In «Mondanzügen» gegen die gefährliche Säure
Aachen. Die Szenerie wirkt wie in der Kulisse eines Science-Fiction-Films. Reihenweise laufen die Männer mit den Mondanzügen durch die verfallenden Reste des Westbahnhofs. Wobei sich diejenigen mit orangenfarbenen «Kostümen» von jenen in blauer Tracht im Entgiftungszelt reinigen lassen.
Säure-Mord von Tüddern: Blutspritzer gehören zu Vermisstem
Selfkant/Maastricht. Im Fall der vermutlich getöteten und in Salzsäure aufgelösten vermissten Iraker Mouhammed al Jader und Alan Gergeri sind Blutspritzer eines der Opfer in einem Haus in Selfkant-Tüddern identifiziert worden.
Neue Spielzeit der Kölner Oper gerettet: Einigung im Finanzstreit
Köln. Die kommende Spielzeit der Kölner Oper ist gerettet. Im Streit um Finanzen und die Produktionen für die Saison 2012/2013 sei eine Einigung erzielt worden, teilte die Stadt Köln am Mittwoch mit.
Störungen vor Besuch des Dalai Lama
Lüttich. Ein für Donnerstag geplanter Besuch des Dalai Lama im belgischen Huy bei Lüttich hat hinter den Kulissen zu diplomatischen Spannungen geführt: Offenbar haben chinesische Behördenvertreter vorab versucht, den Besuch zu verhindern. Außerdem wurde ein verdächtiger Umschlag ans Zentrum gesandt.
Polizei nimmt vier jugendliche Rollerdiebe fest
Aachen. Vier Rollerdiebe aus den Niederlanden haben Beamte der Aachener Einsatzhundertschaft am Dienstagabend auf frischer Tat festnehmen können.
Kriminelle erpressen Geschäftsleute: Zwei Festnahmen
Eschweiler/Stolberg. Ein 69-jähriger Geschäftsmann aus Eschweiler ist in den vergangenen Wochen um hohe Bargeldbeträge erpresst worden. Die Kriminalpolizei hat mehrere Verdächtige festgenommen.
Nichts geht mehr: Der Absturz von René Schnitzler
Von René Benden | 07.09.2011, 12:14
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150.000 Euro in einer Nacht
Was für die Meisten eine Lektion gewesen wäre, ist für Schnitzler eine Herausforderung, ein Kick, ein Beginn. «Die Enttäuschung über das verlorene Geld war schon nach wenigen Stunden weg, und ich habe überlegt, wie ich die Kohle zurückgewinnen kann», erzählt er. Bald schon ist Schnitzler wieder im Aachener Casino oder in Venlo oder in Duisburg oder, oder, oder.
Er wird sich in der legalen und illegalen Szene den Ruf eines besessenen, unkontrollierbaren Spielers erwerben. Einer, der in einer schlechten Nacht auch schon einmal 150.000 Euro verliert. Er wird seine hoffnungsvolle Fußballerkarriere wegwerfen, er wird Menschen Geld schulden, denen man besser nichts schuldig bleibt. Er wird sich mit der Wettmafia abgeben, er wird in den größten Wettskandal der Fußball-Bundesliga verwickelt und nicht zuletzt die Menschen, die ihn lieben, zur Verzweiflung treiben.
Seit dieser Nacht in Aachen sind nun acht Jahre vergangen. Schnitzler sitzt auf der Terrasse eines Wegberger Cafes und versucht mit Worten ein wenig Ordnung in das Chaos seiner jüngeren Vergangenheit zu bringen. Früher, als er noch Fußballer war, wollte er immer im Mittelpunkt stehen. Vor laufende Kameras treten, in Mikrofone sprechen. Heute nervt ihn diese Aufmerksamkeit. Wenn es ihm zu viel wird, schaltet er sein Handy aus und legt sich schlafen. «Ich schlafe im Moment viel über Tag. Nachts ist es angenehmer, da ruft mich keiner an. Da habe ich meine Ruhe.» Doch tief in seinem Inneren weiß er, dass diese Ruhe nicht echt ist.
Die Staatsanwaltschaft Bochum, die im Fall des Fußball-Wettskandals ermittelt, bereitet gerade eine Klage gegen ihn vor, an deren Ende eine Gefängnisstrafe stehen könnte. Außerdem schuldet er dem holländischen Wettpaten Paul Rooij eine Summe zwischen 100.000 und 400.000 Euro. Schnitzler nippt an seiner Cola und zuckt mit den Schultern. «Ich fürchte, da kommt noch was.»
Die Journalisten Wigbert Löer und Rainer Schäfer haben Schnitzlers ungewöhnliches Leben in «Zockerliga» beschrieben. Es ist ein Buch, das nicht nur den Niedergang eines jungen Mannes beschreibt, der mit den Privilegien und dem Geld seines Berufs überfordert ist. Es zeichnet auch ein weitestgehend unbekanntes Bild der glamourösen Fußballwelt, in der junge Profis vor lauter Langeweile fast zwangsläufig auf dumme Gedanken kommen, die fast immer etwas mit Geld, mit Frauen oder beidem zu tun haben.
Als Schnitzler in der A-Jugend von Mönchengladbach spielt, scheint sein Weg in die 1. Liga vorgezeichnet. Er ist ein bulliger Mittelstürmer, dem der damalige DFB-Trainer Michael Skibbe doppelt so großes Talent wie Mario Gomez attestiert. Wenn es auf dem Platz eng wird, wussten seine Teamkollegen Marcell Jansen, Marco Marin und Eugen Polanski, dass sie die Kugel im Strafraum irgendwie zu «Schnitzel» spielen müssen. Der macht das Ding dann schon rein.
Als er zu Bayer Leverkusen wechselt und Trainer Klaus Augenthaler ihn behutsam für Bayers Zeit nach Dimitar Berbatov aufbauen will, ist Schnitzler eigentlich schon am Ziel. Doch noch größer als sein Talent ist seine Naivität, die ihn stets in den Glauben versetzt, alles werde schon für ihn laufen. Er lässt sich ablenken vom Geld, von schnellen Autos, dem schönen, sorglosen Leben eines Fußballprofis. Und es wird gezockt. Egal, wo er und seine Teamkollegen gehen oder stehen, sie spielen.
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