2014 in Übach-Palenberg: Alles andere als langweilig

Von: Markus Bienwald
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Nix in den Taschen: Die Stadtfinanzen bleiben auch 2015 das Thema schlechthin. Foto: Markus Bienwald
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Erst Schüler, bald Rentner: Die Gemeinschaftshauptschule in Boscheln läuft aus. Auf dem Gelände sollen künftig Senioren leben. Foto: Markus Bienwald
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Bei der Kommunalwahl gingen nur die Herren links (Ralf Kouchen, SPD) und in der Mitte (Frank Kozian, Grüne) baden. Wolfgang Jungnitsch behielt das Amt des Bürgermeisters. Foto: Markus Bienwald
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Der „Stumme Zeuge“ von Künstler Hermann-Josef Mispelbaum (r.) ist ein Denkmal der besonderen Art. Es erinnert an die Opfer des Nationalsozialismus. Foto: Markus Bienwald
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Der Einkaufspark Magnus sorgte für eine Wiederbelebung des alten Zechengeländes. Auch der Palenberger Rewe siedelte über. Foto: Markus Bienwald
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Das Baugebiet Beyelsfeld war ein Thema, das die Gemüter bewegte: Gleich zwei Unterschriftenaktionen wurden gestartet. Foto: Markus Bienwald
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Das ehemalige Fraktionsgebäude ist keine Heimstatt der Politik mehr, sondern soll als Kostenfaktor verschwinden. Foto: Markus Bienwald
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Auf dem Wasser laufen kann niemand, so bleibt die Zukunft des Ü-Bades trotz aller Rettungsabsichten unsicher. Foto: Markus Bienwald

Übach-Palenberg. Ein Ausrufezeichen setzen, das ist doch mal etwas am Ende eines Jahres. Früher war das Ausrufezeichen hinter dem Gruß „Glück auf!“ ganz normal und immer hörbar. Von diesen Satzzeichen gab es in der Stadt, die früher einmal eine Zechengemeinde war, im auslaufenden Jahr sicherlich viele.

Denn wer denkt, dass mehr als 50 Jahre nach der Steinkohleförderung die Sache mit der Gewerkschaft Carolus Magnus nun nur noch in die Geschichtsbücher gehört, der irrt. Schließlich trägt selbst das neue Einkaufszentrum, das 2014 eröffnet wurde, noch diesen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursprung der 1967 mit den Stadtrechten versehenen Kommune im Namen – von dem Gelände, auf dem das riesige Zentrum gewachsen ist, mal ganz abgesehen.

Große Flächen spielten in diesem Jahr eine entscheidende Rolle. So ist und bleibt die Baustelle an der Schokoladen- und Brotwarenfabrik in Holthausen eine der größten im Lande, die Fertigstellung dürfte 2015 mehr als nur eine Randnotiz wert sein. Viel Raum – auch zeitlich gesehen – nahm das Dauerthema Klangbrücke ein. Doch statt um das Für und Wider des wie ein ausgebeintes Walskelett im Wurmtal liegenden einstigen Vorzeigebauwerks, geht es am Ende nur noch um den schnöden, aber überlebenswichtigen Mammon.

Dessen öffentliche Hüter aus dem Rathaus betonten zwar bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass die Stadt nunmal keine Mittel hat, um dies oder das anders oder schöner zu machen. Und so regte sich Volkes Stimme in diesem Jahr so laut und oft wie schon lange nicht mehr. Da gründete sich beispielsweise ein eigener Verein, der alles unternehmen will, um gegen eine mögliche Schließung der Stadtbücherei vorzugehen. Harsche Kritik blies den Damen und Herren im Übacher Rathaus auch hinsichtlich der Zukunft des Ü-Bades entgegen. Denn trotz aller Beteuerungen von höchster Stelle, alles für einen Erhalt zu tun, bleibt die Angst der Angestellten und die Frage nach dem Sinn bei den Engagierten und den vielen Nutzern bestehen.

