125 Jahre Feuerwehr: Taucher, Helikopter, Oldtimer und High Tech

Von: Christina Kolodzey
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Großes Bild: Diese Panoramaansicht bot sich Besuchern, die sich mit der Hebebühne in die Höhe hieven ließen. Schwindelfreiheit war dafür eine gute Voraussetzung. Rechts oben: In einem großen Container mit Sichtluke zeigten die Feuerwehrtaucher des Kreises Heinsberg, was sie können. Sie bewältigen ein gutes Dutzend Einsätze pro Jahr. Rechts, Mitte: Lennart und Quinten Braun brausten auf einem fahrbaren Untersatz in den Farben des Technischen Hilfswerks durch die Gegend. So geht wohl Nachwuchsgewinnung. Rechts unten: ein Oldtimer-Feuerwehrauto der Löscheinheit Lennep. Foto: Christina Kolodzey
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Großes Bild: Diese Panoramaansicht bot sich Besuchern, die sich mit der Hebebühne in die Höhe hieven ließen. Schwindelfreiheit war dafür eine gute Voraussetzung. Rechts oben: In einem großen Container mit Sichtluke zeigten die Feuerwehrtaucher des Kreises Heinsberg, was sie können. Sie bewältigen ein gutes Dutzend Einsätze pro Jahr. Rechts, Mitte: Lennart und Quinten Braun brausten auf einem fahrbaren Untersatz in den Farben des Technischen Hilfswerks durch die Gegend. So geht wohl Nachwuchsgewinnung. Rechts unten: ein Oldtimer-Feuerwehrauto der Löscheinheit Lennep. Foto: Christina Kolodzey

Geilenkirchen. „Wasser marsch“ hieß es am Sonntag beim „Blaulichttag“ nicht nur von der Feuerwehr. Auch der Himmel öffnete seine Schleusen: Zwar nicht so stark wie am Tag zuvor, aber beständig den ganzen Sonntag über. Davon ließen sich jedoch die Schaulustigen ihre Feierlaune nicht vermiesen und strömten zahlreich herbei.

Vor allem die Kinder hatten ihre helle Freude an dem vielfältigen Programm. Löscheinheitsführer Matthias Ludwig berichtet von über einem Jahr Vorbereitungszeit und, neben der Mitarbeit von 33 Aktiven und Dreien aus der Ehrenabteilung aus Altersgründen, von reichlich Unterstützung durch ortsansässige Vereine und benachbarte Feuerwehren.

Während es sich die einen vormittags noch beim köstlichen Brunch im Festzelt gemütlich machten, wo die SSB Big Band Geilenkirchen die Gäste unterhielt – nachmittags, zum Kaffee, abgelöst von „Jukebox Modus“ –, zog es die anderen schon auf den Parkplatz am Beamtenweg, auf dem alle Präsentationen stattfanden, nachdem man sich kurzerhand entschlossen hatte, den Wurmauenpark nicht wie geplant zu nutzen, da dieser buchstäblich unter Wasser stand.

Ein Publikumsmagnet schwebte gegen Mittag auf einer nahen Wiese vom Himmel: Der Rettungshubschrauber „SAR 41“ der Bundeswehr aus Nörvenich. Die Abkürzung „SAR“ steht für „Search and rescue“, suchen und retten. Direkt nach der ohrenbetäubenden Landung von einer Menschentraube umrundet, wusste seine Mannschaft – Pilot, Bordtechniker und Luftrettungsmeisterin – auf alle Fragen Antwort zu geben.

Fluggeschwindigkeit maximal 220 Kilometer pro Stunde, Flugzeit von Nörvenich nach Geilenkirchen 20 Minuten, Mindestflughöhe 1,6 Kilometer, ein Triebwerk, meist Sichtflug, auch Nachtflug möglich mit Bildverstärkerbrille, 324 Umdrehungen des Hauptrotors und 1650 des Heckrotors pro Minute – ohne Heckrotor könne der Hubschrauber nicht fliegen, würde sich nur im Kreis drehen und käme nicht vom Fleck. Finn Evertz (8) aus Hünshoven findet: „Cool – nur sich anzuschleichen wäre damit nicht so leicht!“

Eine weitere Attraktion waren die Feuerwehrtaucher des Kreises Heinsberg: In einem großen, mit Wasser gefüllten Container machten sie ihre Übungen, und Groß und Klein drückten sich an den Scheiben die Nasen platt, um sie bei ihrer Arbeit zu beobachten. „Rund 14 Einsätze bewältigen wir pro Jahr“, erzählt Guido Funk, Leiter der Wasserrettungsgruppe, „neben elf Tauchern haben wir noch eine Bootsmannschaft, und wir suchen auch mit Ultraschall- und Sonargeräten.“

Auch die Jugendfeuerwehr zeigte, was sie kann, und die Jungen und Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren führten routiniert und ohne Hektik vor, wie sie Schläuche heranschaffen, anschließen, auswickeln und ein Feuer löschen.

