Ärgerlich: Züge in Geilenkirchen haben bis zu zwei Stunden Verspätung

Von: Udo Stüßer
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Nichts geht mehr: Der RE 4 mit dem Ziel Hauptbahnhof Aachen stand am Montag auf Gleis drei des Geilenkirchener Bahnhofes. Die Zugreisenden konnten nur warten. Foto: Udo Stüßer
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Die drei Auszubildenden Raphael Müschen, Vivien Bischof und Léon Hoffmann (von rechts) kamen am Montag nicht pünktlich zur Arbeit. Sie fürchteten sich vor einer Abmahnung. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. „Aufgrund von Streikmaßnahmen kann es zu Verspätungen, Abweichungen oder Zugausfällen kommen“, tönt es erneut aus den Lautsprechern auf den Geilenkirchener Bahnsteigen. Bahnreisende gehen hektisch auf und ab, greifen zu ihren Handys, um die Verspätung weiterzugeben. Viele Menschen warten an diesem Montagmorgen auf den Bahnsteigen im Geilenkirchener Bahnhof, um per Zug zur Arbeit oder zur Schule zu kommen.

Manche haben sich in einem angrenzenden Schnellrestaurant mit einem Becher Kaffee versorgt. Auch die 60-jährige Marianne Kumar aus Selfkant-Tüddern steht seit 6.50 Uhr auf dem Bahnsteig und wartet mit ihrem Sohn auf den Zug nach Duisburg. Der 18-Jährige, Auszubildender als Mechatroniker in einem Baesweiler Betrieb, muss zur Berufsschule. Doch zum Unterricht wird er an diesem Morgen nicht pünktlich erscheinen.

Marianne Kumar zeigt trotzdem Verständnis für die Eisenbahner. „Aber ob der Streik gerade im Berufsverkehr sein muss, weiß ich nicht“, sagt sie. „Ich kann die Bahnbediensteten verstehen, jeder will heute mehr Geld.“ Allerdings fordert sie grundsätzlich eine Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Schließlich muss sie Tag für Tag ihren Sohn von Tüddern zum Bahnhof nach Geilenkirchen oder zum Arbeitsplatz nach Baesweiler fahren. Überhaupt kein Verständnis für den Streik haben drei junge Auszubildende aus Gangelt, die auf Bahnsteig eins zusammenstehen. Seit 6.40 Uhr wartet Raphael Müschen auf den Zug, der ihn nach Erkelenz bringen soll.

„Die sollen arbeiten. Wir bekommen schließlich auch nur 450 Euro im Monat“, schimpft der18-jährige Mechatroniker-Auszubildende. Er befürchtet mächtig Ärger mit seinem Arbeitgeber. „Das kann zur Abmahnung führen“, sagt er. Auch die 18-jährige Vivien Bischof ist auf dem Weg nach Erkelenz. Seit 7.20 Uhr steht die angehende Floristin auf dem Bahnsteig. Arbeitsbeginn ist für sie um 9 Uhr. „Wenn ich erst am Mittag dort ankomme, gibt es Ärger“, erklärt auch sie. Vor einer Abmahnung fürchtet sich auch der 17-jährige Léon Hoffmann aus Gangelt. „Streik ja, aber doch nicht zur Hauptverkehrszeit“, sagt er. „Denn jetzt wird das zu unserem Problem.“

Es ist der zweite Streik, den der Auszubildende als Kfz-Mechatroniker erlebt. „Aber Verspätungen gibt es oft“, hat er erfahren. Deshalb hatte er schon ein Gespräch mit seinem Chef. Und ein Stündchen früher aufstehen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen? „Wir sind auf den Zug angewiesen. Und wir müssen vorher noch von Gangelt aus mit dem Bus zum Bahnhof“, erläutert er.

Mit der Zeit werden die Bahnsteige leerer, viele Reisende suchen andere Möglichkeiten, die Stadt zu verlassen. Ein junger Mann, der den Bahnsteig betritt, erfasst schnell die Situation, kehrt um und stürzt auf ein Taxi zu. „Die meisten Bahnreisenden warten auf den Zug, der große Andrang bleibt bei uns aus. Ich hatte heute nur ein paar Fahrten mehr als üblich“, sagt einer der wartenden Fahrer. Wie ein Bahnsprecher am Montag erklärte, waren von dem Warnstreik landesweit 290 Züge betroffen. 20 sind ausgefallen, 50 fuhren nur auf Teilstrecken. Der 6.02 Uhr-Zug nach Duisburg kam laut Bahn-Auskunft noch pünktlich, der 6.16 Uhr-Zug hatte fünf Minuten Verspätung.

Besonders hart traf es die Bahnkunden, die gegen 7 Uhr ihre Bahnreise antreten wollten. Diese Züge hatten sowohl in Richtung Aachen als auch in Richtung Duisburg zwei Stunden Verspätung. „Ab 11 Uhr lief der Zugverkehr wieder normal“, so der Bahnsprecher.

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