8000 Kilometer von den Enkeln entfernt

Von: Robert Baumann
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Geilenkirchen. Die Flugangst war groß. Vor allem nach dem Abschuss der malaysischen Passagiermaschine über der Ostukraine Ende Juli. Doch das konnte Murgesu Ilanhanathan nicht aufhalten. Zu stark war sein Wunsch, seine drei Enkelkinder in Geilenkirchen zu sehen. Zum ersten Mal in seinem Leben.

Und so setzte sich der 79-Jährige Mitte August in Sri Lanka in den Flieger. Knapp zehn Stunden später sollte er nach mehr als 8000 Flugkilometern in Frankfurt landen. Dort wurde er von seiner Tochter Kogilavarthani und deren Mann Shanmuganathan Loganathan und dem ältesten Enkelkind, dem elfjährigen Sankerthanan, empfangen. „Die Freude war riesengroß. Es war fantastisch, zum ersten Mal meinen großen Enkel zu sehen“, sagt Opa Ilanhanathan, dessen Touristenvisum für 90 Tage gilt, in gebrochenem Englisch.

Dann ging es mit dem Auto nach Geilenkirchen. Dort wohnt Familie Loganathan mit ihren drei Kindern in einem Neubaugebiet. Vorbei an Windrädern, die der Opa noch nie gesehen hatte. „Es ist alles sehr sauber in Deutschland, und die Menschen sind sehr freundlich“, hat er beobachtet. Zuhause angekommen, sah er seine zwei weiteren Enkel – Sakirthan und Shandoran – beides Jungen, drei und neun Jahre alt. Das Familienglück war perfekt.

Seit 1991 leben die Loganathans in Geilenkirchen, haben mittlerweile die deutsche Staatsangehörigkeit. Shanmuganathan Loganathan floh damals im Alter von 20 Jahren mit seiner heutigen Frau vor dem in Sri Lanka tobenden Bürgerkrieg. In Geilenkirchen fassten sie schnell Fuß, Shanmuganathan Loganathan arbeitete zunächst vier Jahre lang bei einem Möbelunternehmen, heute verdient er bei einer Firma für Fahrzeuglackierungen in Geilenkirchen sein Geld. „Ich lebe schon länger hier als in Sri Lanka und fühle mich sehr wohl“, sagt der 45-Jährige. Seine Kinder besuchen das St.-Ursula-Gymnasium, die Grundschule und den Kindergarten, singen im Kirchenchor und waren beim Fußballverein FC Germania Bauchem aktiv. „In Deutschland haben unsere Kinder eine Zukunft und bekommen eine bessere Schulbildung“, sagt seine zehn Jahre jüngere Frau.

„Die Familie ist bewundernswert und ein Musterbeispiel für gelungene Integration“, lobt Geilenkirchens Bürgermeister Thomas Fiedler, der an der Familienzusammenführung nicht ganz unbeteiligt war. Jahrelang hatte Fiedler versucht, ein Visum für den 79-jährigen Sri Lanker zu bekommen. Er hat immer wieder Briefe und E-Mails an die deutsche Botschaft in Colombo geschickt.

Lange Zeit ohne Erfolg. Auch das Angebot, die Familie würde Geld als Sicherheitsleistung hinterlegen, wurde abgelehnt. Umso größer war die Freude, als das Visum genehmigt wurde. „Ich hatte nicht mehr daran geglaubt“, gibt Fiedler zu, der die Familie vor kurzem sogar im Geilenkirchener Rathaus willkommen hieß. „Das war eine große Ehre für uns, und wir danken dem Bürgermeister für seinen Einsatz“, sagt Kogilavarthani Loganathan. Auf Fiedlers Facebook-Seite löste der Besuch des Opas schnell eine große Zahl von „likes“ aus.

Das letzte Mal hatte sich die Familie 2001 in Sri Lanka gesehen – zur standesamtlichen Hochzeit. Die Kinder waren da noch nicht geboren. Seitdem waren die Geilenkirchener nicht mehr in ihrem Heimatland, obwohl sie noch jede Menge Verwandte in dem Inselstaat im Indischen Ozean haben. Doch die finanzielle Situation macht eine Reise unmöglich. Sorgen bereitet ihnen zudem die Sicherheitslage in ihrer Heimat.

Am 30. Oktober fliegt Opa Ilanhanathan zurück nach Sri Lanka. Bevor er sich wieder für knapp zehn Stunden und mehr als 8000 Kilometer ins Flugzeug setzt, genießt die Familie weiter das Zusammensein. „Ich bin so glücklich, hier zu sein“, sagt er und grinst über das ganze Gesicht. An die Rückreise mag er jetzt noch gar nicht denken.

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