Ziehen bald wieder Wölfe durch den Eschweiler Stadtwald?

Von: Andreas Röchter
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Gut gelaunt vor dem Ausflug in die Natur: Förster Marco Lacks, seine treue und lebhafte Begleiterin Aika sowie die wissbegierigen Leser unserer Zeitung. Foto: Andreas Röchter
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Der Eschweiler Wald ist ein Wirtschaftswald. Und die Nachfrage, Brennholz eigenhändig „zu machen“, steigt bei den Kaminbesitzern beständig. Foto: andreas Röchter
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Sehnsuchtsort für zahlreiche Naturfreunde: Der Eschweiler Stadtwald ist vor allem abseits der üblichen Fußwege sehr idyllisch. Foto: andreas Röchter
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Wissbegierig: Auch die jüngsten Teilnehmer am Waldspaziergang gingen mit Förster Marco Lacks auf die Suche nach unter anderem Bucheckern. Foto: Andreas Röchter
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Die (schmackhafte) Pilzsaison hat begonnen. Doch Vorsicht ist geboten, wie auch Marco Lacks den Teilnehmern am Waldspaziergang eindringlich mit auf den Weg gab. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. In Mythen wird der „deutschen Seele“ immer wieder ein besonderes Verhältnis zu „ihrem“ Wald nachgesagt. Und tatsächlich gilt auch der Eschweiler Stadtwald für zahlreiche Naturfreunde als Sehnsuchtsort. Was kann es auch schöneres geben, als der von Hektik und Schnelllebigkeit geprägten Gegenwart für einige Stunden zu entfliehen, um Natur im wahrsten Sinne des Wortes hautnah zu erleben.

Übernimmt dann auch noch jemand bereitwillig die Aufgabe, in die Geheimnisse rund um den Wald einzuweihen, steht einem erinnerungswürdigen Nachmittag nichts mehr im Wege. 20 Leser unserer Zeitung kamen am Freitag im Rahmen von „ 7 x Sommer“ in diesen Genuss, als sie sich gemeinsam mit Förster Marco Lacks und dessen treuer und lebhafter vierbeiniger Begleiterin Aika auf einen Waldspaziergang machten und sich dabei von einer gewissen „Feuchtigkeit von oben“ in keiner Weise beeindrucken ließen.

Bereits am Treffpunkt Forsthaus, von wo aus sich die Gruppe in Richtung Kopfweiher aufmachte, „fütterte“ Marco Lacks seine Zuhörer mit Wissenswertem. „Der rund 420 Hektar große Eschweiler Stadtwald besteht zu 75 Prozent aus Laubholz. Genau richtig für einen stadtnahen Erholungswald“, erklärte der Förster, der sein Amt ebenso im Stadtwald Würselen ausübt.

Seine Mannschaft besteht aus einem Forstwirtschaftsmeister, drei Forstwirten sowie einem Umschüler, dem ab dem 1. September ein weiterer Umschüler folgt. „Dies bedeutet, dass wir personell gut aufgestellt sind und ein großes Team für eine relativ kleine Waldfläche bilden. Wir sind in der Lage, viele Aufgaben selbst in die Hand zu nehmen und müssen nur selten auf Fremdfirmen zurückgreifen“, so der gebürtige Niedersachse, der seit drei Jahren in der Indestadt tätig ist.

Voraussetzung, den Beruf des Försters ausüben zu können, sei als Schulabschluss das Abitur oder die Fachhochschulreife. Dem Studium (unterschiedliche Studiengänge können zum Beruf des Försters führen) folge ein dreijähriger Anwärterdienst. „Eine Umschulung nimmt zwei Jahre in Anspruch. Für diese knapp bemessene Zeit sind die Anforderungen dann aber auch hoch“, bewertet der 34-Jährige, der aber unterstreicht, dass sein Berufsstand nicht unter Nachwuchssorgen leide. Dies tut jedoch in mancher Hinsicht der Eschweiler Stadtwald und dessen Baumbestand.

