Zukunft der Nothberger Burg ist erneut ungewiss

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Bei einem mittelalterlichen Fest an der Ruine der Nothberger Burg informierten sich am Samstag viele Besucher über den Stand der Sanierung und die weiteren Pläne des Fördervereins. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Mit einem Fest stellte der Förderverein Nothberger Burg am Samstag der Bevölkerung vor, was junge engagierte Menschen, die sich auf der „Baustelle Burg“ beruflich qualifizieren, dort bereits geleistet haben.

Viele Besucher nahmen an Burgführungen teil und ließen es sich bei Bier und Bratwurst oder auch Kaffee und Kuchen gut gehen. Dennoch lag ein Schatten über dem Fest. Denn am Vorabend war es in einer Mitgliederversammlung des Fördervereins zu einem Eklat gekommen. Die geplante Verlängerung des Nutzungsvertrages zwischen Burg-Eigentümer und Verein platzte. Die Vorstandsmitglieder wollen ihre Ämter vorerst ruhen lassen, teilte Vorsitzender Hans Illner mit: „Wir lassen uns nicht erpressen“.

Der bestehende Vertrag ist zwar noch neun Jahre gültig, er sollte aber jetzt auf 25 Jahre verlängert werden. Strittig ist dabei die Zuwegung zur Burgruine. Sie führt nicht mehr durch die Vorburg, die als Bauernhof genutzt wird, sondern über einen Feldweg auf der Nordseite, von der Inde her. Das Wegerecht für diesen Zugang wurde bislang unentgeltlich gewährt. Nun hätte Landwirt und Burg-Eigentümer Karl-Heinz Kever gerne eine Entschädigung.

Die 25 Jahre Planungssicherheit braucht der Förderverein als Voraus-Bedingung, um an Fördergelder zu gelangen. Der Verein steht in Kontakt zur NRW-Stiftung Naturschutz-, Heimat- und Kulturpflege, dessen Präsident Harry Voigtsberger im März die Burg besichtigt hatte. Langfristig möchte der Verein mit der Hilfe der NRW-Stiftung das Nothberger Wahrzeichen nicht nur als Ruine sichern, sondern auch für die Bevölkerung zugänglich machen. Da gibt es viele Ideen: Feste auf dem nördlichen Vorplatz, Einrichtung eines Cafés in der Burgküche, die Nutzung des Südwest-Turmes als Aussichtsturm, auf lange Sicht sogar das Einziehen einer Decke im Rittersaal, der dann für Konzerte in kleinem Rahmen genutzt werden könnte.

All das sieht der Vorstand nun gefährdet. Eigentümer Karl-Heinz Kever, als Beisitzer selber Vorstandsmitglied, sieht die Lage hingegen weniger dramatisch. „Ja, es gibt noch Meinungsverschiedenheiten, aber sie sind aus meiner Sicht unbegründet.“ Zwar sei die Lage derzeit „etwas verhärtet“. „Für mich hat die Landwirtschaft nun mal Priorität, und ich muss sicher sein, dass ich mit dem Vertrag die nächsten 25 Jahre leben kann“, warb er für seine Sicht der Dinge. „Aber wenn dann fünf Mann gegen mich stimmen...“ Er sei aber „guter Dinge, dass wir das gemeinsam schaffen und die Kuh vom Eis holen.“

Deutlich positiver als der Blick in die ungewisse Zukunft war der Blick auf das bisher erreichte. Seit September des vorigen Jahres ist die Nothberger Burg ein „Historischer Beschäftigungs- und Lernort“. Das heißt: Rund um das Thema Mittelalterliche Burg werden bis zu 35 junge Menschen, die nach ihrer Schullaufbahn keine Arbeit gefunden haben, beschäftigt und qualifiziert. Dazu haben sich mehrere Anbieter von solchen Fördermaßnahmen zusammen geschlossen zu einer Bietergemeinschaft: Die Firma „low-tec“ mit dem Gewerk Bau, deren Teilnehmer sich um Sanierung des Bruchstein-Mauerwerks, Gestaltung der Außenanlagen und Zimmerarbeiten kümmerten, das Aachener Kolping-Bildungszentrum mit dem Gewerk Metall – unter anderen fertigten die Jugendlichen die Edelstahl-Geländer für die Treppe an neuen nördlichen Burgaufgang – und das Gewerk HoGa von „TÜV Nord Bildung“, bei dem es um Essen im Mittelalter, aber auch um die Beköstigung und Bedienung der vielen Besucher des Burgfestes am Samstag ging. Unterrichtet werden alle Teilnehmer im TÜV-Nord-Kolleg in Alsdorf. Mit im Boot sind auch die Agentur für Arbeit und das Arbeitsministerium des Landes.

Die jungen Burg-Renovierer stellten bei dem Fest ihre Arbeit vor. Die sichtbarste Neuerung konnten die Besucher bereits beim Betreten der Burganlage bewundern: den neuen Eingang mit einer Treppenanlage an der Nordseite. In einem kleinen Vorwerk, an dem früher nur eine marode hölzerne Stiege stand, führt nun eine Treppe mit Feldstein-Pflaster hinauf zum Burghof. Ein Geländer aus Edelstahl bietet den Besuchern Halt. An vielen weiteren Stellen war die Arbeit der Jugendlichen sichtbar. So waren von ihnen zum Beispiel die Bänke gezimmert, auf denen die Gäste saßen. Auch ein Backofen nach historischem Vorbild entsteht gerade auf dem Gelände. In den kommenden Wochen wird man sich mit der Sicherung der Mauerkrone auf der Nordseite befassen. Das Gerüst steht bereits.

Zur Unterhaltung der Gäste auf dem Burgfest in Nothberg boten der Förderverein und die low-tec gGmbh mit ihren Kooperationspartnern auch Eindrücke aus dem mittelalterlichen Leben. So zeigten Petra Röllicke und Brigitte Schroeder unter dem Motto „Vom Schafsvlies bis zum Kleidungsstück“ den Umgang mit Spinnrad und Spindel. Herbert Burgold leitete Besucher beim Bogenschießen an, und der Aachener Student Niklas Hoppe hatte gleich seine komplett selbst gefertigte Ritterrüstung mitgebracht, die besonders von jungen Gästen des Festes bestaunt wurde.

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