Abschied von der verkauften Kreuzkirche

Von: Franz Windelen
Letzte Aktualisierung:
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Am 31. Dezember wird die Evangelische Kirchengemeinde Ubach-Palenberg ihren letzten Gottesdienst in der Boschelner Kreuzkirche feiern.

Übach-Palenberg. Der 31. Dezember ist nicht nur der letzte Tag eines Jahres, in diesem Jahr ist er auch der letzte Tag der Boschelner Kreuzkirche im Eigentum der Evangelischen Kirchengemeinde Übach-Palenberg.

Mit einem so genannten Entwidmungsgottesdienst um 17 Uhr nimmt die Gemeinde an Silvester Abschied von der Kirche, in der sie in den vergangenen 57 Jahren Gottesdienste, Gemeindefeste und Jubiläen feierte. Das Gebäude an der Brünestraße geht zum 1. Januar 2011 an die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Herzogenrath-Merkstein über, gestern wurde der Kaufvertrag unterschrieben. Über den exakten Kaufpreis schweigen sich die Parteien aus - nur soviel: Es handelt sich um „eine Summe im unteren sechsstelligen Bereich”.

Der Schritt kam nicht unerwartet. „Die Grundsatzentscheidung, sich aus finanziellen Gründen von mindestens einer Immobilie zu trennen, traf das Presbyterium bereits mit Blick auf die Fusionierung im Jahr 2007”, erinnert Pfarrer Thomas Reppich, der Vorsitzende des Presbyteriums, an die ersten Gedankenspiele. Konkret wurde der Plan im Herbst dieses Jahres. „Das Presbyterium beschloss den Verkauf der Kreuzkirche. Das heißt, dass wir ab Januar de facto nur noch drei Gemeindezentren haben - in Übach, Frelenberg und Marienberg.”

Die Aufgabe des Gotteshauses in Boscheln sei zwar „schmerzhaft”, betont Reppich, aber in Zeiten zunehmender Kirchenaustritte und wegbrechender Kirchensteuern nicht vermeidbar. Ebenso wie die Kommunen werden die Kirchen von wachsenden Finanznöten geplagt. „Die Evangelische Kirchengemeinde Übach-Palenberg mit ihren 4900 Gliedern muss jährlich für jedes kirchliche Gebäude eine so genannte Substanzerhaltungspauschale in fünfstelliger Höhe vorhalten. Das ist kaum zu schultern”, klagt Pfarrer Reppich. Allein bei der „Hütte der Begegnung” in Marienberg gebe es derzeit einen „Investitionsstau in Höhe von rund 300.000 Euro - die Sanierung des Glockenturms nicht einmal mitgerechnet. Das Schicksal der „Hütte” ist noch ungewiss.

„Es gibt hier ein Moratorium bis zum März 2012, bis dahin soll auch hier eine Entscheidung fallen”, erklärt Reppich. Es werde sich zeigen, ob die Immobilie ebenfalls verkauft oder ob sie einer teilweisen Fremdnutzung zugeführt werde, die Mieteinnahmen garantiere. Als möglicher Mieter ist bekanntlich die evangelische Jugendhilfe „Hephata” im Gespräch, die in der „Hütte” eine Wohngruppe für sechs Jugendliche einrichten möchte. „Die Stadt hat sich jedoch gegen eine Nutzungsänderung ausgesprochen, dem ist die Bauaufsichtsbehörde, der Kreis Heinsberg, gefolgt. Die Klage der Kirchengemeinde ist derzeit anhängig beim Verwaltungsgericht Aachen.”

Eine „Steuerungsgruppe” - bestehend aus Presbytern, Mitarbeitern und Gemeindegliedern - werde im Januar eingesetzt, um eine „Gemeindekonzeption” mit inhaltlichen, personellen und organisatorischen Perspektiven zu erarbeiten. Ob in Folge weitere kirchliche Gebäude einen anderen Eigentümer finden oder ob weitere Gemeindezentren verschwinden, vermag auch der Pfarrer zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu beantworten. Fest steht nach Worten Reppichs: „Die Fusionierung wird immer weiter vorangetrieben.”

Ein erster deutlicher Akzent in dieser Entwicklung ist der Verkauf der Kreuzkirche an die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde Herzogenrath-Merkstein. Am 31. Dezember werden die Prinzipalien - Abendmahlsgeräte, Osterkerze, Altarbibel und Taufbecken - aus der Kirche herausgetragen.

Der neue Eigentümer wird das Gebäude voraussichtlich im Februar beziehen. Pastor Roland Böhme von der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, die rund 75 Glieder zählt, freut sich auf das neue Zuhause: „Unsere bisherige Kirche in der Merksteiner Goethestraße 37 war zu klein, nicht erweiterungsfähig und nahezu baufällig. Diese hatte unsere Gemeinde Mitte der 50er Jahre selbst gebaut.” Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde sei auf Eigeninitiative angewiesen, da sie keine staatliche oder kirchliche Unterstützung erfahre. Und so hätten die Gemeindeglieder rund zehn Jahre auf ein Baukonto gespendet, um den aktuellen Immobilienerwerb an der Brünestraße zu realisieren.
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