„Alkohol war immer präsent“

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Er sieht in den Festtagen eine Gefahr für Suchtkranke: Lars Lingenberg, Sozialarbeiter im Therapiezentrum Loherhof. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Ein klassisch-bürgerliches Weihnachtsfest mit Weihnachtsbaum, Geschenken und gutem Essen feiert Lars Lingenberg, Sozialarbeiter im Therapiezentrum Loherhof. Über das Weihnachtsfest seiner Klienten und über die Gefahren für die Therapie sprach er mit unserem Redakteur Udo Stüßer:

Wie wird im Therapiezentrum Weihnachten gefeiert?

Lingenberg: Heiligabend wird ein Buffett im stationären Bereich aufgebaut. Es ist dann festlich geschmückt, jeder Klient bekommt ein Geschenk. Viele Klienten haben gerade an den Weihnachtstagen ein schlechtes Gefühl und bleiben in ihren Zimmern. Ambulante Klienten können hinzukommen und mitfeiern. Es sind auch immer Therapeuten im Haus.

Sind die Weihnachtsfeiertage nicht eine besonders sensible Zeit?

Man spürt die Anspannung, die Leute sind nervöser. Weihnachten sind sie emotionaler und verletzlicher. Manche haben eine Familie, dürfen aber nicht hin, weil die Familien nichts mit ihnen zu tun haben wollen. Andere haben Familienkontakte und können dort ein harmonisches Fest feiern. Das macht viele Klienten, die hier bleiben müssen, traurig. Es zeigt den Klienten die eigenen Grenzen und die Diskrepanz zwischen eigener Realität und gesellschaftlichem Bild von Weihnachten. Das tut weh.

Werden an den Festtagen viele Besucher erwartet?

Lingenberg: Das stellen wir den Klienten frei. Es kommen manche Verwandte zu Besuch. Bei einigen Klienten ist das aber nicht möglich. Darüber reden wir dann mit ihnen. Wir sind eine offene Einrichtung,. Die Klienten sind freiwillig hier und freiwillig abstinent.

Können Ihre Klienten Urlaub nehmen? Oder ist die Rückfallgefahr zu groß?

Lingenberg: Ja, das muss man leider sagen. Alkohol hat immer im Leben unserer Klienten eine große Rolle gespielt und war an den Weihnachtstagen immer präsent. Dem nun zu widerstehen, ist natürlich schwierig. Die Rückfallgefahr ist dann für unsere Klienten groß. Wenn wir das Gefühl haben, dass es dem Klienten schwer fällt zu widerstehen, dann versuchen wir, ihn zu überzeugen, hier zu bleiben. Aber der Klient muss selbst die Erkenntnis haben. Und das geht nur im Gespräch.

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