Alt-Bürgermeister Aretz erinnert an die Anfänge der Republik

Von: Karl-Heinz Hamacher
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Gangelt-Birgden. „Als ich diesen Satz hörte, das habe ich gewusst: Es geht gut!” Legendär ist der Adenauer-Ausspruch: „Wir wählen die Freiheit!” Der aber, da ist sich Heinrich Aretz ebenso sicher, für viele in den alltäglichen Sorgen unterging.

Am Donnerstag, am „Vatertag”, ist Heinrich Aretz 77 Jahre alt geworden, war also am 23. Mai 1949 17-jährig, als - heute vor 60 Jahren - das Nachkriegs-Deutschland mit der Unterzeichnung des Grundgesetzes einen ebenso mutigen wie erfolgreichen Weg in die Zukunft beschritt.

Heinrich Aretz war schon in der kirchlichen Jugendarbeit tätig, gründete 1950 die Junge Union im Ort und schickte sich an, aus dieser Position heraus zu einer wohl beispiellosen kommunalpolitischen Karriere zu starten.

Das konnte er damals nicht wissen. Heute sagte er rückblickend, dass ihn der Aufbruch schon begeistert habe und er mit der adenauerschen Entscheidung für den Weg westwärts beruhigt nach vorne geschaut habe. Zeit zum Jubeln, Zeit, begeistert zu sein, habe damals niemand gehabt. „Vieles war noch kaputt. Viele haben gehungert, hatten ganz andere Sorgen.”

Wenn der ein oder andere Bauer nicht gewesen wäre, hätte die siebenköpfige Aretz-Familie vielfach nichts zu essen gehabt. „Oft habe ich meiner Mutter im Bett liegend gesagt, dass ich Hunger habe.” Ein Ei gab es täglich vom Huhn, „eine Pöll”, wie Heinrich Aretz sie nennt.

Das wurde von der Mutter mit Milch so verlängert, dass es für drei Butterbrote reichte. Einmal habe ihm eine Kollege bei seiner Arbeit auf der Strecke bei der Kreisbahn einen Hasen vor der Nase weg geschnappt. „Da habe ich geweint. Das wäre bei uns zu Hause wie Weihnachten gewesen, wenn ich den mitgebracht hätte.”

Nicht die Nazi-Vergangenheit sei es gewesen, die ihn ins staatsbürgerliche Engagement getrieben habe. „Mit dem Blick nach vorne die Zukunft gestalten, das war meine Idee.” Und dennoch erkennt man auch in ihm die Prägung durch die Nazi-Vergangenheit. Wenn er sich erinnert, merkt man, dass Heinrich Aretz Gesichter und Namen aus dem Ort vor Augen hat. Die sagt er nicht, nur soviel: „Diese Zeit habe ich in fieser Erinnerung!”

Bald mit dem Nachvorneschauen beschäftigt, begann auch Heinrich Aretz´ Aufstieg: JU, CDU, Vorstand und 1961 in den Birgdener Rat. 1964 wurde er Amtsbürgermeister in Waldenrath. „Ich hatte Schwein, dass Heinrich Meuffels nach Geilenkirchen zog”, weiß er, wem er diese Chance zu verdanken hat. Profiliert hat er sich nach der kommunalen Neugliederung 1969. „Eigentlich wollten wir gar nicht nach Gangelt. Wir Birgdener wollten mit Waldenrath nach Heinsberg.”

Gegen Widerstände und mit seiner eigenen Stimme, wie er immer wieder betont, wählte er sich zum Bürgermeister. Da hat er ja prominente Vorbilder: Adenauer - Heinrich Aretz nennt ihn häufig „Conny” - wurde im September 1949 auch mit der eigenen Stimme zum ersten Bundeskanzler der jungen Republik gewählt.

„Conny”, ein politisches Vorbild, Helmut Kohl natürlich auch. Auf Gerhard Schröder, immerhin Sozialdemokrat, lässt er ebenfalls nichts kommen. Beide hat er besucht. 1992 Kohl in Bonn, dann Schröder in Berlin. Blumig kann er von diesen Begegnungen erzählen.

Nie hätte er zudem gedacht, eine „unblutige” Wiedervereinigung Deutschlands zu erleben. Dann hat er sich massiv für den Wiederaufbau in der Partnergemeinde Sohland an der Spree im Kreis Bautzen eingesetzt. Wenn er von all dem erzählt, blickt er auf ungezählte Urkunden an der Wand, die sein Wirken ehren. Der Verdienstorden des Landes NRW, das Bundesverdienstkreuz am Bande, zusätzlich das erster Klasse.

Am liebsten blickt er aber auf Ehefrau Anna, mit der er bald Goldhochzeit feiert. „Die würde ich sofort wieder heiraten”, ist sich Heinrich Aretz sicher, politisch wie privat vieles richtig gemacht zu haben.
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