Einer der Schuldigen ist ein ursprünglich aus dem asiatischen Raum eingewanderter Pilz, der den vermeintlich harmlosen Namen „Falsches Weißes Stengelbecherchen“ trägt und das Laub der Esche zersetzt. Beispiele für das „Eschetriebsterben“, das auch für den Laien leider gut zu erkennen ist, demonstrierte Marco Lacks schon nach wenigen Metern. „Der angegriffene Baum wehrt sich. Doch vor allem bei bereits anderweitig anfälligen Bäumen schreitet der Sterbeprozess schneller voran als die Aktivierung der Gegenwehr.“

Ein Problem für das gesamte Ökosystem Wald, denn die Esche sei eine Laubbaumart, die zur Verbesserung des Bodens beitrage. Doch bei weitem nicht nur Schlauchpilze, der Borkenkäfer, die Kastanienminiermotte oder etwa Wildschweine, die laut Marco Lacks sogar eine ganze Reihe von positiven Aspekten für den Wald, etwa die Vertilgung von Schädlingen, mit sich brächten, stellen eine Bedrohung dar.

Nicht vergessen werden dürfe in dieser Hinsicht der Mensch! „Die von Menschen verursachte Vermüllung des Waldes artet aus. Wir finden Asbestplatten, Couchgarnituren und komplette Kücheneinrichtungen. Dabei sind doch ausreichend Gelegenheiten vorhanden, Müll anderweitig und korrekt zu entsorgen“, musste Marco Lacks unglaublich anmutende Tatsachen verkünden.

Auf der anderen Seite stehe bei vielen Menschen das Naturerlebnis hoch im Kurs. Dazu zähle auch die steigende Nachfrage, sein Brennholz selbst „zu machen“. Dabei spielten die Faktoren frische Luft sowie die durchaus schweißtreibende Arbeit mit Säge und Axt sicherlich eine große Rolle. „Der Eschweiler Stadtwald ist ein Erholungs- und Wirtschaftswald“, stellte der Förster klar.

Doch in Sachen Wirtschaften seien „die Zeiten des Kahlschlags“ längst vorüber. Vielmehr stehe im Vordergrund, gute und gesunde Bäume gezielt zu fördern, damit sich der Wald verjüngen könne. Und dabei könnten eigentlich unschöne Naturereignisse wie die Orkane Kyrill und Xynthia, die in den Jahren 2007 und 2010 wüteten, durchaus behilflich sein. Die Schneisen, die diese Stürme in den Wald schlugen, sind auch heute noch zu erkennen.

Gedanke der Nachhaltigkeit

Doch die Natur holt sich ihr Terrain zurück. „In diesen Bereichen findet eine artenreiche Naturverjüngung statt, die zu einem gesunden und stabilen Waldgefüge beiträgt“, erklärte Marco Lacks, der nicht verhehlte, dass die Verantwortlichen der Forstwirtschaft und die Vertreter von Naturschutzverbänden nicht immer einer Meinung seien.

„Die Naturschutzorganisationen haben in Deutschland zu Recht eine gute Lobby. Doch auch wir Förster wissen, was wir tun und treten im Wald als Naturschützer auf.“ Natur müsse für den Menschen erlebbar sein und bleiben. „Es hat meines Erachtens wenig Sinn, alles vor der Haustür zu schützen, wenn dies gleichzeitig bedeutet, dass es nicht mehr betreten werden darf.“ Letztlich habe bei allen Handlungen der Gedanke an die Nachhaltigkeit eine entscheidende Rolle zu spielen.

Im Verlauf des rund zweistündigen Spaziergangs beantwortete der Förster zahlreiche weitere Fragen der wissbegierigen Leser. Kurz vor der Ankunft am Forsthaus fiel schließlich das Stichwort „Wolf“. In dieser Hinsicht gelte Nordrhein-Westfalen als „Wolfserwartungsland“, machte Marco Lacks deutlich. Es sei also durchaus davon auszugehen, dass Wölfe in absehbarer Zukunft nach NRW einwanderten.

Doch nicht vergessen werden dürfe, dass NRW das bevölkerungsreichste Bundesland sei. „Um heimisch zu werden, benötigen Wölfe große Areale, um sich vor dem Menschen, ihrem größten Feind, zurückziehen zu können. Der Eschweiler Stadtwald ist viel zu klein und wird von viel zu vielen Erholungssuchenden genutzt. Somit werden sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemals Wölfe hier ansiedeln. Ein Durchzug einzelner Exemplare ist jedoch nicht auszuschließen.“

Gleiches gelte übrigens auch für den Luchs, versicherte Marco Lacks, dem die Leser zu guter Letzt mit Applaus für seine interessanten und lebensnahen Ausführungen dankten.

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