Wie weit es die Protestkultur auch in Übach-Palenberg geschafft hat, zeigte sich auch am Beispiel Beyelsfeld. Sicherlich ist das ein großes Baugebiet, das da auf die Menschen in Übach zukommt. Und sicherlich muss viel bewegt werden, bevor die Häuser allesamt stehen. Doch warum mit dem Protest warten, wenn noch Zeit ist, um in der Planungsphase die Stimme zu erheben, dachte man sich. Flugs wurden gleich zwei Unterschriftenaktionen gestartet, beide mit dem Ziel, Information rund um das künftige Erscheinungsbild Übachs an dieser Stelle zu bekommen. Politik und Investoren reagierten, konnten aber nicht alle Zweifel ausräumen. Vielleicht geht es am Ende nur darum, etwas zu bewahren: den über Jahre gewohnten Ausblick auf das freie Feld zum Beispiel.

Die konservative Richtung schlug am Ende eines spannenden Lokalwahlkampfes mit zwei erwartbaren und einem unerwarteten dritten Bürgermeisterkandidaten die Wählerschaft ein. Denn sie bestätigte nicht nur Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch im Amt, sie brachte der SPD-Phalanx eine empfindliche Niederlage bei und machte die CDU noch zum Wahlsieger. Die öffentliche Lobhudelei ging schließlich so weit, dass selbst der SPD-Vorsitzende von einem „überaus populären“ Bürgermeister sprach.

Glück auf also auf allen Gebieten in Übach-Palenberg? Die Stadt sieht es so, präsentierte gute Zahlen, die von Wirtschaftswachstum, neuen Baugebieten und mehr Arbeitsplätzen künden. Kritiker stellen dem einen anhaltenden Ausverkauf der Stadt gegenüber, die Immobilien und Grundstücke nur allzu großzügig abstoße, um irgendwann einmal dem Status der Stärkungspaktkommune zu entkommen. Da wird der Rathausplatz genannt, da gibt es aber auch das Fraktionsgebäude neben dem Rathaus, das frühere Übacher Rathaus am Markt oder auch die Hauptschule in Boscheln. Alles Objekte und Projekte, bei denen die Stadt sich durchaus über Einnahmen (beziehungsweise verschwindende Ausgaben) freuen darf und durfte, die in Zukunft aber dem Vermögenshaushalt fehlen werden.

An jungen Menschen könnte es künftig auch in Übach-Palenberg mangeln, was aber weniger der Stadt, sondern eher dem sich immer mehr abzeichnenden demographischen Wandel zuzuschreiben ist. Auch hier will die Stadt aktiv werden, entwickelt beispielsweise zusammen mit einem Investor auf der jetzigen Fläche der Hauptschule ein Wohnprojekt, das vor allem Älteren zugutekommen soll. Dies und die Ausweisung neuer Baugebiete für junge Familien ruft aber gleichzeitig wieder kritische Stimmen auf den Plan, die dann mit Fragen kommen und meinen, dass der alte Baubestand dann dauerhaft leerstehen würde.

Davon kann bei der Willy-Brandt-Gesamtschule keine Rede sein, denn sie scheint auch ohne die Wünsche der Nachbarkommune Baesweiler sehr beliebt zu sein. Ob es aber wirklich Sinn macht, einer Schule, die angesichts der mannigfaltigen Auszeichnungen für Aktionen, Zertifizierungen oder Landesprogramme, ihrer grundsätzlichen Ausrichtung im Ganztagsbetrieb und ihrer schon bestehenden Kooperation mit der Europaschule in Herzogenrath, noch einen Kooperationspartner mehr zur Seite zu stellen, darf mit einem Fragezeichen versehen werden. Denn klar scheint, dass Verwaltung und Kollegium hinter der Feststellung, ob sie ausgelastet sind oder nicht, schon lange ein „Ja“ mit Ausrufezeichen platziert haben.

Wer sich übrigens angesichts der bundesweiten Diskussionen um Pegida, Hogesa oder sonstiger kruder Akronyme fragt, wie die Stadt Übach-Palenberg zum rechten Rand steht, der sollte sich einmal ein künstlerisches Statement anschauen. Der in diesem Jahr enthüllte „Stumme Zeuge“ von Künstler Hermann-Josef Mispelbaum soll an die Menschen erinnern, die dem Terror des NS-Regimes zum Opfer fielen. Das dürfte in diesen Tagen durchaus mal den ein oder anderen Gedanken wert sein.

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