Alte Schnauferl von der Insel im Museum vereint

Von: Karl-Heinz Hamacher
Letzte Aktualisierung:
Die V1 wird mit ihren 28 PS im
Die V1 wird mit ihren 28 PS im Bahnhof Schierwaldenrath zu Rangierarbeiten eingesetzt.

Gangelt-Schierwaldenrath. Der Laie verbindet das Thema Selfkantbahn mit schwarzen Lokomotiven, mit Dampf sowie mit fauchenden und schnaufenden Maschinen. Aber eben nur der Laie.

„Es gibt nicht wenige Besucher, die haben mit Dampf nix am Hut”, fasst Günther Steinhauer von der Selfkantbahn eine Gruppe Menschen zusammen, die sich für den dieselbetriebenen Teil der historischen Eisenbahn interessieren. „Deshalb”, so Steinhauer, „haben wir uns überlegt, erstmals einen „Diesel- und Inselbahntag zu veranstalten.” Es sind nämlich nicht wenige der Fahrzeuge, die auf den Nordseeinseln für einen autofreien Betrieb sorgten, in Schierwaldenrath bei der Museumsbahn wieder vereint.

Eiserne Romantik bei der Selfkantbahn? Parallelen zu Romeo und Julia, zu den Königskindern oder gar zu Aida und Radames aus Verdis Oper? Das verhinderte Pärchen aus Stahl sind der Dieseltriebwagen T 102, der mehr als 30 Jahre lang auf der Insel Langeoog fuhr und damals die Diesellokomotive V1 ablöste. Gemeinsam gefahren sind sie auf dem Eiland in der Nordsee nie - das gelang ihnen erst, seit sie bei der Selfkantbahn in der gleichen Halle stehen. Die V1 gehört mit ihren 28 PS zu den kleinsten meterspurigen Diesellokomotiven in Deutschland und wird im Bahnhof Schierwaldenrath meist zu Rangierarbeiten eingesetzt. Anders dagegen die Diesellokomotive V8 mit 102 PS, von der es mehrere Hundert gab und die zu den Exportschlagern der DDR-Industrie gehörte. Dieses Exemplar war allerdings nie auf einer Insel, sondern wurde in der August-Bebel-Hütte in Halle an der Saale eingesetzt.

Nordseeluft haben aber etliche Personen- und Güterwagen der Inselbahnen Langeoog, Borkum und Sylt geschnuppert. Detailverliebt, wie man bei der IHS ist, wurden einige Züge so zusammengesetzt, wie sie ehedem über die Inseln fuhren. Selten eingesetzt und wenn, dann immer sehr bestaunt, ist ein so genannter Zweiwegeunimog aus dem Jahre 1981. Das Spezialfahrzeug der Mercedes-Benz-Baureihe 406 verfügt über eine Hecklenkung, ist auf meterspurigen Eisenbahngleisen ebenso einsetzbar wie im Straßenverkehr.

Ach ja, auch wenn natürlich am „Dieseltag” die Dieselfreunde entzückt über den Bahnhof liefen, ungezählte Fotos machten und als Höhepunkt ihres Besuchs eine der Gelegenheiten zur Mitfahrt nutzten, hatte man bei der Selfkantbahn natürlich auch ein Einsehen mit denen, deren Herz nicht für Diesel schlägt, sondern die für Dampf sowie fauchende und schnaufende Maschinen schwärmen: Eine Dampflok war im Einsatz. Während sich zwischen Dampf und Diesel die Geister schieden, waren sich tags darauf alle einig, dass es glorreiche Zeiten waren, als die Rüben noch über die Schiene zur Zuckerfabrik transportiert wurden und nicht, wie seit Kurzem wieder täglich vielfache Praxis, von Traktoren und Lkw über nach Jülich gefahren werden - lange Autoschlangen dahinter inklusive.

Traditionell zum Erntedankfest wird rund um die „Rübenrampe” demonstriert, wie es war, als zu den besten Zeiten täglich über 200 Waggons mit einem Ladegewicht von bis zu 25 Tonnen Rüben transportfertig gemacht wurden. Die Züge, die aus dem herbstlich mit Feldfrüchten geschmückten Bahnhof Richtung Gillrath starteten, kamen allesamt am Gelindchen in der Nähe von Birgden vorbei. Hier wurden Kartoffeln nach alter Väter Sitte geerntet und den Reisenden zum Kauf angeboten. Die Erdäpfel, die übrig blieben, wurden den Selfkantbahnern abends als Reibekuchen serviert. Am letzten Wochenende ging dann auch die Saison der Selfkantbahn zu Ende. „Gut war es”, resümierte Helmut Kommans knapp.

Die vielen Sonderveranstaltungen waren gut besucht, drei Hochzeiten gab es und alles Kulinarische - Frühstücksfahrten, Meisterkoch Hensen und die Spargeltouren - war so gut wie ausgebucht. Aber traditionell wird ja am ersten Adventswochenende wieder angeheizt. St. Nikolaus gibt sich dann die Ehre und auch bei den beliebten Fahrten ist damit zu rechnen, dass bald - wie die erste und zweite Fahrt jetzt schon - alles ausgebucht sein wird. Nikolaus selber konnte aber verkünden, dass erstmals die Nikolaustickets im Internet gebucht werden können.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert