Als der Gurkeneimer den Rhythmus angab

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Geilenkirchen. Die Sankt-Johannes-Schützenbruderschaft Hünshoven feiert vom 27. Juni bis 1. Juli ihr 350-jähriges Bestehen. Zum Fest hat Johannes Hahnen einen Blick in die Historie der Bruderschaft geworfen.

Der zweite Abschnitt beginnt mit dem Jahr 1939.

Schon wenige Monate nach dem Schützenfest 1939 begann der zweite Weltkrieg mit seinen furchtbaren Folgen für Land und Leute. Ob nicht manch einer der damals Feiernden voller bangen Ahnungen war in der Erinnerung an das 250-jährige Jubelfest des Jahres 1914?

Schon im November 1945 trafen sich 47 Schützen in Hünshoven und beschlossen, ihre fortan als „St.-Johannes-Schützen-Bruderschaft 1664“ zu nennende Gesellschaft weiterzuführen. Über die am 1. März 1947 verabschiedete Erneuerungsurkunde wurde das Motto der Erneuerungsurkunde von 1745 gesetzt: „Alles Zur Höchster Ehren Gottes“.

Diese Urkunde, vom damaligen Archivar Matthias Hönings entworfen, legte Wert auf die geschichtliche Kontinuität des ursprünglichen Geistes der Bruderschaft: „Ob nun unter dem oder jenem Namen, der Sinn und die Gebräuche, sowohl bei den kirchlichen wie auch bei den weltlichen Feiern, blieben bestehen und wurden in der einen oder anderen Form höchstens unterbrochen, nicht aber abgeschafft. Der Zeitgeist rüttelte wohl manchmal stark an der so geschaffenen Struktur der Gesellschaft, aber stürzen konnte er sie nicht.“

In der auf der Grundlage dieser Erneuerungsurkunde abgefassten Satzung wurde die Zugehörigkeit zur wiedergegründeten „Erzbruderschaft vom Hl. Sebastianus“ dokumentiert. 1948 wurde auch nichtkatholischen unbescholtenen Bürgern christlicher Konfession der Beitritt gestattet.

Während der Jahre 1947 bis 1949 beteiligten sich die Schützen an den Arbeiten zur Entschuttung der zerstörten Pfarrkirche. Im Jahr 1949 wurde zum ersten Mal nach dem Krieg wieder eine Kirmes im Zelt gefeiert. Es lag auf den unbebauten Grundstücken Romunde und Kamps am Hünshovener Markt. Das war das 3. Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg, der auch in die Reihen der Bruderschaft grausame Lücken gerissen hatte.

Im Vorjahr hatte man noch im Steinbueschbad, dem damals einzigen unzerstörten Saal der Stadt, die Sommerkirmes gefeiert, bei „Knolli Brandy“ (Rübenschnaps) und mitgebrachten Butterbroten und Kartoffelsalat. Heute noch versichern die Beteiligten, dass es eines der schönsten Feste war – kein Wunder nach den entbehrungsreichen Kriegs- und Nachkriegsjahren.

1949 hatte Leo Basten den Vogel abgeschossen. Er löste Heinz Keller ab, der Willi Wolf als König gefolgt war. Es muss schon häufig so gewesen sein, dass die Montags-Frühschoppen der Hünshovener Schützen ihr eigenes Fluidum und eine nicht nachzuahmende Note hatten, womit allerdings nicht nur die Dauer (oft bis zum nächsten Morgen) gemeint sein soll. So hatte auch dieser Frühschoppen am Montag, 27. Juni 1949, seine Attraktion.

Man feierte in gewohnter Manier – und konnte einfach keine vollen Gläser stehen sehen. Hierbei entsann sich Schützenbruder Franz Jungen seiner Querflöte, die in irgendeiner Schublade schon viele Jahre ein trauriges Dasein fristete. In dem Augenblick, als der Abmarsch befohlen wurde, mangels Kapelle unter Pfeifen und Absingen altbewährter Lieder, kam die Idee eigener Musik. Zumal sein Schwager, Franz Hansen, trommeln konnte, aber kein Instrument besaß.

Wer nun die Eingabe hatte, lässt sich nicht mehr feststellen: Ein Marmeladen- oder Gurkeneimer musste als Ersatztrommel her. Willi Derichs durfte das Gefäß bei der Mutter von Josef Hermanns im Lebensmittelgeschäft abholen. Nun waren „Flötist und Tambour“ ausgerüstet. Und im Zug war auch Theo Comanns, wie seine beiden Kameraden schon vor dem Krieg Spielmann aus Passion und jahrelang Tambourmajor des Hünshovener Trommlerkorps.

Der Abmarsch der Schützen ab Gaststätte Knuppertz, später Ohlenforst und heute Sitz der NEW, durch die Nikolaus-Becker-Straße gestaltete sich zu einem Erlebnis für alle Beteiligten. Was mit zwei Mann, Querflöte und Marmeladeneimer begonnen hatte, wuchs zu einer stattlichen Mannschaft in der Hünshovener Schützenbruderschaft.

Nachdem am 20. Oktober 1951 die neue Kirche konsekriert worden war, verlegte die Bruderschaft ihre Herbstkirmes vom November auf den Sonntag nach dem Jahrestag der Kirchweihe. Verbunden wurde damit der Tage der gemeinschaftlichen Kommunion aller Schützenbrüder, zu dessen Programm das gemeinschaftliche Frühstück und der Ball am Abend gehörten.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen die jährlich wiederkehrenden Einkehrtage im Missionshaus St. Josef, die meistens in der Adventszeit gehalten werden. Besonderer Erinnerung wert sind die vom bruderschaftlichen Geist getragenen Aufzüge und Treffen der Hünshovener St.-Johannes-Schützen mit den Geilenkirchener St.-Sebastianus-Schützen und den St.-Josef-Schützen von Bauchem, außerdem die alljährlich im Januar oder Februar stattfindenden Kameradschaftsabende.

Die Pflege des Brauchtums dienenden Bemühungen gesellschaftlicher und kameradschaftlicher Art in einer Wechselbeziehung zu den religiösen Gepflogenheiten zu erhalten, war das Ziel gemäß dem Wahlspruch der Erzbruderschaft: „Aus alter Wurzel neue Kraft!“ 17 Jahre nach der Annahme der Erneuerungsurkunde und 300 Jahre seit der Gründung sollte der Schwung des Neuen lebendiger wirksam sein als die „fragwürdige Würde“ eines schlecht oder gar falsch verstandenen Alten, welches dann eben nicht mehr „ehrwürdig“ ist.

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