Altenpflege: Mit Vernetzung gegen Fachkräftemangel

Von: Franz Windelen
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Vor allem in östlichen Teilen Deutschlands mangelt es an Fachkräften in der Altenpflege. In Übach-Palenberg wollen sich die Akteure vernetzen, um dramatischen Entwicklungen, die zu erwarten sind, vorzubeugen. Foto: dpa

Übach-Palenberg. Die negative Botschaft steht eigentlich schon seit Jahr und Tag im Raum. Gebetsmühlenartig wird sie immer wieder erneuert. Diesmal schlägt die Bundesagentur für Arbeit Alarm: In der Altenpflege fehlen 14.000 Fachkräfte.

Auch Hans-Werner Quasten kennt die Horror-Zahlen. Sie versetzen den Hausleiter und Geschäftsführer des Alten- und Pflegeheimes St. Josef Übach gGmbH allerdings nicht in pure Panik. „Wissen Sie, die Zahlen werden immer wieder gehandelt. Wirklich bedrohlich ist der Fachkräftemangel in der Altenpflege in den östlichen Bundesländern, dort, wo sich nahezu eine ganze junge Generation verabschiedet hat und die Alten zurückblieben. Auch in einigen westlichen Ballungszentren wird es allmählich eng“, weiß Quasten. In seinem Haus, wie überhaupt im Kreis Heinsberg, sei die Personallage indes (noch) stabil. „Aber dafür muss man natürlich auch etwas tun – und in die Zukunft investieren“, sagt der Leiter und meint damit, junge Menschen ausbilden.

St. Josef sowie einige andere Altenpflege-Einrichtungen im Kreis Heinsberg haben sich zum Pflegenetz „Starke Partner“ zugesammengeschlossen: Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die Ausbildung von Nachwuchskräften.

Auch wenn man sich angesichts der guten Versorgungslage im gelobten Land wähnen könnte, warnt Hans-Werner Quasten vor einem Personalnotstand auch im äußersten Westen der Republik: „Die Situation zeichnet sich schon ab. Wesentlicher Grund sind die zunehmenden Demenz-Erkrankungen. Bis 2030 werden diese um 50 Prozent zunehmen. Das ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess. Den kriegen wir im Kreis Heinsberg nicht allein gestemmt.“

14.000 Fachkräfte fehlen jetzt schon laut Bundesagentur, die Prognose ist offensichtlich noch düsterer. Was muss also passieren? „Nun ja, wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir die Dienstleistungen benötigen, und wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass sie ihren finanziellen Preis haben.“ Beim Altenpflege-Beruf ist es so – ebenso wie in allen anderen sozialen Berufen –, dass wichtige gesellschaftsrelevante Beiträge nicht adäquat entlohnt werden. „Wenn ich beispielsweise einen Monteur im Haus habe, ist der mit Kosten in Höhe von 90 Euro pro Stunde angesetzt. Bei einem Mitarbeiter im sozialen Bereich liegt der Ansatz vielleicht gerade mal bei der Hälfte. Da stimmt was nicht“, ärgert sich Quasten.

Die Wertschätzung der sozialen Berufe durch Gesellschaft und Politik sei äußerst gering. Daher dürfe man sich auch nicht wundern, dass sich – wie eine Umfrage ergeben habe – kaum ein Schulabgänger für die Altenpflege interessiere. Der Beruf müsse attraktiver werden.

Doch da, befürchtet der Übach-Palenberger Heimleiter, werde die Altenpflege noch lange auf effektive Schützenhilfe zuständiger Instanzen warten müssen. Statt konkreter Lösungen gebe es ein aufs andere Mal nur Absichtserklärungen und Vertröstungen. Man hofft auf mehr Geld von den Pflegekassen, um mehr Personal einzustellen beziehungsweise zu finanzieren. „Seit 1995 ist der Personalschlüssel im Hause St. Josef nicht mehr der Realität angepasst worden“, konstatiert der Übacher Altenheim-Chef und setzt nun auf Eigeninitiative vor Ort. In Übach-Palenberg wollen sich die einschlägigen Akteure vernetzen und ein kommunales Konzept erarbeiten. Was das Ergebnis anlangt, ist Quasten vorsichtig optimistisch.

Pessimistische Züge nimmt sein Blick aber an, wenn er das Große und Ganze der Altenpflege in den nächsten Jahrzehnten beurteilen soll: „Die Wahrnehmung aller sozialer Berufe muss in der Öffentlichkeit einen deutlich höheren Stellenwert bekommen. Dafür müssen wir gemeinsam hart kämpfen. Der momentane Trend ist jedoch erschreckend: Wir erleben eher einen Prozess der Entsolidarisierung, das heißt, ein jeder macht sein eigenes Ding.“

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