Äthiopien: Freude pur beim Tanz im Brunnenregen

Von: Markus Bienwald
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Ausgelassene Tänze im Regen aus der Tiefe: Der Moment, wenn ein Brunnen zum ersten Mal Wasser liefert, ist für die Menschen im Ort unvergesslich und ein Anlass für ein fröhliches Fest. Foto: Patrick Temme
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Markus Holländer reist nach Äthiopien, um sich ein Bild von den Lebensumständen zu machen – und vom täglichen Kampf um Trinkwasser. Foto: von den Lebensumständen zu machen – und vom täglichen Kampf um Trinkwasser.

Geilenkirchen. Es gab Momente, in denen Markus Holländer kräftig schlucken musste. „Es waren die Momente, als ich sah, welches Wasser die Menschen vor Ort trinken müssen“, erzählt der Gillrather, der mit der Neven-Subotic-Stiftung nach Äthiopien reiste.

Übel sei ihm geworden, Tränen hatte er in den Augen. Grund war vor allem der Gestank aus dem Wasser, in dem eben noch die Tiere waren, und das nun in Kanister abgefüllt wurde, um den Menschen als Trinkwasser zu dienen. Solche Umstände zu beenden und den Menschen sauberes Trinkwasser aus Brunnen im oder am Dorf zu ermöglichen, ist das Ziel der Neven-Subotic-Stiftung.

Der Profi-Fußballer hat mit seiner Stiftung ein Netzwerk aufgebaut, zu dem der Gillrather Markus Holländer als Botschafter gehört. Der heute 50-jährige Unternehmer aus Geilenkirchen hatte schon kurz nach dem Beginn seines Engagements in der Stiftung beschlossen, sich die Projekte einmal selbst vor Ort anzuschauen.

Nun war es soweit: Holländer reiste nach Äthiopien, wo er selbst verschiedene Stadien der Unterstützung nachvollziehen konnte.

Frisch sind die Eindrücke von der Reise. Und in Worten, die von der Demut gegenüber dem Erlebten leben, mit Bildern, die von für Europäer nahezu unglaublichen Lebensumständen zeugen und in Videosequenzen zeigt Holländer einen Querschnitt einer Reise, die mit einem Urlaub außer der Abwesenheit von Zuhause fast gar nichts gemein hat.

„Was das heißt, das für jeden Tag benötigte Trinkwasser selbst beispielsweise aus einem viele Kilometer entfernten Wasserloch zu holen, habe ich am eigenen Leib erfahren“, erzählt Markus Holländer. Der Mann ist trainiert, ist leidenschaftlicher Radler und besitzt Willen und Durchhaltevermögen. Doch in Äthiopien, auf rund 2000 Metern Höhe über dem Meeresspiegel, auf einem Weg, der mehr Piste denn alles andere ist, da ging ihm beinahe die Puste aus. „Man läuft da in der Hitze, dazu drückt der 25-Liter-Kanister mit Wasser auf den Körper“, beschreibt Holländer den beschwerlichen Weg.

Dass dies das tägliche Tun von unzähligen Menschen in den Dörfern in Äthiopien ist, könne man sich in unseren Breiten kaum vorstellen, sagt er. „Vor allem Frauen und Kinder sind den ganzen Tag, jeden Tag, damit beschäftigt, das nötige Wasser für die Familie zu beschaffen“, weiß er. Das bedeute nicht nur teils beschwerliche Wege durch Hitze und Natur zu den raren Wasserstellen, sondern auch die schwer bepackten Wege zurück ins Dorf. „Da bleibt natürlich kaum Zeit für Bildung oder Gemeinschaft“, so Holländer weiter.

Bessere Chancen

Wie sich das schlagartig ändern kann, wenn es einen Brunnen im Dorf gibt, zeigte ein Besuch in einem anderen Ort. Dort spürte Markus Holländer sofort einen Unterschied. „Die Kinder durften eine Schule besuchen, die einen eigenen Brunnen hatte, sie waren viel offener und man spürte gleich, dass sie in einer solchen Umgebung größere Chancen auf eine gute Zukunft haben“, sagt er.

Freundlich, aufgeschlossen und zum Feiern aufgelegt, so erlebte er die Menschen in Äthiopien. Hast, der Drang zu stets Neuem, Habgier und die Sucht nach Mehr konnte er nicht spüren. „Die Menschen leben so, wie es die Zustände zulassen, sind dabei offen, herzlich und ehrlich“, sagt er.

Und was es heißt, wenn die hellen Frauenstimmen Freudengesänge anstimmen, das kann er nun auch sagen. Denn in einem Dorf durfte Markus Holländer mit dem Team der Neven-Subotic-Stiftung dabei sein, als ein Brunnen das erste Mal Wasser spendete.

„Es war ein unglaublicher Moment“, so Holländer, „die Kinder tanzten im Wasser, das nach dem Anbohren erst einmal drauflos sprudelte, und auch Holländer hielt es nicht bei der Gruppe, er tanzte mit im Brunnenregen. Holländer ergänzt, dass der Bau eines Brunnen, der meist mit Bohrungstiefen von rund 50 bis 60 Metern auskommt, durchschnittlich 300 Leuten Wasser bietet und bei einfachen Lagen etwa 10.000 Euro kostet, ein Aufwand sei, den man jedem Menschen auf diesem Planeten gönnen sollte. „Denn es kann einfach nicht sein, dass es immer noch so viele Menschen gibt, die keinen freien Zugang zu sauberem Trinkwasser haben“, schließt er.

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