456 Einsätze: Ein hartes Jahr für die Wehr

Von: Udo Stüßer
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Wieder einmal lässt eine Brandmeldeanlage die Geilenkirchener Wehrleute ausrücken: Oft ist der Grund der Alarmierung, wie hier An der Friedensburg, unklar. Foto: Udo Stüßer
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Er ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann: Michael Meyer, Chef der Geilenkirchener Wehr. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Der 23. Juni 2016 wird Stadtbrandinspektor Michael Meyer noch lange in Erinnerung bleiben: An diesem Abend und in der Nacht danach zog ein schweres Unwetter mit Sturm und Starkregen auch über unsere Region.

Hausdächer wurden abgedeckt, Straßen überschwemmt, Bäume stürzten um. Von 23 Uhr bis zum nächsten Abend fuhr die Geilenkirchener Feuerwehr 160 Einsätze. Über 200 Wehrleute waren im Einsatz.

Eingefrorener Schwan

„Mit 456 Einsätzen war das Jahr 2016 ein extremes Jahr, es war das Jahr mit den meisten Einsätzen“, erklärt Michael Meyer, Leiter der Geilenkirchener Feuerwehr. 300 Einsätze im Jahr, so sagt der 61-Jährige, der seit 45 Jahren mit Leib und Seele Feuerwehrmann ist, seien der Durchschnitt. Im Jahre 2015 waren es 253 Einsätze.

Zu 105 Bränden (im Vorjahr 96) mussten die Wehrleute aus dem Geilenkirchener Stadtgebiet im vergangenen Jahr ausrücken. Bei 85 Alarmierungen handelte es sich um kleine Brände: Mal stand ein Pkw, mal eine Gartenlaube in Flammen. Auch brennende Felder mussten gelöscht werden. 20-mal brannte es in Wohngebäuden, und 14-mal wurden Feuerwehrleute durch Brandmeldeanlagen alarmiert: Diese Anlagen schlugen sieben Mal Alarm, weil ein Toaster kokelte oder es in einer Pfanne stark qualmte. Bei sieben Alarmierungen war die Ursache unbekannt.

In 337 Fällen musste die Feuerwehr zu technischen Hilfeleistungen ausrücken. Die hohe Zahl im Vergleich zu 194 Alarmierungen im Vorjahr ist auch das Ergebnis des Unwetters im Juni. In 20 Fällen musste die Wehr ausrücken, weil Menschen im Fahrstuhl feststeckten oder der Rettungsdienst vor einer verschlossenen Wohnungstür stand und der Wohnungsinhaber die Tür nicht mehr öffnen konnte.

Auch wenn Tiere in Not geraten, ist die Hilfe der Feuerwehr gefragt: Mal war es ein eingefrorener Schwan, mal eine verängstigte Katze auf dem Baum, mal eine verletzte Taube auf dem Fenstersims. Zehnmal rückte die Feuerwehr in diesen Fällen aus.

„Das Einsatzspektrum der Feuerwehr hat sich kolossal erweitert“, sagt Meyer und denkt dabei an den Tresor, den die Wehrleute nach einem Einbruch aus der Wurm gefischt haben, und an das Moped, das aus dem See im Wurmauenpark geborgen werden musste. Auch die Evakuierung eines Zuges auf den Bahngleisen bei Gut Tichelen zählt Meyer zu den 33 weiteren Einsätzen im Jahr 2016.

Neue Drehleiter für 700 000 Euro

„Der Einsatz bei Bränden ist für die Betroffenen nie kostenpflichtig. Bei Einsätzen der technischen Hilfeleistung erhält der Bürger vom Ordnungsamt eine Rechnung. Die Höhe richtet sich nach der Anzahl der eingesetzten Fahrzeuge und Wehrleute. Das Geld fließt in den Haushalt“, erklärt Meyer.

238 Wehrleute, sieben mehr als im Jahr 2015, hat die Geilenkirchener Feuerwehr in ihrer Einsatzabteilung. Ebenso zur Geilenkirchener Feuerwehr gehören die 128 Mitglieder der Ehrenabteilung und die 35 Angehörigen der Jugendfeuerwehr. „Auch die Jugendfeuerwehr hat eine leicht steigende Tendenz“, freut sich Meyer. „Viele fangen bereits mit zwölf Jahren bei uns in der Jugendfeuerwehr an, genießen da schon eine gute Ausbildung und sind dann mit 18 Jahren richtig fit“, sagt der Wehrchef.

In der Einsatzabteilung geht dann die Ausbildung erst einmal richtig los. Vier Module à 40 Stunden muss der angehende Feuerwehrmann für die Truppmannausbildung aufwenden, weitere 50 Stunden für den Atemschutzgeräteträgerlehrgang.

Dazu gibt es noch verschiedene Weiterbildungsangebote des Kreises und des Instituts der Feuerwehr in Münster. 23 Einsatzfahrzeuge stehen den Wehrleuten in Geilenkirchen zur Verfügung.

Derzeit wird ein neues Löschgruppenfahrzeug für die Löscheinheit Nirm zum Preis von 295 000 Euro gebaut, Ende 2017 soll es ausgeliefert werden. Die Löscheinheit Geilenkirchen benötigt eine neue Drehleiter, die derzeitige ist mehr als 20 Jahre alt. 2018 soll sie ausgeliefert werden. Die Kosten beziffert Meyer mit rund 700 000 Euro.

Wie eine Berufsfeuerwehr

„Wir arbeiten wie eine Berufsfeuerwehr“, erklärt der Stadtbrandinspektor. Die von der Bezirksregierung Köln auferlegten Vorgaben schaffe die Geilenkirchener Wehr in 80 Prozent der Fälle: „Bei einem größeren Brand müssen wir mit neun Mann innerhalb von acht Minuten an der Einsatzstelle sein. Weitere fünf Minuten später müssen 22 Kräfte vor Ort sein“, sagt Meyer.

Aber nicht immer könne man jede entlegene Ecke des Stadtgebietes innerhalb von acht Minuten erreichen. „80 Prozent ist ein guter Erreichungsgrad, das kann ich ohne schlechtes Gewissen sagen. 100 Prozent schafft auch eine Berufsfeuerwehr nicht.“

Eigentlich müsste Geilenkirchen als mittlere kreisangehörige Stadt mit mehr als 25 000 Einwohnern eine hauptamtliche Feuerwehr vorhalten. Aufgrund der Leistungsfähigkeit der Freiwilligen Feuerwehr konnte sie bisher darauf verzichten. „Hätte man nur neun hauptamtliche Feuerwehrleute im Tagdienst, würde die hauptamtliche Feuerwehr rund 1,5 Millionen Euro im Jahr kosten“, sagt Meyer.

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