Eschweiler - Zwischen den Gräbern fühlt er sich wohl

Zwischen den Gräbern fühlt er sich wohl

Von: Andreas Gabbert
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Der Friedhof in Weisweiler ist
Der Friedhof in Weisweiler ist „sein Revier”: Sein Vater und sein Großvater waren schon für die Pflege der Ruhestätte verantwortlich. Herbert Kotzeck gibt die Aufgabe jetzt an die WBE ab. Foto: Andreas Gabbert

Eschweiler. Auf dem Friedhof fühlt er sich wohl. Dort hat er in seinem Leben eine Menge Zeit verbracht. Herbert Kotzeck ist gewissermaßen zwischen den Gräbern des Weisweiler Friedhofs aufgewachsen.

Er kennt dort jedes Grab, jeden Stein und jeden Baum. Drei Generationen lang war seine Familie für die Pflege des Friedhofs verantwortlich.

Im Jahr 1929 hatte Kotzecks Großvater Heinrich bei der Stadt Weisweiler als Angestellter begonnen. Später machte sich dessen Sohn Peter selbstständig und übergab das Unternehmen 1977 schließlich an Herbert Kotzeck. Diese Ära geht nun nach mehr als 80 Jahren zu Ende. Anfang der Woche hat Kotzeck die Friedhofspflege an die Wirtschaftsbetriebe Eschweiler übergeben (WBE).

Kaffee für den Großvater

Finanziell habe sich die Sache schon länger nicht mehr gelohnt, sagt der 64-Jährige. Aus Liebe zu „seinem” Friedhof habe er die Arbeit aber weiter fortgeführt und sich langsam mit dem Gedanken angefreundet, die Aufgabe abzugeben. Etwas wehmütig denkt er daran zurück, wie er als kleiner Junge seinem Opa den Frühstückskaffee auf den Friedhof brachte. Schon früh musste er mit anpacken.

Nie wird er vergessen, wie er als Elfjähriger schuften musste, wie die große Schubkarre gegen Abend mit jeder Fuhre immer schwerer und schwerer wurde. Auch die Neugestaltung des Soldatenfriedhofs ist ihm im Gedächtnis geblieben. Seitdem half er aktiv bei der Pflege der Ruhestätte mit. „Die Soldaten waren nur notdürftig bestattet worden und mussten bei der Umbettung anhand der Erkennungsmarken identifiziert werden”, erinnert sich Kotzeck.

Unterstützung erhielt er später von seiner Frau Anita, dem ältesten Sohn und den drei Töchtern. „Während der Saison haben mir die Kinder immer geholfen und mitangepackt.” Sein Sohn ist zwar in seine Fußstapfen getreten und hat eine Ausbildung zum Friedhofsgärtner absolviert, die Aufgabe seines Vaters wird er aber nicht fortführen. „Davon kann man nicht mehr leben”, sagt Kotzeck. Sein Sohn Christoph ist heute bei der Stadt Stolberg beschäftigt.

Im Laufe der Zeit habe sich aber auch die Friedhofskultur verändert, sagt der Gärtner. Er erkennt darin ein Spiegelbild der Gesellschaft. Einst kannte er jeden Besucher, jeder kannte ihn und die meisten haben ihn geduzt. „Früher war der Friedhof auch ein sozialer Treffpunkt”, sagt der Mann mit den schneeweißen Haaren und den dunklen Augen. Die Hinterbliebenen hätten sich an den Gräbern getroffen und sich in ihrer Not oft miteinander angefreundet. Vor einigen Jahren habe man auch öfter Frauen mit ihren Kindern über den Friedhof spazieren gehen sehen. „Heute sieht man keine Kinderwagen mehr.” Es seien mittlerweile nur noch wenige Besucher übrig, die den Friedhof regelmäßig aufsuchen.

Schon vermisst

Eine davon ist Gertrud Bunzeck, die gleich um die Ecke wohnt und dort regelmäßig spazieren geht. Als sie den Friedhofsgärtner erblickt, grüßt sie, und zwischen den Beiden entwickelt sich gleich ein kleiner Plausch inmitten der Gräber. Bunzeck ist gleich aufgefallen, dass seit Anfang der Woche etwas anders ist. „Ich hab dich schon vermisst”, sagt sie.

Beim Gang über den Friedhof fallen Kotzeck zahlreiche Anekdoten und Geschichten ein. Viele Gräber kennt er besser als die Angehörigen. „Wo liegt denn eigentlich mein Onkel”, ist er nicht erst ein Mal gefragt worden. Kotzeck ist kein Freund von allzuviel Kon-trolle. Er lässt auch gerne mal einfach etwas wachsen. „Um eine gewisse Natürlichkeit zu bewahren - ein Friedhof muss nicht streng sein”, sagt er. Leicht wird es ihm wohl nicht fallen, wenn er demnächst beobachten kann, wie die Mitarbeiter der WBE in „seinem Reich” Hand anlegen.

Ganz wird er „seinem” Friedhof wohl nie den Rücken zu kehren. Auch wenn er die Pflege der Wege, der Grünanlagen und vielem anderem mehr nun abgibt, wird er sich weiterhin um einige Gräber kümmern. „Das werde ich machen, so lange ich kann”, sagt der Gärtner und zieht das Friedhofstor hinter sich zu.
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