Aktionsprogramm: Mit Landesgeld gegen den Ärztemangel

Von: Jan Mönch
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Leere Wartezimmer haben Landärzte im Gegensatz zu ihren Kollegen in den Großstädten in den kommenden Jahren kaum zu befürchten. Zu eklatant klafft die Zahl an Patienten und Allgemeinmedizinern jetzt schon auseinander. Foto: dpa , Udo Stüßer
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Unter den niedergelassenen Hausärzten in Übach-Palenberg ist Dr. Heiner Buschmann der älteste, in der Stadt bekannt ist er auch als Arzt der Feuerwehr. Die Aufnahme der Stadt in das Hausarztaktionsprogramm hält er für eine gute Sache.

Übach-Palenberg. Dr. Heiner Buschmann ist Allgemeinmediziner, er würde keinen anderen Beruf ausüben wollen. Und zwar auch keinen Beruf als Facharzt. Buschmann spricht von einem „Erfahrungsschatz“, den er über die Jahrzehnte angehäuft habe, es gebe in Übach-Palenberg Familien, die er in dritter Generation betreue.

Diese Bindung zu den Menschen sei es, die seinen Beruf zur Berufung und sein Leben reicher mache. Wenn Buschmann darüber spricht, was es bedeutet, Hausarzt zu sein, dann fällt es schwer zu glauben, dass die Anzahl der Allgemeinmedizinern im ländlichen Raum ein echtes Problem ist.

Und doch ist es so, was auch für Übach-Palenberg gilt. Von zurzeit 15 tätigen Hausärzten sind zehn älter als 55, man muss kein Mathematikstudium absolviert haben, um zu erkennen, dass das nicht lange gut gehen kann. Als gute Nachricht darf vor diesem Hintergrund gelten, dass die Stadt in das Hausarztaktionsprogramm des Landes NRW aufgenommen worden ist, und zwar in der Förderkategorie zwei.

Das bedeutet zunächst: Der Bestand an Hausärzten in Übach-Palenberg gilt offiziell als „mittelfristig gefährdet“. Und es bedeutet weiter: Ab sofort kann die Niederlassung sowie die Anstellung von Hausärzten in der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung mit einem Zuschuss von bis zu 25.000 Euro gefördert werden. „Ich freue mich sehr, dass das Hausarztaktionsprogramm neue finanzielle Anreize für Hausärzte bietet“, sagt Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch.

Heiner Buschmann ist mit 62 Jahren der älteste der Übach-Palenberger Hausärzte. Schon lange sucht er nach einem Nachfolger, der seine Praxis einmal übernehmen wird, bislang ohne Erfolg. Natürlich liegt das ein bisschen daran, dass er seine Praxis nicht einfach an den Erstbesten verschachern möchte. Aber es ist auch nicht so, dass die Bewerber Schlange stünden. Im Gegenteil.

Die Aufnahme ins Aktionsprogramm des Landes hält Buschmann für einen wichtigen Aspekt. Wie viel Geld ein junger Allgemeinmediziner in die Hand nehmen muss, um eine Praxis zu übernehmen, könne man pauschal nicht sagen, diese Frage hänge von zu vielen Faktoren wie etwa Art und Alter der Ausstattung ab. Jedenfalls seien 25.000 Euro „mit Sicherheit ein vernünftiges Startkapital“.

Das Hausarztaktionsprogramm ist nichts Neues, es läuft bereits seit 2009. Laut Ärzte-Zeitung wurden die bereitgestellten Mittel von jährlich 2,5 Millionen Euro bislang in keinem Jahr vollständig abgerufen. Aber: Die Nachfrage steige kontinuierlich. Zuletzt wurde demnach der potenzielle Teilnehmerkreis erhört: Während bislang nur Kommunen mit einer Einwohnerzahl von maximal 25.000 berücksichtigt werden konnten, gilt dies mittlerweile für alle Kommunen mit bis zu 40.000 Einwohnern. Voraussetzung ist, dass weniger als 75 Prozent der niedergelassenen Allgemeinmediziner jünger als 60 sind. In Übach-Palenberg ist das also der Fall.

Buschmann ist sich sicher, dass die Stadt eine Menge mitbringe, um junge Ärzte von sich zu überzeugen, auch ganz ohne die Förderung. Die Infrastruktur an Kindergärten und Schulen stimme, die Autobahnanbindung sei gut – alles Argumente, die für junge Ärzte und deren Familien zählen dürften, sagt er. Umgekehrt glaubt Buschmann, dass jüngere Kollegen sich den Gang in die Oberzentren und die Metropolen zweimal überlegen sollten: „Der Existenzkampf dort wird brutal!“

Nun müsse die Stadt dafür sorgen, dass die Zielgruppe auf Übach-Palenberg aufmerksam wird, dass sie von den an sich guten Voraussetzungen auf der einen Seite und von der Förderung auf der anderen Seite erfährt. Zum Beispiel durch das Schalten von Anzeigen in den entsprechenden Medien und Portalen. Nur zu viel Zeit dürfe man sich nicht mehr lassen, es steht eine Menge auf dem Spiel: „Selbst mittelfristige Lösungen kommen eher schon zu spät. Wir steuern hier in den nächsten sieben bis zehn Jahren einer katastrophalen Unterversorgung entgegen“, sagt Buschmann.

Auch er will seinen Teil dazu beitragen, dass zu verhindern, und plant, bis ins Alter von 67 zu arbeiten, der Ruhestand muss zwei Jahre länger warten. Bei der Begeisterung für seinen Beruf dürfte es ein Opfer sein, das Heiner Buschmann gerne bringt.

In vier Kommunen im Kreis ist der Bedarf gefährdet

Im Kreis Heinsberg ist bislang der Ärztebestand zweier weiterer Kommunen – wie Übach-Palenberg – als „auf mittlere Sicht gefährdet“ eingestuft, nämlich der Gemeinden Selfkant und Waldfeucht. In zwei Gemeinden gilt die Versorgung sogar als „akut gefährdet“: Dies ist in der Gemeinde Gangelt und der Stadt Wassenberg der Fall. In Kommunen, die so eingestuft wurden, ist sogar eine Förderung über 50.000 Euro für Hausärzte möglich.

Im Gespräch mit Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen wird deutlich, dass dieser die Problematik für seine Gemeinde mittlerweile als weitgehend geregelt betrachtet. In Gangelt beziehungsweise den Vororten gebe es zurzeit sieben Allgemeinmediziner in vier Praxen. Von den Ärzten seien zwar fünf über 60 Jahre alt, doch es gebe auch zwei „neue“ Ärzte im Alter von unter 40 Jahren. Hier wurden also in der jüngeren Vergangenheit Nachfolger gefunden. Die Förderung durch das Land sei sicherlich eine Hilfe, so Bürgermeister Tholen, jedoch keinesfalls allein entscheidend. Auch die übrigen Rahmenbedingungen in einer Kommune müssten stimmen, um für junge Ärzte attraktiv zu sein.

Neben den genannten Kommunen sind in unserer Region vor allen Dingen Kommunen aus dem Kreis Düren als förderbedürftig eingestuft worden, nämlich Inden, Kreuzau, Linnich, Niederzier, Vettweiß („mittelfristig gefährdet“), Merzenich, Nörvenich und Titz („akut gefährdet“). In der Städteregion Aachen ist lediglich Roetgen aufgenommen, und zwar als „akut gefährdet“.

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