Aktionsgruppen gegen nächtliche Abschaltung der Straßenlaternen

Von: Georg Schmitz
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„Wir Hatterather wollen die N
„Wir Hatterather wollen die Nachtbeleuchtung wieder eingeschaltet haben!” Erster Satz einer Protestschrift, die Bürgermeister Thomas Fiedler (M.) samt Unterschriftenliste von den Dorf-Vertretern Gabi Kals-Deußen (r.) und Herbert Heinrichs (l.) - passend unter einer Laterne - entgegennahm. Foto: Georg Schmitz

Geilenkirchen. Die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung beschäftigt die Geilenkirchener wie kaum ein anderes Thema in jüngster Zeit. Das Stichwort weckt Emotionen und Ärger.

Und der Druck von Seiten der Bürgerschaft war -und ist noch - so groß, dass beispielsweise die CDU im Umwelt- und Bauausschuss einen Antrag einbrachte, die Beleuchtung sofort wieder einzuschalten.

Die Stadtverordneten haben das Thema nach heftigen Diskussionen auf die kommende Ratssitzung voraussichtlich am 24. Oktober vertagt. Schon heute gilt als sicher, dass alle Fraktionen dem Bürgerwillen folgen und sich für eine Wiedereinschaltung der nächtlichen Beleuchtung aussprechen werden.

Bürgermeister Thomas Fiedler erwartet allerdings Alternativvorschläge, wie die Kosten von rund 70.000 Euro pro Jahr ausgeglichen werden können. Die Geilenkirchener Stadtteile sind während der vom Stadtrat tolerierten Versuchsphase bis zum 1. Dezember 2012 komplett nächtlicher Dunkelheit ausgesetzt, deshalb regt sich dort der meiste Widerstand. So haben sich beispielsweise in Beeck, Lindern und Würm Bürgergruppen gebildet, die mit einer Unterschriftenaktion im Wortsinn Licht ins Dunkel der Nacht bringen wollen.

„Wir müssen alle sparen, aber nicht auf Kosten der Sicherheit”, grollt Hans Gisbertz. Er ist Brudermeister der St.-Johannes-Schützenbruderschaft in Lindern, die schon vor Wochen die Initiative für eine Unterschriftensammlung ergriffen hat. 378 Namenszeichen von Bürgerinnen und Bürgern aus 500 Linderner Haushalten übergab Gisbertz im Beisein der Fraktionsvorsitzenden Toska Frohn (FDP), Wilhelm-Josef Wolff (CDU) und des stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Freien Bürgerliste, Johann M. Graf, dem Bürgermeister.

Die Aktion unter Federführung des Königspaares Michael und Kathrin Fenger stand unter dem Motto: Nicht Licht aus, sondern Licht an für Lindern - wir wollen nicht im Dunkeln laufen!

„Die Sensibilität für das Thema ist groß, wir haben jetzt etwa 1000 Unterschriften”, bilanziert der Bürgermeister. „Sie können damit rechnen, dass das, was Sie machen und wofür Sie eintreten, auf fruchtbaren Boden fallen wird”, gab Thomas Fiedler den Antragstellern mit auf den Weg. Die Unterschriftenaktionen bewertete der Ratsvorsitzende als Zeichen einer funktionierenden Demokratie.

Auch Barbara Deckers übergab der Verwaltung 227 Unterschriften, das waren Namen aus Würm. Michael Schlösser kam mit 200 Unterschriften von Beecker Bürgern. In Beeck wurde just zu dem Zeitpunkt zum letzten Mal der Saison das Backes befeuert, um Brot und Fla zu fertigen. Bei dieser Gelegenheit hatten sich einige Initiatoren der Protestaktionen getroffen, um noch einmal und vor allem gemeinsam das weitere Vorgehen zu diskutieren.

„Ich habe selten erlebt, dass sich die Leute so über eine Sache aufgeregt haben. Wenn jede zweite oder dritte Laterne brennt, wären wir schon zufrieden”, gibt Barbara Deckers eine Bürgermeinung preis. Dadurch würde schon einiges an Einsparpotential erreicht. Zusammen mit Nicole Peter ist die kaufmännische Angestellte tagelang durch Würm gelaufen, um Unterschriften für die Einschaltung der Laternen zu sammeln.

Deckers regt ein Bürgerforum an, denn dort könnten die Menschen ihre Alternativen zur Kosteneinsparung vorbringen. „Die Menschen haben viele Vorschläge, wo man an anderer Stelle Kosten vermeiden kann”, so Barbara Deckers. Da sei zum Beispiel vor dem Gymnasium in Geilenkirchen ein Mehrgenerationenplatz geplant. „Bei uns fallen die Leute im Dunkeln hin, und in der City werden Fitnessgeräte aufgestellt”, zeigt sie ihr Unverständnis für diese Absicht.

„Die Abschaltung bewegt alle im Ort, und alle wollen jetzt etwas tun, damit sich das wieder ändert”, wirft Annabell Schlösser für die Beecker ein. Ein Notarzt habe bei einem Einsatz in Beeck die Hausnummer im Dunkeln nicht gefunden und die betroffenen Leute dann angerufen. Zwei Menschen seien schon an einem Blumenbeet umgeknickt, weil sie es nicht haben sehen können. Ältere Leute würden sich nach Familientreffen auf den Bürgersteigen oder unebenen, gar schrägen Gehwegen im Dunkeln an der Hauswand entlang nach Hause tasten, um nicht zu stürzen.

„Ohne Taschenlampe kann man nicht durchs Dorf gehen”, meldet sich Hubert Mones zu Wort. Er berichtet von Scherzen an den Theken: Sagt der Wirt, um seine Gäste zum längeren Verweilen zu animieren, „wenn du nach ein Uhr einen Deckel von mehr als 30 Euro hast, bekommst du eine Taschenlampe gratis.”
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