischen Stadtentwicklung“ an den Rat heran. Auch dieser Antrag steht kommende Woche in der Ratssitzung auf der Tagesordnung.

Es sei „offensichtlich“, dass die Stadt viel Grün verloren habe und voraussichtlich weiter verlieren werde, heißt es darin. Ökologie bedeute aber auch Standortqualität. „Der öffentliche und der private Raum müssen einen Ausgleich schaffen für die notwendigen Erfordernisse eines prosperierenden Wirtschaftsstandorts, um den Menschen neben einem Arbeitsplatz auch einen Anreiz zu schaffen, hier wohnhaft zu werden.“

Konkret beantragt werden sechs Punkte: die Erstellung eines Baumkatasters, eine dahingehende Schulung der Mitarbeiter des Bauhofs, der Einsatz eines Baumkletterers, die Festsetzung einer Baumschutzsatzung, die nachhaltige Planung von Ausgleichsflächen und die enge Kooperation mit Naturschutzorganisationen.

Ohne eine politische Entscheidung vorwegnehmen zu wollen, ist es gut möglich, dass die Stadtverwaltung so ihre Probleme mit dem Antrag haben wird. Das städtische Grün wird primär als Kostenfaktor betrachtet, den es zu senken gilt. Diese Herangehensweise hat in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass zahllose Bäume bis auf den Stamm zurückgeschnitten wurden. Eine andere Idee hatte vergangenes Jahr die CDU, die beantragte, Jahr für Jahr 50 Bäume zu fällen und durch neue, pflegeleichtere – also kostengünstigere – Exemplare zu ersetzen. Weder das eine noch das andere stieß bislang auf große Begeisterung, die Menschen mögen Bäume, jedenfalls solange ihr Laub nicht in den eigenen Garten fällt.

Der SPD-Antrag jedenfalls würde Geld und Arbeitskraft kosten. Fraktionsvorsitzender Pickartz aber denkt, dass es zu kurz gedacht ist, nur den Kostenfaktor zu sehen. Als Beispiel nennt er die Ausgleichsflächen, die eigentlich für die Industrieansiedlungen des Lidl-Konzerns geschaffen werden müssten. „Der Bedarf ist hier so groß, dass es sich nun rächt, dass es kein Konzept gibt“, sagt Pickartz.

Auch glaubt er, dass die Stadt profitieren könne, indem sie auf der Suche nach Ausgleichsflächen Privatleute einbeziehe. Denn was spreche dagegen, wenn Anpflanzungen auf Privatgrundstücken vorgenommen werden, wenn der Eigentümer damit einverstanden ist?

Pickartz weiß auch, dass die Stadt nicht für jeden gefällten Baum selbst verantwortlich ist. Hinter dem Kahlschlag, der jüngst wohl am augenfälligsten an der Kreuzung Friedrich-Ebert-Straße/Roermonder Straße beklagt wurde, steckt beispielsweise der Landesbetrieb Straßenbau.

Dennoch kritisiert Pickartz auch in diesem Zusammenhang die Stadtverwaltung, die erklärt hatte, mit diesen Fällungen nichts zu tun gehabt zu haben und nicht informiert gewesen zu sein. „Da erwarte ich, dass man sich beschwert, anstatt sich zu verstecken. Eine engagierte Stadtverwaltung hat sich für alles zu interessieren, was in ihrem Stadtgebiet geschieht.“

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