Als Ruhe und Ordnung oberste Bürgerpflichten waren...

Von: hama
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„Vergessene Stimmen” hieß das Kabarettprogramm, mit dem das „TheaterKristall” in Gangelt Station machte. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Gangelt. Vergessenen Stimmen einen Raum zu geben, war das Anliegen, mit dem das „TheaterKristall” in das Erzählkaffee „Münchenhausen” nach Gangelt gekommen war. Der Leiter der Gruppe, Dr. Karl Schulz, Marita Dreckmeyer, die auch durch das Programm führte, Gehrt Hartjen und Michael Greven hatten aus einem breit gefächerten Repertoire Texte und Musik mitgebracht.

In der Kaiserzeit um 1910, als „Ruhe und Ordnung” noch oberste Bürgerpflicht waren, gab es eine handvoll Leute die sich auflehnten - auf ihre Weise, kabarettistisch eben.

„Unpolitische Käsrede”

Heute oft vergessene Stimmen, wie die von Erich Mühsam, Paul Scheerbart, Frank Wedekind, Peter Hille, aber auch wiederum bekannt gebliebene von Erich Mühsam, Christian Morgenstern und dem heute noch oft gehörten Karl Valentin. Welcher Affront mag es für die damalige Politik gewesen sein, die „unpolitische Käsrede” um die Ohren gehauen zu kriegen. Meisterhaft und mit valteninschem Pathos trug Gehrt Hartjen die aneinander gereihten Worthülsen vor. Immer wieder erfuhren die Gäste von Obrigkeitshörigkeit und Zensur, von der List, mit der die Texte öffentlich gemacht wurden, aber auch von der Resignation Einzelner.

Ein wunderbares Beispiel, wie den Mitläufern der Zeit der Spiegel vorgehalten wurde, war die Geschichte von der gebratenen Ameise. Hier, wie auch bei vielen andern Stücken, wurde die Schauspielkunst des Ensembles deutlich, und da blieb den Gästen dann hier und da, ob der Brisanz der Texte, das Lachen im Halse stecken. Nicht so, als zum Schluss „Meyer sieht mich freundlich an” gesungen wurde. Da lacht der Kapitalist nur vom Ölgemälde, als einer vom Proletariat sich mit seiner Gattin vergnügt. Apropos Kapitalismus: Wer wissen möchte, wie man mit einer „Blaswurst” zum Millionär wird, sollte sich unbedingt einmal das Programm des „TheaterKristall” ansehen.

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