Aachen/Geilenkirchen - Am Abend vor der Bluttat noch ein Essen mit dem Opfer

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Am Abend vor der Bluttat noch ein Essen mit dem Opfer

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Tatort Asylcontainer: Noch in der Tatnacht wurde die Leiche des Opfers gefunden und geborgen. Foto: Georg Schmitz

Aachen/Geilenkirchen. Der Messerstich im Geilenkirchener Übergangswohnheim bleibt unverständlich. Das Opfer hatte am Abend vor der Tat noch mit dem mutmaßlichen Täter Jurij L. (57) zu Abend gegessen und dabei Wein zugesprochen - einem Bordeaux aus einem Sonderangebot im Supermarkt.

So berichtete es am Dienstag ein 35-jähriger Mitbewohner von L. vor dem Aachener Schwurgericht. Der Zeuge wohnte mit dem Angeklagten seit zwei Jahren zusammen. Alle tranken des Öfteren gemeinsam und auch gerne einen über den Durst.

Das spätere Opfer wohnte nicht weit weg in einem Container des Übergangswohnheims, wohin er sich am Abend schnell verabschiedet hatte, berichtete der 35-Jährige, der den Angeklagten „Onkel“ nennt, wenn er auch nicht richtig mit dessen Familie aus Kasachstan verwandt ist.

Der Zank eskalierte

Doch dieser Tag, so schilderte es der Zeuge vor dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann weiter, hatte es von Beginn an in sich. Denn zunächst fiel das als eher lustig bekannte, dann aber manches Mal im Alkohol- oder auch im Drogenrausch aggressive Opfer über einen Mit-Zecher her. Die beiden hätten sich bereits am Tag zuvor um eine Flasche Bier gestritten. Niemand habe so recht gewusst, warum überhaupt.

Der Streit eskalierte bereits im Wohncontainer des Übergangsheimes, als der später Getötete sich mit seinem Kontrahenten schlug und am Ende mit einem Küchenmesser auf ihn losging. Er soll ihn am Arm verletzt haben, immerhin so schwer, dass er sein Opfer ins Krankenhaus bringen musste. Beide – das später mutmaßlich vom Angeklagten getötete Opfer und der im Krankenhaus am Arm genähte Verletzte – trafen sich zum Essen und Trinken in der Wohnung von Jurij L. und dem Zeugen Sascha C. Der eine ging früh ins Wohnheim, der andere legte sich auf die Couch bei den Freunden hin, „Onkel“ Jurij L. machte sich wahrscheinlich weiter über den Rotwein her.

Kurz nach 23 Uhr sei er aufgebrochen, schilderte der Zeuge C. die verhängnisvolle Nacht des 24. November vergangenen Jahres. Jurij sei ziemlich betrunken gewesen. Erst später, gegen ein Uhr, sei der wieder zurückgekommen. Er habe kaum reden können, nur irgendwelche unverständliche Laute gestammelt, sagte er auf Nachfrage des Richters.

Stimmen aus dem Zimmer

Bereits am Abend habe sich der „Onkel“ darüber aufgeregt, wie man sich denn nur um eine Flasche Bier streiten könne. Er wollte bereits zuvor das spätere Opfer deshalb zur Rede stellen - was er letztlich auch getan zu haben scheint. Denn ein weiterer Zeuge, ein 19-jähriger Schwarzafrikaner, hatte ihn zur fraglichen Zeit ins Übergangswohnheim kommen und kurz darauf wieder gehen sehen.

Dabei muss die blutige Tat passiert sein. Denn als der 19-Jährige Stimmen aus dem Zimmer hörte, die um Hilfe riefen, habe er den Mitbewohner mit einem Messer in der Brust auf dem Bett vorgefunden.

Der Angeklagte hatte in seiner Einlassung am ersten Prozesstag angegeben, der Getötete habe zunächst ihn angegriffen, genau so wie den Kumpel am Morgen zuvor. Da habe er nur noch nach dem Küchenmesser greifen und zustechen können.

Der Prozess soll am 27. Mai fortgesetzt werden.

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