Geilenkirchen - Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges referiert

Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges referiert

Von: defi
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Alexandra Simon-Tönges beschäftigte sich in ihrem kunsthistorischen Vortrag im Evangelischen Gemeindezentrum Geilenkirchen mit der Kunst nach der Reformation. Foto: Dettmar Fischer

Geilenkirchen. Man hatte es schon immer geahnt, dass man vielleicht doch nicht der Nabel der Welt ist, aber nur ein „Homo bulla“, nicht mal ne große Nummer auf Facebook?

Die Aachener Kunsthistorikerin Alexandra Simon-Tönges war in ihre Heimatstadt Geilenkirchen gekommen, um, – nein nicht um den Zuhörern ihres sehr interessanten Vortrags deren Bedeutungslosigkeit darzustellen, sondern um mit ihnen „Das christliche Motiv in der Kunst nach der Reformation“ zu beleuchten und dabei auch einen kleinen Exkurs in Brötchenkunde einzuschieben.

„Homo bulla“ dürfte Christus schon geläufig gewesen sein, der Ausdruck entspringt dem römischen Sprichwort „ut dicitur, si est homo bulla“ („wenn, wie es heißt, der Mensch eine Luftblase ist“). Die Vergänglichkeit und Zerbrechlichkeit des Menschen wurde, wie Alexandra Simon-Tönges anhand vieler schöner Bildbeispiele darstellte, häufig nach der Reformation in den Stillleben der niederländischen Meister des 17. Jahrhunderts dargestellt.

Sie bedienten sich der Symbolsprache in ihrer Malerei. Jaques de Ghyn II. war einer dieser Maler. Er nutzte das Symbol der Luftblase und setzte gleich noch einen Totenschädel dazu. Alexandra Simon-Tönges zur Intention dieser Kunst: „Das einzige, was ewig Bestand hat, ist das Wort Gottes.“ „Der heilige Hieronymus im Gehäus“, ist ein Bild von Joos van Cleve, einem Zeitgenossen Luthers. Auch hier erläuterte Simon-Tönges die Vanitas (Eitelkeit)-Symbolik. Der Heilige ist sichtlich verzweifelt, vor ihm liegt ein Totenschädel, neben ihm steht eine ablaufende Sanduhr.

Nicolaes Gillis, ein 1628 in Haarlem verstorbener Maler, sorgte mit seinem Bild „Stillleben mit Käse und Früchten“, das heute im wunderbaren Frans-Hals-Museum in der Heimatstadt des Malers hängt, für den Brötchenexkurs. Eine Kostbarkeit sei solch ein Brötchen damals gewesen, aus feinem weißem Mehl gemahlen, erklärte die Referentin und wies auf das Brötchen, das im Mittelpunkt des Stilllebens auf einem silbernen Tablett serviert wird.

Ein Zuhörer merkte scherzhaft an, dass wohl bis heute in den Niederlanden ein hierzulande eher alltägliches Brötchen als „Kostbarkeit“ gehandelt werde. Sei ihm doch zu Ohren gekommen, dass die Brötchen nach deutscher Art in den niederländischen Bäckereien stets sehr begehrt und deren Ausgabe extra angekündigt würde. Mit dem Reformator Martin Luther hatte Alexandra Simon-Tönges ihren Vortrag eingeleitet. Seine Popularität habe er nicht zuletzt einem Bild von Lucas Cranach zu verdanken. Kein Bildnis eines Kirchenmannes sei zuvor in so großer Auflage unters Volk gebracht worden.

Teil 2 des Vortrags können Interessenten am Freitag, 28. April, um 18 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum in Geilenkirchen verfolgen. Die Evangelische Erwachsenenbildung im Kirchenkreis Jülich lädt ein und bittet um Anmeldung unter 02461/99 660 oder eeb@kkrjuelich.de.

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