Zahnärzte beruhigen: Wer einen Termin braucht, bekommt einen

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
zahnärzte_bu
Es wird behandelt: In Eschweiler vergeben die Zahnärzte - im Gegensatz zu anderen Regionen in Deutschland - weiterhin Termine. Foto: dapd

Eschweiler. Der Hintergrund ist ernst. Dennoch klingt es wie eine schöne Ausrede für Menschen, die die Angst vor dem Zahnarzt plagt: Millionen Menschen werden derzeit deutschlandweit in den Praxen der Dentisten abgewiesen, wenn sie noch einen Termin in diesem Jahr haben möchten. Nur Notfälle werden noch behandelt.

Der Grund sind laut der kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) ausgeschöpfte Honorarbudgets bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), den Innungskassen und der Knappschaft. Um 150 Millionen Euro seien die Budgets überschritten.

Allein: Die Ausrede gilt in der Indestadt nicht. Denn in Eschweiler stellt sich die Situation - wie in ganz Nordrhein - ein wenig anders dar. Wer hier noch einen Termin haben möchte, der kriegt auch einen, sagt zum Beispiel Dr. Werner Brocker.

Das Problem mit den erschöpften Honorarbudgets, das vor allen den süddeutschen Raum betrifft, sieht in unserer Region nämlich anders aus, „denn unser Budget wird anders eingeteilt als in Süddeutschland”, erklärt Dr. Axel Heinen aus Aachen, der über viele Jahre Sprecher der Zahnärzte in der Region war.

Für jede Krankenkasse in jedem Bundesland wird eine jährliche Gesamtvergütung für die vertragszahnärztlichen Leistungen festgelegt. Wird diese Obergrenze überschritten, werden die vom Zahnarzt erbrachten Leistungen nicht bezahlt. Und weil die Verträge immer unterschiedlich aussehen, sind die Folgen in den Bundesländern auch unterschiedlich. „Bei uns ist eigentlich das ganze Jahr das Honorar knapp”, sagt der Eschweiler Zahnarzt Detlef Grossmann.

Eingeführt wurde die Budgetierung 1993 von dem damaligen Gesundheitsminister Horst Seehofer. Ursprünglich sollte sie für drei Jahre als befristete Ausgabenbremse dienen, 2000 wurde sie dann aber unter der rot-grünen Regierung zu einer dauerhaften Obergrenze. „Und das System ist seitdem nicht angepasst worden”, erklärt Dr. Uwe Neddermeyer von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) Nordrhein.

Bonusheft

Geändert hat sich im Laufe der Jahre allerdings die Patientenstruktur, die bei der AOK versichert sei, sagt Detlef Grossmann. Seien dies Anfang der 1990er Jahre eher ältere Patienten gewesen, seien es, seitdem die Krankenkassen von den Versicherten frei gewählt werden können, vielmehr jüngere Menschen.

Und diese verursachten durchschnittlich höhere Kosten als ältere Patienten. Während nämlich ältere Patienten häufiger Totalprothesen trügen, müssten bei jüngeren oft kostenintensivere Behandlungen durchgeführt werden, erklärt Uwe Neddermeyer. Er betont, dass das ohnehin komplizierte Abrechnungssystem dringend einer Anpassung bedürfe. Besser sei noch, die Budgetierung würde gestrichen.

Wenn es in den kommenden Wochen in Eschweiler Zahnarztpraxen doch noch zu Terminproblemen kommt, habe dies allerdings weniger mit dem Budget zu tun, sagt Werner Brocker. Es bestünden vielmehr zeitliche Schwierigkeiten. Kurz vor Jahresende, wollten viele Patienten zum Zahnarzt, um sich noch den Stempel für das Bonusheft zu sichern. Benötigt wird dieser Stempel als Beleg für eine regelmäßige zahnärztliche Betreuung. „Da kann es schon mal eng werden”, so Brocker.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert