Eschweiler - „Zwei bessere Herren“: Weiber unter 100 000 Euro? Nein danke!

„Zwei bessere Herren“: Weiber unter 100 000 Euro? Nein danke!

Von: ran
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Die Verwirrung ist perfekt: Detektiv Von Schmettau (Jan Müller), Lia Compass (Lea Terhaag), Möbius (Nico Wäschenbach) und die SEK-Polizistin (Fee Neukamp, v. r.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Eine Heirat ist kein Börsengeschäft!“, ist Frau Compass (Jana Steuer) überzeugt. Doch ihr Mann, der Turbokapitalist Luis Compass (Sandro Ervens), sieht dies völlig anders. Für ihn zählen ausschließlich Zahlen, Fakten, Bilanzen, Aktienpakete.

Und als er gedenkt, seine 19-jährige Tochter Lia (Lea Terhaag) zu verheiraten, steht für den Multimilliardär fest: „Eine Liebesheirat kommt nicht in Frage. Moderne Ehen müssen unter sachlichen Gesichtspunkten geführt werden!“ Denn: „Wir haben keine Zeit mehr, unglücklich zu sein.

Klare Dispositionen, kein Zeitverlust – das ist die neue Welt!“ (Scheinbar) eindeutige Verhältnisse herrschten also am Mittwochabend in der vollbesetzten Aula der Bischöflichen Liebfrauenschule, als die Schüler des Literaturkurses II unter der Leitung von Heinz-Theo Frings mit „Zwei bessere Herren“ die selbstentwickelte moderne Variante des Werks „Ein besserer Herr“ des in Aachen geborenen Schriftstellers Walter Hasenclever voller Spielfreude auf die Bühne brachten.

Heiratsschwindler

Dass die Verhältnisse nur scheinbar eindeutig waren, lag nicht zuletzt an den „besseren Herren“ Chris (Chris Besgens) und Nico Möbius (Nico Wäschenbach). Die Brüder stillen nämlich das Liebesbedürfnis von einsamen Frauen mittleren Alters auf ihre ganz eigene Art und Weise. Man könnte sie schlicht und einfach Heiratsschwindler und Hochstapler nennen.

Oder (aus der Sicht der Brüder) die Sachlage anders bewerten. „Was macht ein armer einsamer Teufel in diesem trostlosen Jahrhundert?“, sehen die Beiden sich eher als Wohltäter. Von „wahrer“ Liebe also weit und breit keine Spur! Und Lia Compass? Der Teenager ist einer Heirat grundsätzlich nicht abgeneigt, findet Männer aber furchtbar langweilig und wandelt (zunächst) auf den Spuren des Herrn Papa. „Angebot und Nachfrage, danach richtet sich alles in der Welt“, hat sie brav gelernt.

Also entscheidet sie sich für den sachlichsten Weg, die „Firma Ehe“ zu gründen, und gibt eine Heiratsanzeige auf. Ein gefundenes Fressen für Chris und Nico Möbius sowie deren Bürovorsteher Rasper (Daniel Zander). Das Trio hat sich nämlich gerade entschlossen, einen geschäftlichen Schnitt zu machen: „Weiber unter 100 000 Euro interessieren uns nicht mehr!“, lautet die (einmal mehr) deutliche Ansage. Doch beim ersten Treffen kommt es zur Katastrophe: Lia und Möbius verlieben sich ineinander.

Panik bricht aus! Nicht zuletzt bei Mutter Compass, die Detektiv Von Schmettau (Jan Müller) anheuert und die Welt nicht mehr versteht, als ihr Sohnemann Harry Compass (Lukas Metzinger) auch noch eröffnet, sich in Hausmädchen Aline (Nadja Godzinski) verliebt zu haben. Nun kann nur noch Luis Compass die Situation retten.

Er unterbricht die Verhandlungen mit Premier Putin und eilt nach Hause, um dem Liebsten seiner Tochter unter vier Augen auf den Zahn zu fühlen. Und festzustellen, dass das „Unternehmen Möbius“ durchaus gewinnbringend gearbeitet hat. „Dieser Mann ist eine Persönlichkeit. Er hat mich hereingelegt“, muss er anerkennen. Einer Zusammenarbeit auf den unterschiedlichsten Ebenen steht also nichts mehr im Wege. „Es lebe das Geschäft!“, prostet man sich zu, bevor der Vorhang fällt.

Den Schülern des Kurses sei bei der Entwicklung des Stücks schnell klar geworden, dass der Inhalt des im Original 1926 erschienenen Werkes den Bedingungen der Moderne angepasst werden müsse. „Heutzutage schreibt keiner mehr auf einer Schreibmaschine. In einem modernen Büro sind Aktenordner überflüssig geworden“, heißt es im Programmheft.

Doch mit jedem Megabyte an Cyberqualität wachse die menschliche Einsamkeit, deren Zeitlosigkeit das Leitthema des Stückes darstelle. Und da heutzutage im „Team“ gearbeitet werde, seien es in der Fassung des Literaturkurses II der Bischöflichen Liebfrauenschule eben „Zwei bessere Herren“, die mit der Einsamkeit anderer Menschen ihr Geld zu verdienen wissen.

Lautstarker und langanhaltender Applaus belohnte die Darsteller zu Recht für eine Aufführung, deren Schwung und Leichtigkeit die Zuschauer mitriss, ohne dass der ernsthafte Kern des Werks in den Hintergrund geriet. Sichtlich zufrieden erklomm Kursleiter Heinz-Theo Frings, der mit „Zwei bessere Herren“ seine 20. Inszenierung an der Bischöflichen Liebfrauenschule initiierte, die Bühne, um Applaus entgegenzunehmen und „seinen“ Jungschauspielern Applaus zu spenden.

Wer erfahren möchte, was es neben der „Geschäftemacherei“ noch mit einer SEK-Polizistin, einem Taucher, einem rasenden Pizzaboten, der (tatsächlichen) Jahrgangsstufenleiterin sowie zahlreichen Damen und einem Herrn auf sich hat, sollte heute Abend, 19.30 Uhr, den Weg in die Aula der Liebfrauenschule finden. Dann setzen „Zwei bessere Herren“ ihr wohltätiges Werk fort.

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