Eschweiler - Zahlungsunfähig: ESW Röhrenwerke kämpfen um Ausweg aus der Krise

Zahlungsunfähig: ESW Röhrenwerke kämpfen um Ausweg aus der Krise

Von: rpm
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Eschweiler. Was Autofahrer freut, nimmt Firmen die Luft zum Atmen: Der stark gesunkene Ölpreis ist der Grund, weshalb Ölfirmen derzeit auf Investitionen verzichten. Um bis zu 50 Prozent sind die Märkte eingebrochen. Und das hat Folgen – auch in Eschweiler.

Wer jetzt nicht über satte Rücklagen verfügt, der gerät schnell an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Weil langfristig georderten Materialbestellung ausbleibende Aufträge gegenüberstehen. Während osteuropäische den Markt mit Biligangeboten fluten. Die ESW Röhrenwerke GmbH hat am Donnerstag beim Amtsgericht Aachen ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung beantragt. Der Geschäftsbetrieb wird unverändert und uneingeschränkt fortgeführt. Die Eigenverwaltung ist ein Instrument der Insolvenzordnung, bei dem die Geschäftsführung das Unternehmen unter Aufsicht des Sachwalters weiterführen und neu aufstellen kann.

Die 298 Arbeitnehmer des Unternehmens, das sich auf die Herstellung von nahtlos warmgewalzten Stahlrohren spezialisiert hat, wurden noch am Donnerstag über das Verfahren informiert. Ihre Löhne und Gehälter sind bis Ende Januar über das Insolvenzgeld abgesichert. Bis dahin soll die Sanierungsidee konkretisiert werden.

„Die ESW Röhrenwerke GmbH verfügt derzeit nicht über ausreichende Liquidität, um alle fälligen Verpflichtungen zu erfüllen“, erklärt Geschäftsführer Herbert Lenzen. „Unser vorrangiges Ziel ist es, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren und gleichzeitig geeignete Sanierungsmaßnahmen zu identifizieren, um das Unternehmen ertragsfähig zu machen.“

Die Gesellschaft vertraut zusätzlich auf den Sachverstand der Düsseldorfer Kanzlei Leonhardt Rattunde. Der federführende Partner Martin Lambrecht sieht Chancen auf einen Erhalt des Unternehmens: „ESW ist am Markt eine etablierte Marke.“ Die Kunden vertrauen auf die Qualität der Produkte. Wir müssen jetzt die Vorteile des Eigenverwaltungsverfahren nutzen.“ Die Zahlung des Insolvenzgeldes durch die Agentur für Arbeit befreie die Firma für drei Monate von der Zahlung von Löhnen und Gehältern und schaffe die nötige Luft, alle Möglichkeiten zur Sanierung des Unternehmens zu prüfen.

„Wir sind bemüht, alle Arbeitsplätze zu erhalten. Definitive Aussagen aber sind vor einer gründlichen Prüfung noch nicht möglich. Von Entscheidungen sind wir noch weit entfernt.“ Insofern habe das Unternehmen auch bisher keine Veranlassung gesehen, mit dem Betriebsrat und der IG Metall über Arbeitsplätze zu verhandeln.

Das Amtsgericht Aachen bestellte Dr. Frank Kebekus, Aachen, zum vorläufigen Sachwalter, der das Sanierungsverfahren für die Gläubiger überwacht und begleitet. Der Sachwalter und die Geschäftsführung haben sich in einem ersten Gespräch bereits über notwendige Schritte abgestimmt.

Was die Belegschaft der ESW Röhrenwerke betrifft, so sei die Stimmung verständlicherweise „nicht so, dass die Leute in die Hände klatschen“. Dennoch seien die Arbeitnehmer „hoch motiviert“. „Die gute Belegschaft, die wir hier haben, ist mit ein Grund dafür, dass wir positiv nach vorne schauen.“

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