Zum Jubiläum eine Ausstellung über den „Heidelberger Katechismus“

Von: Andreas Röchter
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450 Jahre „Heidelberger Katechismus“: Pfarrer Wolfgang Theiler (rechts) und Presbyter Jürgen Peiter zeigen die Ausstellung im Gemeindehaus. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Ein Katechismus legt die Grundsätze eines christlichen Glaubensbekenntnisses fest. In Folge der Reformation entstanden gerade im 16. Jahrhundert zahlreiche dieser Schriften. Im Jahr 1563, also vor 450 Jahren, wurde der größtenteils von Zacharias Ursinus verfasste „Heidelberger Katechismus“ veröffentlicht.

Das Werk, das in 129 Fragen und Antworten das Apostolische Glaubensbekenntnis, das Vaterunser und die zehn Gebote erklärt, war ursprünglich als Katechismus der reformierten Landeskirche der Kurpfalz gedacht, erfreute sich aber im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte über eine weltweite Verbreitung und gilt bis heute als die gültige Bekenntnisschrift für die evangelischen Gemeinden, die in der Tradition des Reformators Johannes Calvin stehen.

Ein vom Reformierten Bund in Deutschland initiiertes Ausstellungsprojekt würdigt im Jubiläumsjahr die Bedeutung dieser Schrift. Bis Freitag, 29. November, ist sie im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß in Weisweiler, Burgweg 7, zu sehen.

Besonderes Jubiläum

Pfarrer Wolfgang Theiler führte nun mit einem Referat zum Inhalt des „Heidelberger Katechismus“ in die Ausstellung ein. „450 Jahre – ein besonderes Jubiläum“, stellte Wolfgang Theiler zu Beginn fest. Allerdings seien Katechismen heutzutage beinahe in Vergessenheit geraten. „In früheren Zeiten lernten die Konfirmanden die Grundsätze des Glaubens auswendig.

Ein Katechismus war ein Lehrbuch, der die Menschen im Glauben schulen sollte“, so der Pfarrer. In der evangelischen Tradition gebe es mit den Lutheranern sowie den Reformierten zwei große Richtungen. Dabei konzentriere sich der Weg der Reformierten ganz auf das Wort der Bibel und die Gemeinschaft der Gläubigen. „So steht auch heute noch häufig nicht ein Pfarrer, sondern ein Laie an der Spitze des Presbyteriums einer reformierten Gemeinde“, machte Wolfgang Theiler deutlich.

Zacharias Ursinus habe die Bibel als die einzige Grundlage für seine 129 Fragen und Antworten gesehen. „Daraus ergibt sich die Gelegenheit, sich intellektuell mit den Worten des Katechismus auseinanderzusetzen, denn jeder liest die Bibel anders.“ Mit der ersten Frage, die lautet „Was ist dein einziger Trost im Leben und im Sterben?“, werde die Tatsache, dass das Leben endlich sei, in das Zentrum des Glaubens gerückt. Glaube bedeute dabei stets, in Dankbarkeit zu leben.

„Wobei gutes Handeln der Ausdruck der Dankbarkeit ist. Ein Satz, der nirgendwo so deutlich ausgedrückt wird, wie im Heidelberger Katechismus“, unterstrich Wolfgang Theiler. Weiterhin werde in dieser Schrift „natürlich“ Jesus Christus in den Mittelpunkt gerückt, der die Menschen von der Sünde heile. Dabei nehme Jesus erstens den Dienst eines Propheten und Lehrers wahr, der Gottes Wort verkündet, versehe zweitens den Dienst eines Priesters, der für die Menschen eintritt, und fungiere drittens als König, der die Menschen erlöst.

Darüber hinaus stelle der „Heidelberger Katechismus“ die Frage nach dem Menschen. „Ist dieser sündig und böse oder ist ihm etwas Gutes zuzutrauen?“, fragte Wolfgang Theiler stellvertretend. Als Sünde sei dabei das zu verstehen, was den Menschen von Gott entferne. „Der Katechismus fordert auf, darüber nachzudenken, wozu der Mensch im Guten fähig ist beziehungsweise wäre und was er stattdessen wirklich tut.“

Auch die Sicht auf die Kirche stehe vollkommen in reformatorischer Tradition: „Der Blick ist auf eine offene Gemeinde gerichtet. Es gibt die Möglichkeit, dass die Kirche fehlgeht und selbst der Gedanke, dass Gott womöglich auch Menschen erwählt hat, die außerhalb der Kirche stehen, wird nicht ausgeschlossen“, interpretierte Wolfgang Theiler.

Das letzte Kapitel der Ausstellung beschäftigt sich schließlich mit der Frage, ob der „Heidelberger Katechismus“ eine Herausforderung darstelle. „In ihm sind Gedanken niedergeschrieben worden, die über Sprengkraft verfügen und einerseits Zustimmung, andererseits aber auch heftigen Widerspruch heraufbeschworen haben“, zog Pfarrer Wolfgang Theiler Bilanz.

Die interessante Ausstellung ist noch bis zum kommenden Freitag, 29. November, jeweils von 10 bis 17 Uhr im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde Weisweiler-Dürwiß, Burgweg 7, zu besichtigen.

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