6,5 Millionen Euro gibt das Geilenkirchener Jugendamt aus

Von: Udo Stüßer
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Oftmals können Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen vor einem Abdriften in die Kriminalität rechtzeitig auf den richtigen Weg gebracht werden. 3,7 Millionen Euro gibt die Stadt Geilenkirchen für Hilfen zur Erziehung aus. Symbolbild: Imago Foto: imago/Steinach
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Der Geilenkirchener Jugend- und Sozialamtsleiter Wilfried Schulz hat jetzt den 6,5 Millionen Euro umfassenden Haushaltsplan für 2017 vorgelegt. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Rund 5,3 Millionen Euro betragen im kommenden Jahr die Gesamtaufwendungen des Geilenkirchener Jugendamtes. Hinzu kommen 915.000 Euro an Personalkosten und 200.000 Euro Sachkosten, so dass das städtische Jugendamt die Stadtkasse mit rund 6,5 Millionen Euro belasten wird. Damit steigert sich der Zuschussbedarf im Vergleich zu 2016 voraussichtlich um rund 140.000 Euro.

„Der Preis ist nicht hoch, dafür aber die Ausbeute. Ohne eigenes städtisches Jugendamt würden wir den Blick auf die soziale Situation verlieren“, erklärte Wilfried Schulz, Leiter des Jugend- und Sozialamtes, bei der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Manfred Schumacher (CDU) wollte Vergleichszahlen wissen. Dazu Schulz: „Die Stadt Übach-Palenberg zahlt an den Kreis Heinsberg eine Jugendamtsumlage in Höhe von sieben Millionen Euro.“ Stefan Mesaros („Für GK!“) stellte daraufhin fest: „Das Jugendamt liefert nicht nur gute Zahlen, sondern auch eine super Leistung.“

Dass die Aufgaben für die 31 Mitarbeiter des Jugend- und Sozialamtes immer mehr werden, verdeutlicht Wilfried Schulz im Gespräch mit unserer Zeitung. „Derzeit ist die Eingliederungshilfe für körperlich und geistig behinderte Kinder eine Sache des Landessozialamtes, die Stadt ist für die Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder zuständig. In fünf Jahren wird die Aufgabe des Landes komplett den Kommunen übertragen, dann sind wir auch für die Eingliederungshilfe für körperlich und geistig behinderte Kinder zuständig“, blickt Schulz voraus. 21 seelisch behinderte Kinder werden derzeit vom Geilenkirchener Jugendamt betreut. Das sind Kinder, die aufgrund ihrer psychischen Behinderung isoliert sind und Schwierigkeiten in der Schule haben. Acht von ihnen benötigen einen Schulbegleiter, drei befinden sich in einer Autismus-Therapie, zehn Kinder suchen Hilfe in einer Lerntherapie.

„Für die ambulanten Fälle buchen wir Stunden bei Trägern der freien Jugendhilfe. Auf die neue Situation müssen wir uns jetzt schon vorbereiten, indem wir Gespräche mit Trägern der freien Behindertenhilfen führen“, sagt Schulz. Positiv für die Kommunen sei, dass das Land die zusätzlichen Kosten übernehmen wird. Schulz rechnet damit, dass auch die erforderlichen vier zusätzlichen Stellen, die in seinem Amt zusätzlich für die neuen Aufgaben eingerichtet werden müssen, vom Land bezahlt werden. Der Jugendamtsleiter geht davon aus, dass das Jugend- und Sozialamt auch in den nächsten Jahren expandiert. „In fünf Jahren liegen wir sicherlich bei 40 Stellen.“

Die Ausgaben des städtischen Jugendamtes sind bei geringen Steigerungen in den vergangenen Jahren relativ konstant. „Wir sparen nicht. Wir versuchen aber, keine höheren Kosten zu verursachen“, sagt Schulz, verweist aber auf eine „unangenehme Überraschung“ im Jahr 2010. „Da hatten wir aufgrund eines Überangebotes von einfachem, familiengerechten Wohnraum einen großen Zuzug von sozial schwachen Familien aus dem weiten Umfeld, wodurch der Bedarf an Hilfen gestiegen ist“, blickt Schulz auf einen zusätzlichen Bedarf von 1,5 Millionen Euro im Jahr 2010.

