200 Flüchtlinge in Geilenkirchen willkommen

Von: Udo Stüßer
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Sie inspizierten am Freitag das Gebäude: die Spitzen des Kreises Heinsberg, des Verifikationszentrums und der Hilfsorganisationen. Foto: Udo Stüßer
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200 Feldbetten wurden mit 400 Wolldecken bestückt. Hardy Hausmann vom DRK bei einem der letzten Handgriffe. Foto: Udo Stüßer

Geilenkirchen. Wenn am Montagmorgen zivile Mitarbeiter des Zentrums für Verifikationsaufgaben der Bundeswehr aus ihrem Urlaub zurückkehren, werden sie überrascht sein: Ihre Büros gibt es nicht mehr, ihre Schreibtische wurden in andere Gebäude verfrachtet.

Denn: Innerhalb kürzester Zeit haben die Verantwortlichen des Kreises Heinsberg und des Verifikationszentrums gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz, dem Malteser Hilfsdienst und dem Technischen Hilfswerk ein Gebäude der Selfkantkaserne in Niederheid als Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge hergerichtet.

Am Samstag werden letzte Arbeiten vorgenommen. Brandmelder und Feuerlöscher müssen an diesem Samstag noch installiert werden. Dann kann Landrat Stephan Pusch der Bezirksregierung in Köln Vollzug melden. Ab Sonntag werden dann 200 Flüchtlinge in Geilenkirchen erwartet.

Wann sie kommen, ob sie kommen und wer kommt, das weiß niemand. Nur eines steht fest: Die Liegenschaft am Fort-Sill-Weg ist bestens vorbereitet. 20 Zimmer sind mit je acht Betten, zehn Zimmer mit vier Betten ausgestattet. Die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, die die Einrichtung betreuen, stehen bereit.

Rund 500 Flüchtlinge soll der Kreis Heinsberg in Erstaufnahmeeinrichtungen unterbringen. Zweimal, so erklärte am Freitag Landrat Stephan Pusch, habe man in Erkelenz vergeblich gewartet. Nach Protesten seinerseits bei der Bezirksregierung habe man ihm versichert, Erkelenz keine Flüchtlinge zuzuweisen. Man wolle stattdessen warten, bis Geilenkirchen vorbereitet ist. 328 weitere Plätze werden laut Kreisordnungsamtsleiter Reinhold Lind in Wegberg-Petersholz geschaffen.

Sieben Häuser in der ehemaligen Siedlung der britischen Streitkräfte werden allerdings erst in fünf bis sechs Wochen fertig sein. Die für Flüchtlinge vorbereiteten Turnhallen des kreiseigenen Berufskollegs in Erkelenz bleiben auch in den nächsten Wochen für Sportler gesperrt. „Überall sucht man händeringend nach Unterkünften. Keiner kann sagen, was noch passiert“, sagt Landrat Stephan Pusch.

„Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass wir eine Lösung finden müssen, die langfristig ist“, erklärt der Kommandeur des Verifikationszentrums, Brigadegeneral Peter Braunstein. Innerhalb von einem Tag hätten die Mitarbeiter der in dem Gebäude untergebrachten beiden Dienststellen das Haus leergeräumt. Derweil loben Hardy Hausmann vom Deutschen Roten Kreuz, Heinz Willi Aretz vom Technischen Hilfswerk und Uwe Neudeck vom Malteser Hilfsdienst ebenso wie der Standortälteste der Bundeswehr, Oberst Reinhard Jörß, und Stephan Pusch die gute Zusammenarbeit der beteiligten Organisationen.

Innerhalb von wenigen Tagen wurden 20 Zimmer hergerichtet, Waschräume zu Duschräumen umgebaut, die Installation für Waschmaschinen und Trockner geschaffen. Die Mitarbeiter des THW bauten innerhalb von zwei Stunden 200 Feldbetten auf, bestückten sie mit 400 Wolldecken, sorgten für die Frischwasserversorgung, legten Strom, bauten einen WC-Container für das Betriebspersonal und ein beheizbares Zelt für die Essensausgabe und als Versammlungsort auf.

Die Essensversorgung wird künftig durch das Catering der Lebenshilfe übernommen. Vier Räume dienen als Arztzimmer für die Erstuntersuchung. In den nächsten Wochen wird ein Hotspot eingerichtet, der den Flüchtlingen einen Internetzugang ermöglicht. Mit der Bewachung der Anlage, die von einem Zaun mit Sichtschutz umgeben ist, wurde eine Sicherheitsfirma beauftragt.

Sobald nun die Flüchtlinge eintreffen, werden sie erst einmal auf die Zimmer verteilt, dann mit Hygienesets und Essen versorgt. Für Dolmetscher hat der Kreis gesorgt. Am nächsten Tag erfolgt die ärztliche Untersuchung in der Einrichtung und im Kreisgesundheitsamt, mehrere Ärzte haben sich bereits freiwillig gemeldet. Nach einer Impfaktion geht es zum Röntgen ins Krankenhaus, den Transport übernimmt das DRK.

Die Verantwortlichen hoffen, dass die Erstregistrierung von mobilen Teams in der Selfkantkaserne vorgenommen wird. Ansonsten müssten alle Asylbewerber nach Arnsberg oder Dortmund gefahren werden. „Wenn nötig, werden wir das DRK im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützen“, erklärt Brigadegeneral Peter Braunstein.

15 bis 20 Helfer werden Tag für Tag in der Flüchtlingsunterkunft im Einsatz sein. Landrat Stephan Pusch hat bereits zugesagt, mehr hauptamtliche Stellen beim DRK zu schaffen. „Wir hoffen aber auch auf die Unterstützung von ehrenamtlichen Kräften, beispielsweise bei der Essensausgabe oder beim Spüldienst“, erklärt Hardy Hausmann, Leiter der Einsatzdienste der DRK Heinsberg. Wer mithelfen will, wird gebeten, sich per Mail an das DRK zu wenden: einsatz@drk-heinsberg.de

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