Zum Luther-Jahr: Tilman Röhrig liest aus seinem jüngsten Werk

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
13862035.jpg
Entführte seine Zuhörer in der Mensa der Realschule Patternhof in die Zeiten der Reformation: der Autor Tilman Röhrig. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Wiederholt sich Geschichte? So unruhig die Gegenwart auch sein mag, vor 500 Jahren geriet die „Weltordnung“ wohl noch extremer, weitreichender und nachhaltiger durcheinander. Der „Hauptschuldige“ und Auslöser dieser Entwicklung?

Ein gewisser Martin Luther, der als Mönch und Theologieprofessor den Sittenverfall in der damals unantastbar scheinenden römisch-katholischen Kirche anprangerte und bekämpfte. Am 31. Oktober 1517 soll er laut Aussage seines Mitstreiters Philipp Melanchthon seine berühmten 95 Thesen an das Hauptportal der Schlosskirche zu Wittenberg geschlagen haben.

Ein halbes Jahrtausend später gedenken Menschen in aller Welt der Ereignisse des frühen 16. Jahrhunderts, die zur (von Luther nicht angestrebten) Kirchenspaltung und im Zuge der Reformation zur Entstehung der evangelisch-lutherischen Kirche und weiterer Konfessionen des Protestantismus führte. Natürlich begleiten auch zahlreiche literarische Neuerscheinungen das Luther-Jahr.

Ein außergewöhnliches Werk durften am Freitagabend die Gäste einer Lesung kennenlernen, die in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Oelrich & Drescher von der Realschule Patternhof um Schulleiterin Michaela Silbernagel präsentiert wurde. Der vielfach ausgezeichnete Autor Tilman Röhrig trug aus seinem Roman „Die Flügel der Freiheit“ vor, in dem sich der Schriftsteller dem Reformator an die Fersen heftet, um den Menschen Martin Luther seinen Lesern näherzubringen.

„Rund zweieinhalb Jahre habe ich an diesem Buch gearbeitet. Ein Jahr benötigte ich für die Recherche. Wobei im Gegensatz zu zahlreichen anderen meiner Romane die Quellensuche diesmal kein Problem darstellte“, berichtete er. Zum Thema gebe es viele wissenschaftliche Arbeiten. „Schwierig dagegen war, die Spreu vom Weizen zu trennen, also das Wichtige vom Unwichtigen“, sagte er. Er reiste zudem nach Thüringen und Sachsen, nach Wittenberg, Allstedt, auf die Wartburg, wohin er seine Zuhörer mitnahm.

Dort sitzt Martin Luther im nasskalten Winter des Jahes 1522, von Magen- und Darmkrämpfen gepeinigt, an der Korrektur seiner Bibel-Übersetzung ins Deutsche. „Satan setzt seine heimtückischen Waffen ein“, ist der Theologieprofessor überzeugt. Zwei Monate ist sein „Ausflug“ her, bei dem sich der in Schutzhaft befindliche Mönch als „Junker Jörg“ verkleidet in Wittenberg umgesehen hat. „In dieser Einsamkeit falle ich von einer Not in die andere“, ist er angesichts seines langwierigen Aufenthalts auf der Wartburg verweifelt.

Doch der Satan wetzt seine Waffen auf vielfältige Weise. Denn Sendbote Barthel überbringt einen Brief, in dem der Wittenberger Stadtrat einen verzweifelten Hilferuf an Dr. Martinus Luther sendet. Dessen einstige Mitstreiter haben sich nämlich radikalisiert, schießen inzwischen weit über das Ziel hinaus und stürzen Wittenberg ins Chaos. Dorthin kehrt der nun ehemalige Junker Jörg am Tag nach Aschermittwoch zurück, um die religiösen Eiferer zu verjagen.

Gesagt, getan. Nach acht Predigten gilt in Wittenberg wieder nur das Wort von Martin Luther. Oder etwa doch nicht? Die von Martin Luther despektierlich als „Zwickauer Propheten“ bezeichnete Gruppe um Markus Thomas Bad­stübner treibt weiterhin ihr Unwesen. Dieser ist ein Freund von Thomas Müntzer, eines ehemaligen Studenten Luthers, der sich für „auserwählt“ hält und vom Mitstreiter Luthers zu dessen unerbittlichem Gegner geworden ist.

„Von Monat zu Monat verschärft sich der Ton zwischen Luther und Müntzer. Sie betiteln sich gegenseitig als falsche Propheten und beschimpfen sich auf unflätigste Art und Weise. Am Horizont droht bereits das Inferno des Bauernkriegs. Gibt es Hoffnung und Rettung? Der Roman wird es zeigen“, schloss Tilman Röhrig den Buchdeckel.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert