Übach-Palenberg - Alkohol-Parcours: Wie man Kinder vor Sucht schützt

Alkohol-Parcours: Wie man Kinder vor Sucht schützt

Von: Danielle Schippers
Letzte Aktualisierung:
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Im „Alkohol-Parcours“: Eltern und Schüler lernten darin an der Realschule Übach-Palenberg viel Wissenswertes.

Übach-Palenberg. Gar nicht so leicht, den Parcours mit einer Rausch-Brille ohne Fehler zu durchlaufen: „Ich war sehr überrascht darüber, wie verzerrt man dadurch sieht. Allerdings war ich auch noch nie so betrunken, dass ich mein Blickfeld so wahrgenommen habe“, meinte Thorsten Reusch, Elternteil aus Herzogenrath, der die Rausch-Brille zum ersten Mal ausprobiert hatte. 1,8 Promille hatte sie simuliert.

In Deutschland gibt es 2,5 Millionen behandlungsbedürftige alkoholabhängige Menschen. Wie Eltern dazu beitragen können, dass ihre Kinder verantwortungsvoll mit Alkohol umgehen, dazu hatte die Realschule Übach-Palenberg Experten eingeladen, um die Eltern der 8. Klassen zu informieren.

Seit vielen Jahren besuchen die erfahrenen Experten Friedrich Mathieu, der Zuständige für Sucht- und Drogenprävention der Kreispolizeibehörde Heinsberg, und Klaus Poschen, Regionaldirektor der AOK Heinsberg, die Schüler.

In diesem Jahr hatten die Eltern der Jugendlichen das erste Mal die Gelegenheit, abends zu sehen, was ihre Kinder vormittags über die Gefahren des Alkohols gelernt hatten, konnten mit anderen Eltern darüber diskutieren und Fragen an die Suchtexperten richten. Der „Alkohol-Parcours“, den die Experten mitgebracht hatten, bestand aus fünf Stationen. Er wurde im „Euregionalen Arbeitskreis Suchtprävention“ entwickelt und wurde vorigen Monat beim Präventionspreis in Berlin unter die besten 14 von 150 Teilnehmern gewählt.

Die erste Station verdeutlicht, wie lange sich Alkohol im Körper jeweils mit und ohne Mahlzeit hält. Bei der zweiten Station sollten die Jugendlichen am Vormittag Party-Fotos bewerten, welche sie in Ordnung finden – etwa um sie bei Facebook öffentlich zu zeigen – und welche nicht. Diese Station ist insofern interessant, als die Eltern dort sehen können, wie ihre Kinder sich morgens als Gruppe entschieden haben. Mathieu betonte, dass sich allerdings in diesem Versuch auch Gruppendynamiken zeigen, wo sich besonders die Jungen als cool darstellen wollten. Damit wollte er verdeutlichen, dass der Konflikt zwischen den Generationen gar nicht so groß ist, wie viele denken.

Die dritte Station zeigt Plakate mit verschiedenen Statements, wie Eltern reagieren können, wenn Sohn oder Tochter öfter betrunken nach Hause kommen. Die Schüler sollten sich zuerst an dem Plakat positionieren, wie sie ihre Situation zuhause wahrnehmen und anschließend vor dem, wie sie sie sich wünschen würden. Dass sich gerade Jugendliche in der Pubertät Regeln und Grenzen wünschen, überraschte einige Eltern.

Die vierte Station bestand in der Aufgabe, mit „Rausch-Brillen“ und zusätzlichen Gewichten an den Armen einen Slalom zu laufen und anschließend einen zwei Meter entfernten Eimer mit einem Ball zu treffen. Diese Brillen simulieren den Blick unter Alkoholeinfluss, bis hin zu einem völlig betrunkenen Sichtfeld bei 1,8 Promille bei Nacht. Entsprechend erheiternd ist da natürlich der Versuch, den Slalom auch nur annähernd ohne Fehler zu laufen. Die letzte Station ist ein Quiz, bei dem Daten und Zahlen vermittelt werden.

Mehrmals betrunken

40 Prozent der Jungs und 34 Prozent der Mädchen in der 10. Klasse gaben 2012 bei einer Befragung im Kreis Heinsberg an, in den vergangenen vier Wochen mehrmals betrunken gewesen zu sein. Mädchen holen bei Alkohol- und Drogenkonsum massiv auf und werden auch extremer im Konsum.

Neben dem Alkohol-Parcours erarbeiten die Schüler der 8. Klassen jedes Jahr ein Kunstprojekt, dieses Jahr trägt es den Titel „Bunt statt Blau“. Außerdem kommt ein anonymer Alkoholiker in die Schule. Sabine Steinbeck, die Beratungslehrerin Suchtvorbeugung an der Schule, die das Projekt betreut, meinte: „Erfahrungsgemäß nehmen die Jugendlichen in dem Alter das ganze Thema zuerst auf die leichte Schulter. Aber spätestens nach diesem speziellen Besuch finden sie es nicht mehr so lustig und nehmen das Problem ernst.“ Zusätzlich werden im Biologie-Unterricht Fragen beantwortet, etwa wie Alkohol im Körper eigentlich wirkt.

Die beiden Experten betonten, dass nicht der gelegentliche Konsum von Alkohol bei Jugendlichen unter 16 das Problem ist, auch wenn er rechtlich gesehen illegal ist. Problematisch sei es, wenn der Weg in die Sucht eingeschlagen werde. Immerhin 43 Prozent der Jugendlichen aus der genannten Umfrage gaben auch an, viel Alkohol zu trinken, um ihre Probleme zu vergessen. Einer der wichtigsten Aspekte ist neben dem Umfeld und einem gefestigten Charakter die Vorbildfunktion von Eltern.

Susanne Schütz, Mutter zweier Schüler aus Geilenkirchen, hat den Info-Abend als sehr sinnvoll empfunden: „Ich finde es wichtig, dass und wie man dieses Thema mit den Kindern zuhause überhaupt bespricht. Wir haben heute nach der Schule schon darüber geredet und ich fand es super, wie konsequent meine Kinder mich wahrnehmen.“ Die meisten anderen teilnehmenden Eltern sahen die Problematik ähnlich, etwa Jörg Breuer aus Frelenberg: „Überrascht haben mich die Informationen heute Abend nicht. Wir reden zuhause offen über alles, auch über schwierige Themen wie Drogen und Alkohol.“

Dass das der richtige Ansatz ist, bestätigten auch die Experten.

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