Zwölfbotentag: Feiertag, den niemand kennt

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Die „Aussendung der Apostel” , ein um 1500 entstandenes Gemälde von Wolfgang Katzheimer, befindet sich im Bamberger Dom.

Eschweiler. Da schütteln selbst Theologen den Kopf: „Zwölfbotentag? Ein kirchlicher Feiertag? Nie gehört!” Kein Wunder. Dieser Festtag wird seit Jahrhunderten nicht mehr begangen. Auch große Lexika kennen ihn nicht.

Sogar in der „Theologischen Realenzyklopädie” muss man lange suchen, bis man ganz versteckt einen Hinweis findet. Und doch war es ein Festtag, der einmal große Bedeutung hatte. Der 15. Juli war der Tag, an dem die Kirche der Aussendung der zwölf Apostel gedachte.

Ein wichtiges Lexikon allerdings hat das Stichwort Zwölfbotentag - das Internet-Lexikon Wikipedia. Dort findet sich die knappe Angabe: „Der Zwölfbotentag ist der 15. Juli. An diesem Tag sollen die Apostel ausgesandt worden sein. Im bäuerlichen Bereich (Landwirtschaft) wurde daraus der Tag, an dem die Schnitter ausgeschickt werden, um die Ernte einzuholen.” Quellen für diese kargen Angaben stehen dort bisher nicht.

Wenn man nach Belegen für diesen Festtag sucht, muss man schon sehr weit zurück gehen in die Geschichte. Bis ins späte Mittelalter. Da findet man diesen Zwölfbotentag oder auch Zwölfaposteltag gelegentlich in alten Akten: „An deme hilghen daghe der twolf apostele 1367” steht zum Beispiel im Urkundenbuch der Stadt Lüneburg.

Andere alte Akten machen deutlich, dass dieser 15. Juli eine Zeit lang zu den wichtigsten Kirchenfesten gehörte. In Wetzlar durfte in der Mitte des 13. Jahrhunderts ein neuer Kaplan die Messe an den Hochfesten, den Marienfesten und an diesem Zwölfaposteltag erst dann feiern, wenn die (wahrscheinlich besonders ertragreichen) Opfergänge in der Pfarrkirche beendet waren - so schützte sich der Pfarrer vor Einkommensverlusten.
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