Altenheim will sich für die Bürger im Quartier öffnen

Von: Udo Stüßer
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Sie wollen für Informationen, aber auch für Spaß sorgen: Karina Wasch und Josef Aretz mit dem Fahrrad-Taxi für behinderte Menschen im Rollstuhl. Foto: Udo Stüßer

Gangelt. Josef Aretz kennt die ViaNobis GmbH seit Jahrzehnten. Wenn der Leiter des Katharina Kasper-Heimes, ein Altenheim mit gerontopsychiatrischem Schwerpunkt für 33 Senioren und Pflegeeinrichtung für 60 ältere Menschen mit Behinderungen, zurückdenkt, sagt er: „Früher waren hier Mauern, obwohl keine Mauern da waren.“

Es gab in der Bevölkerung noch Vorbehalte gegenüber geistig und körperlich behinderte Menschen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. Die Barrieren wurden vor Jahren schon eingerissen, die Einrichtung ist heute ein fester Bestandteil des Ortes, die Menschen dies- und jenseits der altehrwürdigen Klostermauern sind sich näher gekommen. Es bestehen mehr oder weniger intensive Kontakte zwischen Mitarbeitern, Bewohnern, Bürgern und Vereinen. „Das ist für beide Seiten bereichernd“, sagt dazu Unternehmenssprecherin Karina Wasch.

Doch genau diese Kontakte zur Gangelter Bevölkerung wollen Karina Wasch und Josef Aretz intensivieren. Sie wollen die Menschen einander noch näher bringen. Hintergrund ist das von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens propagierte Leben im Quartier.

Diesen Quartiersgedanken greift jetzt das Katharina Kasper-Heim auf. Es öffnet sich für die Menschen aus dem Quartier und schafft neue Angebote. „Die meisten alten Menschen sagen, dass sie so lange wie möglich in ihrem Haus leben wollen. Das gibt ihnen Sicherheit im Alter. Wir müssen unsere Angebote so aufstellen, dass sie zu Hause leben können“, sagt Aretz.

Auch die Verantwortlichen des Kreises Heinsberg haben beizeiten den Quartiersgedanken aufgegriffen und den Kreis Heinsberg in Quartiere unterteilt. „Demnach ist die ganze Gemeinde Gangelt ein Quartier. Doch das ist zu weit gefasst. Ein Quartier kann nur das sein, was gewachsen ist“, will Aretz das Quartier auf den Ortskern Gangelt beschränken. „Dieses Quartier lebt durch seine Beziehungen, durch die Vereine, durch die Kirche. Auch wir möchten mehr für das Quartier Gangelt tun“, sagt der Leiter des Katharina Kasper-Heimes.

„Wir als Altenheim gehen jetzt raus an die Öffentlichkeit und zeigen Gesicht. Wir gehen ins Quartier“, fügt er hinzu. Sicherlich nehmen die Altenheimbewohner bereits am gesellschaftlichen Leben im Ort teil, besuchen Pfarr-, Oktober- und Schützenfeste, man sieht sie in Cafés und Restaurants. „Aber wir wollen auch etwas geben, es soll eine Wechselwirkung stattfinden“, sagt Aretz. „Schließlich gehören wir auch zur Gemeinde“, ergänzt Wasch. Aus diesem Grund haben Aretz und seine Kollegen einen Veranstaltungskalender entworfen, auf dem Informatives und Unterhaltsames für Senioren aufgelistet ist (siehe Infobox).

Da geht es beispielsweise um die Finanzierung von Heimplätzen und die Frage, was sich durch das Pflegestärkungsgesetz II und III ändert. Auf diese Fragen gibt Josef Aretz Antwort. Diakon Thomas Hoff, Vertreter des Ordens, lädt mit szenischen Darstellungen und Musik zu einer Entdeckungsreise in die Welt der Bibel ein. Aber auch eine Weihnachtsbäckerei, Bingo und das gemeinsame Backen von Reibekuchen stehen auf dem Programm.

Auf besonderes Interesse im Ort wird sicherlich ein neuer Service stoßen: Immer Freitagsvormittags bietet das Katharina Kasper-Heim von Oktober bis Dezember eine Einkaufsfahrt an. Mitarbeiter der Einrichtung holen bei Bedarf Senioren zu Hause ab, steuern mit ihnen einen Verbrauchermarkt in der Gemeinde an und bringen sie nach ihrem Einkauf wieder nach Hause. Diese Angebot ist kostenfrei. Eine Anmeldung für den Service ist erforderlich bei Rita Börder, Telefon 02454/59580.

Ebenso wie die 14 anderen Altenheime der Dernbacher Gruppe startet das Katharina Kasper-Heim demnächst eine Kampagne, mit der gezeigt wird, dass alte Menschen nicht nur Defizite, sondern auch Fähigkeiten haben. „Auch Heimbewohner waren oder sind vielleicht Experte auf einem Gebiet, haben ein ausgefallenes Hobby oder besondere Fähigkeiten. Sie können uns als Teil des Quartiers etwas mitgeben“, erklärt Aretz.

Auf Plakaten sollen deren Gesichter abgebildet werden, ein kurzer Text soll die Besonderheiten dieser Menschen schildern. Josef Aretz und Karina Wasch haben sich im Heim bereits umgesehen. Wer sicherlich demnächst für das Leben im Quartier wirbt, ist Hanna, die ehemalige Karnevalsprinzessin, die auch heute mit mehr als 90 Jahren oft außer Rand und Band ist und mit ihrer Fröhlichkeit ansteckt. Und da wäre noch Joachim, der begeisterte Luftgitarrenspieler.

Doch diese Pläne sollen nur ein erster Schritt sein. Josef Aretz und Karina Wasch denken beispielsweise über die Einrichtung eines Runden Tisches nach, an dem alle relevanten Gruppen aus dem Ort zusammenkommen sollen. Vertreter von ViaNobis, Vereinen, Organisationen und Institutionen und Dienstleister sollen sich hier treffen und die Fragen diskutieren: Was kann man verbessern? Wie kann man das Leben der alten Menschen noch lebenswerter machen? Gibt es Barrieren? Und wie kann man die Barrieren überwinden?

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