„Alt-Grotenrath erzählt“: Willi Goertz lauscht seiner Heimat

Von: Renate Kolodzey
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Idyllisch gelegen im (Gelb-) Grünen: So kennt man Grotenrath heute. Foto: Jan Mönch

Geilenkirchen. „Obwohl ich lange Zeit außerhalb Grotenraths tätig war, habe ich den Kontakt zur Heimat nie verloren“, sagt Willi Goertz, Theologe und Philologe, der in Grotenrath lebt. Schon seit frühester Jugend habe der heute 51-Jährige Interesse an Heimatgeschichte gehabt, plaudert er, und sei diesbezüglich immer engagiert gewesen.

Momentan ist er Mitglied im Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege Übach-Palenberg, im Kolpingwerk sowie in einem niederländischen Heimatverein, früher auch im Historischen Klassenzimmer.

Aus der Feder des Grothenrathers stammen viele Artikel in Heimatkalendern sowie das Buch „Erlebt und unvergessen“. Hier beschreibt er die Zwangsevakuierung der Selfkant-Bevölkerung in ein Konzentrationslager in den Niederlanden.

„Wegen der positiven Resonanz auf dieses Buch habe ich mich entschlossen, ein weiteres zu schreiben“, erklärt er. „Alt-Grotenrath erzählt“ heißt es und ist ein historischer Rundgang durch sein Heimatdorf. „Wenn ich mich mit Geschichte beschäftige, gehe ich in meiner Arbeit auf“, sagt Goertz, der zwei Jahre für das Buch recherchiert hat.

Sein Werk startet mit Ereignissen des 16. Jahrhunderts, der sogenannten „Bockreiter-Zeit“, als Plünderbanden ihr Unwesen trieben, und reicht bis in die jüngere Vergangenheit der 70er Jahre.

Schwerpunkte sind unter anderem Kirchbaugeschichten, die Loslösung Grotenraths von Marienberg sowie Epochen der Pfarrgeschichte, die teils durch Archivmaterial aus dem Bistum erarbeitet wurden, weil es mitunter keine Augenzeugen mehr gibt. Wo Goertz sie noch ausfindig machen konnte, hat der Schriftsteller Interviews geführt. In die Niederlande, nach Westfalen und in die Kölner Gegend ist er dafür gefahren.

Goertz lag es besonders am Herzen, die Lebenswirklichkeit der Menschen in verschiedenen Perioden zu rekonstruieren.

Zur Veranschaulichung hat der Grotenrather umfangreiches Bildmaterial wie die Urkunde des Kirchbaus von 1844, 100 Jahre alte Kommunionbilder, die Quelle zur Glockenweihe von 1911, Feldpostkarten und Soldatenbilder aus dem Ersten Weltkrieg, Schulfotos sowie Erinnerungen an längst verstorbene Lehrer, Pfarrer, Polizisten und Vereine zusammengetragen.

Die mit Zeitzeugen geführten Interviews beziehen sich meist auf Ereignisse während des Zweiten Weltkrieges. „In beeindruckender Offenheit haben Betroffene von Krieg, Evakuierung und dem Soldatentod naher Angehöriger erzählt“, erinnert sich der Autor, der zudem auf Originalquellen wie Feldpostbriefe, Todesbenachrichtigungen, Bilder aus Evakuierungsorten und von einem heimischen Luftschutzbunker zugreifen konnte.

Der Aufenthalt des späteren US-Außenministers Henry A. Kissinger in Grotenrath erwähnt Goertz in seinem Buch würdigend. Die Arbeit von Grotenrather Missionaren in Japan, Namibia und im Kongo findet ebenfalls seinen Platz, auch hier mittels Augenzeugen, Zeitungsberichten und Briefen.

Abgerundet wird das Heimatbuch durch Fotos, die sich heute im Schularchiv der KGS Teveren befinden und Ereignisse zwischen 1960 und 1970 darstellen. Entstanden ist das Schularchiv mit Hilfe des damaligen Grotenrather Schulleiters Otto Schüppen und durch die in heimischem Dialekt verfassten Erinnerungen des Grotenrathers Leo Rongen.

„Ich danke dessen Sohn Rudolf, der sie mir zur Verfügung gestellt hat“, merkt Goertz an. „Ebenso bedanke ich mich bei allen Interviewpartnern und der Grotenrather Ortsvorsteherin Theresia Hensen, die mich bei meinen heimatkundlichen Bemühungen stets unterstützt hat, der St.-Cornelius-Bruderschaft Grotenrath und meinen Kollegen im Verein für Denkmalschutz und Landschaftspflege.“

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