„3 x W“: Mit Kamera und Zeichenblock durch die Natur

Von: Udo Stüßer
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Drei Künstler mit der Comicfigur Horst: Nathalie Kwade, geborene Wischinski, René Wischinski und Hans-Werner Wischinski (von links) stellen gemeinsam unter dem Titel „3 x W“ aus. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen/Übach-Palenberg. „Bei einem Blödsinn-Wettbewerb liegst du ganz vorne. Aber wenn es ernst wird, schafft du das nicht.“ Die Worte seines Schwagers haben Hans-Werner Wischinski damals hart getroffen. Aber sie haben auch seinen Ehrgeiz geweckt. Wenn er heute, 36 Jahre später, seine Kunstwerke für die geplante Ausstellung „3 x W“ zurechtrückt, denkt der Übach-Palenberger Fotograf gerne an die Jahre seines künstlerischen Schaffens zurück.

Nahm der heute pensionierte Grundschullehrer als 28-Jähriger an einem Wettbewerb teil, bei dem das lustigste Foto gesucht wurde, so folgte bald darauf die erfolgreiche Teilnahme an vielen nationalen und internationalen Ausschreibungen. Kaum hatte ihm seine Frau Margret die erste Spiegelreflexkamera geschenkt, versank der Übach-Palenberger in Bücher und Fachzeitschriften, die er regelrecht verschlang und die heute seinen ganzen Keller füllen.

Dreimal durfte er beim Weltfestival der Fotografen im belgischen Knocke ausstellen, und beim Nikon-Wettbewerb landete er auf dem dritten Platz. Seinen Humor hat Hans-Werner Wischinski in all den Jahren nicht verloren, wie seine lustigen Fotomontagen zeigen.

Besonders seine „GK-Kuh“ lässt den Betrachter schmunzeln: eine grasende Kuh mit dem Stadtwappen von Geilenkirchen. „Fotografie macht Spaß“, hat er festgestellt. Der Hobbykünstler beschäftigt sich auch mit der ernsten Seite der Fotografie: die Makro-, Sach- und Landschaftsfotografie sind seine Schwerpunkte.

Besonders Insekten und Pflanzen haben es dem Autodidakten angetan. Stundenlang durchstreift Hans-Werner Wischinski auch heute noch mit seiner Tochter Nathalie Kwade die Teverener Heide. Heute denkt sie an ihre Kindheit zurück: „Schon mit vier Jahren ging ich mit meinem Vater durch den Wald und habe Eidechsen, Kröten, Frösche, Salamander und Heuschrecken gefangen, die mein Vater dann zu Hause fotografiert hat.“

Herrlich ist die auf Fotopapier gebannte Hornisse anzusehen, die der Marienberger in einem Spinnennetz in seinem Vorgarten vorgefunden hat. Er hat das schon geschwächte Tier aus dem Netz befreit, mit einem Tropfen Zuckerwasser auf ein Blatt gesetzt und abgelichtet. „Und dann hat sie sich mit einem Lächeln verabschiedet“, sagt Wischinski beim Betrachten des 20 mal 30 Zentimeter großen Fotos.

Im Frühjahr und Sommer durchstreift er mit dem Rad die Region, fotografiert Tiere und Landschaften. Es entstanden Bilder von Schlössern, vom Kohleberg, Fotos wurden im Wurmtal und in der Heide geschossen. Sogar die Klangbrücke sieht auf seinen Fotos schön aus. „Impressionen einer Stadt“ lautet auch Titel eines im Jahre 2010 von der Stadt Übach-Palenberg herausgegebenen Buches mit Fotos von Hans-Werner Wischinski.

„Leider ist es ausverkauft“, bedauert er. Im Herbst und Winter beschäftigt er sich eher mit Sachfotografie: da entstehen künstlerische Fotos von Werkzeugen, Rasierklingen, Korkenziehern und Trauben. Einen Wettbewerb unserer Zeitung hat der Palenberger mit seinem schönsten Winterbild gewonnen. Hatte seine Frau ihm vor Jahren seine erste Kamera geschenkt, so folgte Mitte der 90er Jahre ein Aquarellkasten.

Wieder verschlang Hans-Werner Wischinski Bücher, und er malte: Herrliche Bilder entstanden von Schloss Zumdahl und von der Aachener Altstadt. Beeindruckend ist das melancholisch stimmende in Indigoblau gehaltene Bild vom traurigen Mann, der mit seinem Regenschirm durch die Gassen schlendert. Das Bild gibt Hans-Werner Wischinskis Stimmung wieder, wenn es draußen regnet und er mit seiner geliebten Kamera nicht die Natur durchstreifen kann.

Seine Tochter Nathalie war nicht nur stets eine kritische Begleiterin, die 29-Jährige trat auch in seine Fußstapfen. Zunächst als Malerin, später auch als Fotografin. „Er hat mein Auge geschult“, sagt sie. Ihre Aquarelle zeigen Pflanzen und Landschaften, Elefanten, Leoparden und Giraffen verewigte sie in Acryl. Stets ist sie auf der Suche nach neuen Motiven im Internet, verändert die Tiefe, die Farben und die Bildaufteilung, so dass ganz neue Bilder entstehen.

Als Nathalie 25 Jahre alt war, erhielt sie von ihrem Vater eine Spiegelreflexkamera. Auch sie widmete sich von nun an der Makrofotografie. Ihre Motive findet sie überwiegend im eigenen Garten. Hier lichtet sie Blüten und Insekten ab. Auf ihren Reisen, ob zu den Kanaren oder griechischen Inseln, ist ihre Kamera ihr ständiger Begleiter. Herrlich ist die kleine „Lady in red“ anzusehen, ein Kind vor der Kulisse eines englischen Hafens. Für ihren Mann Michael sind gemeinsame Spaziergänge sogar durch den Heimatort Scherpenseel eine wahre Strapaze. „Mit mir geht es nun im Stop-and-go, weil ich immer ein Fotomotiv sehe“, lacht die Mitarbeiterin des Geilenkirchener Bauamtes.

Horst, der Mann ohne Haare

Der Sohn der Familie, der 25-jährige René Wischinski aus Palenberg, arbeitet unter dem Namen „W.Schinski“ im Bereich Zeichnung und Comic. „Mein Vater hat früher immer gekritzelt, beispielsweise bei seinen Telefonaten. Das fand ich faszinierend“, blickt er zurück. Für Heiterkeit bei seinen Freunden sorgte der junge René mit seinen Karikaturen von Lehrern. Seit seinem 13. Lebensjahr liest er Bücher über Zeichnen und Comiczeichnen. Vor wenigen Tagen hat er einen Fernstudienlehrgang „Comic und Karikatur“ Der Fernschule ILS in Hamburg mit „Sehr gut“ abgeschlossen, parallel dazu absolviert er ein Fernstudium in Grafik-Design.

Er hofft, sich im nächsten Jahr geprüfter Grafik-Designer nennen zu dürfen. Seit einem Jahr arbeitet er mit seinem Freund Sebastian Weißborn an einem eigenen Comic; Sebastian schreibt den Text, René zeichnet die Bilder. Wer allerdings die Abenteuer der fünf Protagonisten, die alle nur das eine, nämlich einen Schlüssel, wollen, verfolgen will, wird noch ein Jahr lang warten müssen. Cartoons, Zeichnungen und Comics findet man auch auf seiner Internet-Präsenz unter www.kritzelkomplex.de. Da begegnet man auch seiner Figur Horst. Der Mann ohne Haare taucht immer wieder in seinen Werken auf.

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