Geilenkirchen - Albaner auf der Suche nach einer Partnerstadt

Albaner auf der Suche nach einer Partnerstadt

Von: Jessica Küppers
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Präsente erhalten die Freundschaft: Bürgermeister Georg Schmitz und die Vertreter Albaniens, Honorarkonsulin Anduena Stephan und Botschafter Artur Kuko, tauschen Geschenke aus. Foto: J. Küppers

Geilenkirchen. Hoher Besuch in Geilenkirchen: Der albanische Botschafter Artur Kuko und seine Honorarkonsulin Anduena Stephan, die die Interessen der Albaner in NRW vertritt, waren zu Gast, um sich in das goldene Buch der Stadt einzutragen. Doch nicht nur das. Die beiden verfolgten noch ein anderes Ziel auf ihrer Reise.

Sie wollen herausfinden wie die Menschen in Geilenkirchen – zu denen auch rund 60 gebürtige Albaner gehören– ticken, um eine ähnliche Stadt in Albanien zu finden. Wenn es nach dem Wunsch der beiden Besucher geht, soll so langfristig eine Städtepartnerschaft entstehen, die wirtschaftliche, kulturelle und soziale Kontakte fördert.

Werben für Kooperationen

Um sich ein besseres Bild von der Stadt und ihren Bewohnern machen zu können, unternahmen sie zunächst mit dem Vorsitzenden der Geilenkirchener Europa Union, Gerd Wassenberg, eine Rundfahrt. Dabei kamen sie unter anderem in die Nähe der Nato-Airbase, die für den Botschafter eine besondere Bedeutung hat. Er selbst war einige Zeit für die Nato tätig.

Doch nicht nur diese Besonderheit Geilenkirchens hinterließ bleibenden Eindruck bei den albanischen Gästen. Auch die wirtschaftliche Struktur mit landwirtschaftlich und industriell geprägten Gebieten, beeindruckte sie auf ihrer Tour. Unter anderem sei eine Kooperation von deutschen Unternehmen und albanischen Start-Ups denkbar, sagt Stephan. Ein großes Potenzial sieht sie unter anderem im Tourismus. „Albanien hat 300 Tage Sonne im Jahr“, sagt sie.

Doch die Konkurrenz durch Länder wie Griechenland und Italien sei immer noch sehr groß. Doch auch in anderen Branchen wie beispielsweise in der Energiewirtschaft bieten sich zahlreiche Möglichkeiten einer Zusammenarbeit. „Die Investitionen von 180 Millionen Euro könnten mindestens auf eine Milliarde ansteigen“, prognostiziert Kuko und will daher besonders für eine Ausweitung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern werben.

Damit das Verhältnis zwischen Deutschen und Albanern weiter verbessert werden kann, ist aber noch einiges zu tun. Ein Problem, das die Beziehung der beiden Länder zueinander auf eine harte Probe stellt, ist der anhaltende Flüchtlingsstrom aus Albanien. Im August vergangenen Jahres erreichte die Zahl der Asylanträge von Flüchtlingen aus Albanien einen Spitzenwert von 8200. Seitdem nehme die Zahl jedoch stetig ab, sagt Kuko und zeigt sich optimistisch, dass diese Entwicklung in den nächsten Monaten so weitergehen werde.

Derzeit werden etwa 1300 Anträge monatlich von Albanern gestellt. Als Hauptgrund für die Flucht sieht er, dass seine Landsleute „schneller einen höheren Lebensstandard erreichen wollen“. Dass sie von einem Leben in Deutschland träumen, ist jedoch kein Zufall. Die Albaner seien richtige Fans von Deutschland, erzählt er. Besonders deutlich sei das während der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien geworden. „Die Menschen in Albanien haben sich wahnsinnig für die Deutschen gefreut“, sagt Kuko. Die Stimmung in seinem Land sei wie in Köln oder Berlin gewesen.

Dass diese Begeisterung nicht nur den Sport betrifft, sondern auch bis in die politische Ebene reicht, ist ihm ein besonderes Anliegen. „Wir wollen zur EU gehören“, sagt er. Das kleine Land zwischen Griechenland und Jugoslawien fühle sich schon jetzt den Europäern sehr nah, „weil für die Albaner die Sonne immer im Westen aufgeht“, sagt er.

Ein impulsives Volk

Trotz dieser Nähe sind die Unterschiede der Kulturen nicht zu übersehen. „Albaner sind impulsiver“, sagt die Honorarkonsulin lachend. Sie ist mit einem Aachener verheiratet, arbeitet seit über 25 Jahren in beiden Ländern und hat viele Menschen beider Kulturen kennengelernt. Die Deutschen seien sehr diszipliniert und pünktlich, was die Albaner so gut wie nie hinkriegen würden, ergänzt sie. Sie persönlich würde mittlerweile „ganz egoistisch, das Beste aus beiden Ländern“ für sich in Anspruch nehmen. Konkret heißt das: Die Sonne Albaniens und die Ordnung und Ruhe Deutschlands.

Kommt die Städtepartnerschaft zustande, kommen vielleicht auch bald die Geilenkirchener in den Genuss.

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