Am sogenannten Spreizer des Technischen Hilfswerks (THW) Übach-Palenberg, einem Gerät, mit dem man auch zupacken kann, um beispielsweise Autotüren aufzustemmen oder Betonplatten anzuheben, konnten Besucher dagegen ihre Geschicklichkeit testen, während das THW Hückelhoven den sogenannten „Polygreifer“, mit dem man Trümmer wegräumen kann, präsentierte. Das Rote Kreuz wiederum verarztete lädierte Plüschteddys, die kleinen Besitzer durften beim Verbinden helfen.

Für die Tierfreunde unter den Besuchern war die Hundestaffel des Hauptzollamts Köln genau das Richtige: Sally, eine gutmütige, neunjährige Labradorhündin, war in vielen Koffern den Drogen auf der Spur: Ihr Besitzer, Thomas Kinzelmann, konnte die Drogen noch so gut verstecken, mit ihrer feinen, trainierten Nase fand Sally immer, was sie suchte, und brachte das Päckchen schwanzwedelnd zu ihrem Herrchen.

Die Drogenspürhündin, deren Ausbildung rund anderthalb Jahre dauert, war eindeutig der Star bei den Kindern. Aber auch die Bundespolizeiinspektion Aachen konnte punkten, durfte sich doch der Nachwuchs auf einem schnittigen Motorrad ablichten lassen und das Foto dann mit nach Hause nehmen. Am Stand des Hauptzollamts Aachen war es ihm sogar möglich, sich ans Steuer eines parkenden Streifenwagens zu setzen – mit rotierendem Blaulicht. Erwachsene, oft ambitionierte Fotografen, suchten dagegen den Nervenkitzel, indem sie sich auf die 30 Meter hohe Drehleiter der Feuerwehr hieven ließen, um Panoramaaufnahmen zu schießen.

Beim Bummeln über den Platz konnten Interessierte auch einen Blick in die perfekt durchdachte Ausstattung der Feuerwehrautos werfen, deren Türen rundherum geöffnet waren. Im Vergleich dazu waren die Oldtimer-Fahrzeuge, von denen die Löscheinheit Lennep eine ganze Flotte mit Geräten der Baujahre 1835 bis 1910 zur Verfügung stellte, völlig anders konzipiert.

Um dem Publikum einen Einblick in die Arbeitsweise von anno dazumal zu geben, zeigte sie in einer Einsatzübung die Handhabung der früher von Hand, Pferden oder Traktoren gezogenen Wasserspritzen, Schlauchwagen und Holzleitern, wofür sie sich sogar ein Drehbuch ausgedacht hatte.

Nachtwächter in Uniform

Und das ging so: Die hinter einer Absperrung wartenden Zuschauer hören vom Balkon – einem meterhohen Gerüst – die verzweifelten Hilferufe einer Frau. Hinter ihr steigt Rauch auf. Sofort kommt der Türmer, ein Nachtwächter in Original-Uniform, herbeigestürmt und ruft: „Feurio, feurio – Feuer im Dorf!“ Flugs eilen die ersten Kräfte mit einer Abprotzspritze herbei – einer Handpumpe, die auf einem Handkarren, der Protze, zum Brandplatz gezogen wird. Trotz aller Bemühungen, gelingt es nicht, Wasser zum Brandherd zu bekommen.

„Wir brauchen die große Spritze!“, schallt es, und sofort wird sie von einem Traktor nebst einer Schiebeleiter von der Steigerstaffel der Feuerwehr herbeigeschafft. Die Turnerfeuerwehr baut die Leiter sogleich von Hand auf, wobei es akrobatisch zugeht und auch der Türmer mithilft, indem er sich an einen der Turner hängt, was – beide in der Luft baumelnd und mit den Füßen strampelnd – für Lachsalven bei den Zuschauern sorgt.

Ein unsicherer Steiger klettert nun unter gutem Zureden seiner Kollegen vorsichtig hinauf, während die anderen feststellen, dass die Schläuche vergessen wurden. Nachdem auch sie an Ort und Stelle sind, wird tüchtig mit Muskelkraft gepumpt – nicht ohne ein kleines Päuschen einzulegen und auf die Feuerwehr zu trinken, hat man doch erfahren, dass das Haus gut versichert ist.

Die Zuschauer prosten ihnen lachend zu, während inzwischen der Steiger bei der verängstigten Dame im Nachthemd angelangt ist und ihr behilflich ist, die Leiter herunterzusteigen, sie dabei aber etwas zu diensteifrig am Popo abstützt. Unten angekommen, wird die Gerettete auf Händen getragen in Sicherheit gebracht, und nachdem das Feuer dann endlich gelöscht ist, ruft der Türme fröhlich: „Feuer im Dorf ist aus!“

Hüpfburg und Wasserspiele

Nach begeistertem Applaus stärkte sich mancher Zuschauer für das weitere Herumgehen mit deftiger Erbsensuppe, während die Kleinen unermüdlich Hüpfburg und Wasserspiele belagerten oder sich beim Kinderschminken verwandeln ließen. Fast ist es unmöglich, aufzuzählen, was die Feuerwehr alles für diesen Tag organisierte, und so sprechen Leo Hilgers aus Schierwaldenrath und sein Enkel Moritz Krefeld (fünf Jahr jung) wohl für die meisten, wenn sie sagen: „Ein tolles Fest – vor allem abwechslungsreich. Alles hat uns super gefallen und wir können das nächste Mal kaum erwarten!“

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