3000 Schritte und mehr: Senioren marschieren durch Geilenkirchen

Von: Verena Müller
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Ria Hövel (2.v.r.) hat vor fünf Jahren die „3000 Schritte“ in Geilenkirchen ins Leben gerufen und viele Anhänger gefunden. Foto: vm

Geilenkirchen. Ria Hövel strahlt, noch ein bisschen mehr, als sie es eh meistens tut: „Hallo! Sind Sie auch wieder dabei! Das ist aber schön! Geht es wieder mit dem Fuß?“ Jeder in der Gruppe wird herzlich begrüßt, Punkt zwei Uhr marschieren die 23 Frauen und ein Mann ab Geilenkirchener Rathaus los. Jeden Mittwoch trifft sich eine lockere Rentner-Gruppe, um 3000 Schritte zu Wandern. Meist ist die Strecke dann doch länger.

Ria Hövel vorneweg, im Takt ihrer Schritte baumelt ein roter Würfel an ihrem kleinen schwarzen Rucksack. Heute geht es zum Wurmauenpark, an der Wurm entlang Richtung Frelenberg und an den Bahngleisen entlang wieder zurück nach Geilenkirchen. Rund anderthalb Stunden liegen vor der Gruppe, es weht ein kalter Wind, aber die Sonne scheint. In Steppjacken, mit bunten Schals und festem Schuhwerk geht es in gemäßigtem Tempo durch die noch blasse Natur.

Jeden Mittwoch treffen sich die Teilnehmer von „3000 Schritte“ um 14 Uhr vor dem Rathaus. Vor fünf Jahren hat Ria Hövel die Initiative des Bundesgesundheitsministeriums aufgegriffen. „,Da kommt eh keiner‘, dachte ich mir beim ersten Termin. Da waren es fünf, beim nächsten Mal schon zehn“, erzählt die 75-Jährige. Zwei Dutzend sind es heute, je nach Wetter.

„Hallo, warten!“, ruft Ria Hövel einen paar Voreiligen zu, es geht geradeaus weiter, nicht links. Die meisten sind binnen weniger Minuten in Gespräche vertieft, da kann man schon mal von der Route abkommen. „Fährst du wieder mit dem Heimatverein weg dieses Jahr? Ja? Renate, du auch?“ „Wann fängt dein Malkurs an?“ und, ganz wichtig: „Was machen die Enkelkinder?“ – solche Fragen schwirren durch die Gruppe. Alle sind schon in Rente, wollen in Bewegung bleiben und freuen sich, sich einmal die Woche mit inzwischen guten Bekannten austauschen zu können. Eine willkommene Abwechslung eben, die auch gesund hält. „Da kennt man sich schon, wenn man ins Altersheim kommt“, witzelt eine Geilenkirchenerin. Außerdem: „3000 Schritte“ ist kein Verein, jeder kann also kommen, wann er will, es gibt keine Verpflichtungen und es kostet nichts.

Die Wurm rauscht neben dem Wanderweg – „schön sauber ist die jetzt“, bemerkt Ria Hövel. Und: „Da links steht mein Elternhaus. Die Hommersche Mühle.“

Ein paar Meter dahinter geht Gudi Ettendorf, sie ist schon seit vier Jahren dabei. „Wenn man in Rente ist, hat man viel Zeit“, sagt sie. „Vorsicht, Tretmine!“, tönt es von vorne, entlang der Bahnlinie, wo der Zug zwischen Düsseldorf und Aachen fährt, gehen offenbar viele Hundebesitzer spazieren.

Rudi Scherrers aus Straeten ist heute der einzige Mann in der Runde, zusammen mit seiner Frau geht er außerdem zum ersten Mal mit. Sport treibe er eigentlich genug, erzählt der 65-Jährige, schließlich sei er in Sportvereinen sehr engagiert, aber seine Frau, die, nun, die müsse man ab und zu ein bisschen überreden. Und da sie sich schön länger vorgenommen habe, sich die „3000 Schritte“ mal anzuschauen, sei mal also heute hier.

3000 Schritte sind es, nebenbei bemerkt, selten. Eher deutlich mehr. Die längste Route, die Ria Hövel bislang mit ihren Wanderfreunden zurückgelegt hat, reichte bis Immendorf. Mit Einkehr auf halber Strecke, wohlgemerkt.

Regelmäßig dreht sich die 75-Jährige um, „Kommen alle mit? Ja? Schön.“, dann redet sie mal mit der einen, mal mit der anderen Dame.

Ob wohl jemand ein Smartphone dabei habe? „Nein? Schade.“ Sie macht sich etwas Sorgen, ob in dem Café, in das sie mit der Gruppe am Ende wie immer einkehren möchte, genügend Platz ist und würde gerne die Telefonnummer raussuchen. Mit zwei Dutzend Teilnehmern kann es dort eng werden. Und wie die Sardinen zu sitzen, das müsse ja nicht sein.

Auf dem letzten Drittel bleibt Zeit, um Pferde auf der Weide und ein paar frisch gepflanzte kleine Bäume zu bestaunen, dann ist die Gruppe schon fast wieder in der Stadt. Viele Wangen und Nasenspitzen sind von der Kälte gerötet, manche reiben sich die Hände, aber alle lächeln. Schließlich locken nun auch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

Nächste Woche wieder, auf jeden Fall, da sind sich alle einig.

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