Sicherlich, so gibt er zu, könne das Jugendamt den Wohnungsmarkt nicht beeinflussen. „Die Politik kann das sehr wohl. Vor Jahren wurde deshalb ein wohnungsbaupolitisches Konzept beschlossen, nach dem keinerlei Mietwohnungsbau unterstützt wird, der nicht bedarfsgerecht ist“, sagt der Jugend- und Sozialamtsleiter. Unterstützt werde in Geilenkirchen lediglich die Schaffung von altersgerechtem und barrierefreiem Wohnraum. Dadurch habe die Stadt seit Jahren eine günstige Kostenentwicklung.

Elternrecht ist Grundrecht

Zieht man die Personalkosten und Ausgaben für Sachleistungen ab, so beläuft sich der Zuschussbedarf für das Jugendamt auf 5.343.000 Euro. 1.268.000 Euro entfallen auf Kindertagesstätten und Kindertagespflege, 3.752.000 Euro auf Hilfen zur Erziehung. 196.000 Euro zahlt die Stadt im nächsten Jahr an Unterhaltsvorschuss für Kinder, die bei einem Elternteil leben und bei denen der andere Elternteil keinen oder nicht genügend Unterhalt zahlt. 127.000 Euro sind für die Jugendarbeit eingeplant.

„Während die Aufwendungen für Kindertagesstätten und Unterhaltsvorschuss zum größten Teil durch gesetzliche Regelungen vorgegeben sind, nimmt jedes Jugendamt vor allem die Aufwendungen für die Hilfen zur Erziehung in den Blick“, erklärt Schulz. Während er für stationäre Hilfen wie die Unterbringung in Heimen und Pflegefamilien 2.300.000 Euro eingeplant hat, wird die Stadt im kommenden Jahr 1.450.000 Euro für ambulante Hilfen – sozialpädagogische Familienhilfe, soziale Gruppenarbeit – ausgeben

Bei der Hilfe zur Erziehung suchen Sozialarbeiter Familien auf, beraten die Eltern bei der Erziehung und Versorgung ihrer Kinder und befähigen sie, mit ihren Kindern zu leben. „Im Idealfall dauert solch eine Begleitung etwa eineinhalb Jahre, bis dahin haben die meisten Familien ihr Leben verändert“, erklärt Schulz. Würden Eltern eine Zusammenarbeit mit dem Jugendamt verweigern, komme eine Heimunterbringung in Frage. „Doch diese Entscheidung kann nur das Familiengericht treffen. Elternrecht ist ein Grundrecht. Auch wir tun alles, damit Familien zusammenbleiben. Auch wenn es ein harter Weg ist“, erklärt Schulz.

Heimplatz kostet bis zu 9000 Euro

100 Kinder und Jugendliche werden derzeit in Geilenkirchen ambulant betreut, die Kosten belaufen sich durchschnittlich auf 1000 Euro pro Kind und Monat. Eine Heimunterbringung kostet durchschnittlich 5000 Euro pro Monat. „Bei psychisch extrem gestörten Kindern, beispielsweise nach sexuellem Missbrauch oder anderen Gewalttaten, können die Kosten für eine Heimunterbringung auch bei 9000 Euro im Monat liegen“, sagt Schulz. 36 Kinder und Jugendliche aus dem Geilenkirchener Stadtgebiet sind in einem Heim untergebracht, davon sind fünf Flüchtlinge. Derzeit leben 15 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge in Geilenkirchen in einer Wohngruppe zusammen. Die fünf, die in einem Heim untergebracht sind, konnten nicht integriert werden.

„Die den Hilfeleistungen zugrundeliegenden Entscheidungen trifft das Jugendamt immer in kollegialer Beratung. Ziel ist, die bestmögliche Lösung für eine Familie zu finden“, setzt Schulz auf einen offenen Austausch in seinem Amt. Ziel sei aber auch immer, die Hilfen kostenorientiert zu planen.

Die enge und effiziente Zusammenarbeit sei nicht nur in seinem Amt notwendig, diese erfolge auch mit den Trägern der freien Jugendhilfe, die im Auftrag der Stadt die eigentliche Arbeit in den Familien leisten. Gemeinsam würden immer neue Hilfen entwickelt, um die Probleme in den Familien zu lösen. „Hierdurch wurde letztlich erreicht, dass die Hilfezeiträume kürzer wurden und so bei gleich gebliebener Fallzahl die Kosten nachhaltig reduziert werden konnten.“ Schulz macht bei der Gelegenheit auf die wirtschaftliche Bedeutung des Jugendamtes aufmerksam: „Neben 17 Vollzeitstellen im Jugendamt werden durch die Hilfen zur Erziehung rechnerisch zwölf Vollzeitstellen bei den freien Trägern finanziert.“

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