Abschalten der Laternen: Bürgertreffen um Frage nach dem Sparsinn

Von: agsb
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Großes Interesse im Hause Ham
Großes Interesse im Hause Hamacher: Das Bürgergespräch zum Thema Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung zog rund 90 Interessierte an. Offen wurde auch über Ängste gesprochen, die sich aufgrund fehlenden Laternenlichts entwickeln. Foto: agsb

Gangelt. „In Gangelt sieht man nachts schwarz.” Das war das Leitwort für ein Bürgergespräch, das die Freien Wähler im Kreis Heinsberg jetzt im Gangelter „Haus Hamacher” organisiert hatten.

Viele der knapp 90 Gäste machten ihren Unmut deutlich und kritisierten die Ortsvorsteher. Am Rande wurde auch gefragt: „Sind neue Lampen Energiefresser?”

Mit einer solchen Resonanz hatten die Verantwortlichen der Freien Wähler offenbar nicht gerechnet. Der Vorstand um Walter Leo Schreinemacher (Waldenrath) sowie Helga Heinen (Gangelt) hatte zu diesem Bürgergespräch eingeladen. Hauptthema war die „Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung” in der Gemeinde.

86 Gäste trugen sich in die Teilnehmerliste ein, und es wurde sehr lebhaft diskutiert. Auch aus anderen Orten außerhalb der Gemeinde Gangelt waren Besucher gekommen, unter anderem aus Geilenkirchen, deren Bürger ebenfalls ihrer Enttäuschung freien Lauf ließen.

Hier und da schlugen die Emotionen sehr hoch. Viele Bürger zeigten sich enttäuscht von der Politik im Rathaus. Ganz schlecht weg kamen in der Diskussionsrunde die jeweiligen Ortsvorsteher. Hier hätten sich die Besucher mehr Aufklärung durch die Politiker vor Ort und mehr Öffentlichkeitsarbeit gewünscht, hieß es.

Als einziger Ortsvorsteher war Gerd Schütz aus Gangelt anwesend. Er stellte sich der Öffentlichkeit und der Diskussion, stand Rede und Antwort. Gerd Schütz bat trotz der aufgebrachten Stimmung am Abend um Vernunft, um gemeinsam eine Lösung zu suchen.

Die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung bringt die Bürger nicht nur in der Gemeinde Gangelt auf die Palme, war erkennbar. Ein gegebener Einwand, die Stadt- bzw. Gemeindekasse werde Geld sparen, ließen die Bürger nicht gelten. Die Meinungen sprachen deutliche Worte Richtung Politiker: „Man spart am falschen Ende!”

Es gab Argumente vorweg. „Eine Senkung der Abgaben ist für die Bürger in den betroffenen Kommunen, wie auch in Gangelt, damit aber kaum verbunden. Die frei werdenden Mittel werden anderweitig verwendet. Von Einsparung kann also keine Rede sein”, so die Freien Wähler, die Zahlen vorlegten. „Die Gemeinde Gangelt spart 37.000 Euro im Jahr durch Nachtabschaltung montags bis freitags in der Zeit von 0 bis 5 Uhr, an den Wochenenden ab 2 Uhr bis 5 Uhr, mit Sonderregelungen bei Veranstaltungen. Dies macht pro Einwohner 0,30 Cent im Monat, also 3,60 Euro im Jahr”, so Leo Schreinemacher.

Ludwig Dohmen aus Birgden hatte selbst nachgeforscht und verkündete an diesem Abend: „Die neuen Lampen bringen 115 Watt, die alten hatten 80 Watt. Wenn wir die alten Lampen durchbrennen ließen, kämen wir auf die gleiche Leistung wie jetzt mit den neuen Lampen. Die neuen Lampen sind Energiefresser. Alle wollen Energie einsparen, aber den Kuchen teilen sich die vier Stromanbieter untereinander.”

Und einige der Gäste schüttelten mit dem Kopf, als fachkundige Besucher bekanntgaben, dass man die neuen Lampen nicht einzeln abschalten könne, da ein Kabel fehle. „Warum wurden wir im Vorfeld nicht gefragt?”, kamen Einwände, unter anderen von Waltraud Moermans aus Hastenrath. Sie hat bis auf sieben Personen alle Hastenrather überzeugen können und eine Unterschriftenliste bei Bürgermeister Bernhard Tholen abgegeben. Inhalt: Man wünscht sich wieder Licht im Dunkeln.

Günter Frohnrath aus Stahe-Niederbusch sah ein weiteres Pro­blem in der Winterzeit aufkommen, sah hier neben dem Streudienst allgemein und dem Hauseigentümer auch Schwierigkeiten für die Autofahrer, die ohne Beleuchtung ihre Wagen von Schnee und Eis freischaufeln müssen. Ein Problem haben bereits jetzt schon die Zeitungsausträger. Manche mögen, wie unter anderem auch die Bäcker, gar nicht an die Winterzeit denken.

„Ich bin froh, wenn meine Kinder vom Discobesuch oder von sonstigen Veranstaltungen zuhause sind”, sagte ein Vater unter breiter Zustimmung der Gäste.

Die Angst vor Kriminalität ging rund, wobei einige auch von bedenklichen Vorkommnissen berichteten: „Wir hatten hier in Gangelt die Sache mit der Leiter an der Hauswand. Die Polizei kommt erst gar nicht raus”, zeigte sich eine Gangelterin aufgebracht und berichtete von einem Einsatz mit Spürhunden, der aufgrund der fehlenden Beleuchtung beendet werden musste.

Die Nachtabschaltung würde als einladend für Einbrecher gesehen, waren sich alle Anwesenden einig. Viele Bürger/innen sahen weiterhin einen gefährdeten Einsatz für das Personal von Feuerwehr, Rettungsdienste und Polizei. Ein Beispiel in Selfkant-Isenbruch wurde genannt: Hier hätten Feuerwehr und Rettungsdienst aufgrund der Dunkelheit schon erhebliche Probleme gehabt. Bernd Remarque zeigte sich ebenfalls von Politik enttäuscht: „Von der Landesregierung kam die Bitte, man soll mehr hingucken und nicht weggucken. Wie denn, wenn es dunkel ist?”

Aus dem Bürgergespräch heraus wurde deutlich, dass viele der betroffenen Menschen mit der Nachtabschaltung nicht einverstanden sind. Sie fühlen sich von der Politik überrumpelt, verspüren Angstzustände zu später Stunde. Zudem konnten viele Besucher nicht verstehen, dass einige Bereiche - so der Bauhof - in der Gemeinde von der Nachtabschaltung ausgenommen sind.

Fazit des Abends war, dass man nun kämpfen möchte. Ein Bürgerbegehren soll bis zur nächsten Gemeinderatssitzung mit Unterschriften vorlegt werden.

Eine namentliche Abstimmung auf Zulassung des Antrages, so die Veranstalter, durch die Ratsvertreter werde geprüft.
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