Zwischen Vulkan und Hamsterrad

Von: jope
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Eifel-Troubadour mit losem Mundwerk und internationalem Repertoire: Günter Hochgürtel reißt seine Fans im Culture-Café immer wieder mit.

Eschweiler. 25 Jahre lang hatte man in Eschweiler auf einen Auftritt des Eifel-Troubadours Günter Hochgürtel warten müssen. Doch nun gab sich der 52-Jährige hauptberufliche Journalist, der während der Redakteursausbildung 1978 auch einige Wochen beim seligen „Bote an der Inde” arbeitete, zum dritten Mal innerhalb dreier Jahre die Ehre in Eschweiler.

Dabei gastierte er zweiten Mal in der dichtgefüllten und noch mit Bildern der Alsdorferin Beatrix Schongen geschmückten „Kunst-Etage” bei Gretel Germann im Culture-Café.

Günter Hochgürtel, auch als Miitglied der Band „Wibbelstetz” eine feste Größe, ist muskalischer Selfmademan - sprich: Texter und sein eigener Begleiter in einem. Seine in Französisch, Englisch, Italienisch, Hochdeutsch und Eifeler Platt vorgetragenen Lieder untermalt er mit Mundharmonika und „Fingerpicker”.

Des Troubadours Heimatsprache, das stellte der bei aller Nachdenklichkeit lebenslustige Vertreter der „Midlife”-Generation klar, ist „Eifel-Platt”. Einige dieser Wörter, ebenso originell und kauzig wie viele der Bewohner von Rheinlands früherem „Sibirien”, bedurften der Erklärung Hochgürtels.

Was ist zum Beispiel ein „Ribbelsche”? So nennt man jenseits von Roetgen ein Moped - für den Eifel-Jugendlichen Günter Hochgürtel oft das einzige Vehikel, der eigenen Dorf-Enge zu entkommen. Ein weiteres mediales Mittel, der kleinen Welt zwischen Simmerath und Hellenthal adieu zu sagen, war für den den Barden und seine Freunde die Musik von Neill Young und Janis Joplin, die Hochgürtel vor seinem weitgehend „mittelalterlichen” Publikum im Culture-Café zu neuem Leben erweckte.

Hier und anderswo berührten des „Wibbelstetzers” Songs oft Menschlich-Allzumenschliches: Der verhaltene Abschiedsschmerz des Vaters über den Auszug der Kinder wurde ebenso sensibel thematisiert wie ein Rückblick auf wechselvolle 20 Ehejahre in der Ballade „Tausende Tage”.

Günter Hochgürtel wusste aber nicht nur nachdenkliche, sondern auch erotische und anklagende Töne anzuschlagen. Erstere sind die Frucht der für Eifel-Jugendliche früher eigentlich verbotenen Bücher von Francois Villon („Ich bin so wild nach Deinem Erdbeermund”), die anderen prangern den gedankenlosen Umgang mit der Natur auf Kosten der nachfolgenden Generation an („Tanz auf dem Vulkan”).

Dem folgte eine beherzte Abrechnung mit dem karriere-und konsumbesessenen „Laufen im Hamsterrad”. Hochgürtels Botschaft und Aufforderung war unzweideutig: „Ich mache das nicht mehr mit”. Neben schon in Eschweiler bekannten Weisen gewährte Günter Hochgürtel auch Einblick in Lieder seines neues CD-Albums. So atmete „Das kann doch jedem mal passieren” unzweifelhaft den Geist der „Höhner”-Texte.

Demnächst gerne wieder

Mit seiner „Reinhard-Mey-Gitarre” holte der Eifelbarde auch einige verehrte Franzosen aus der musikalischen Versenkung: George Moustaki ebenso wie Jacques Brel, Francis Cabrel und Gilbert Becaud. „L´important c´est la rose” brummte und summte es durch die Behaglichkeit ausstrahlende obere Etage des Culture-Cafés. Gretel Germann sprach den mit einigen Zugaben bedachten Zuhörern aus dem Herzen: „Günter, du darfst und sollst bald wiederkommen!”
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