Zahl der Spenden sinkt: Blut wird an der Inde knapp

Von: Patrick Nowicki
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Die Zahl der Blutspenden sinkt Jahr für Jahr. DRK will weiter kräftig die Werbetrommel rühren. Quelle: Deutsches Rotes Kreuz

Eschweiler. Es klingt paradox: Der medizinische Fortschritt führt dazu, dass die Zahl der benötigten Blutkonserven wächst. Um den Bedarf zu decken, müssten über sechs Prozent der Menschen jedes Jahr einmal Blut spenden. In Eschweiler wären demnach 3420 Spenden jährlich erforderlich. Tatsächlich sind es deutlich weniger. Und die Tendenz verheißt keine Besserung.

Jahr für Jahr werden weniger Indestädter zur Ader gelassen. Die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes, das in Eschweiler Blutspendetermine anbietet, kämpfen gegen Windmühlen, denn man hinkt dem landesweiten Schnitt deutlich hinterher. Der Blutspendedienst West, der die Entnahme in Eschweiler vornimmt, geht in Nordrhein-Westfalen davon aus, dass durchschnittlich 46 von 1000 Einwohner Blut spenden. Rechnet man dies auf die Einwohnerzahl Eschweilers hoch, müssten 2622 Menschen teilnehmen.

Weniger Termine

Eine genaue Ursache für diese Entwicklung haben der Vorsitzende des Ortsvereins (OV) Eschweiler, Ulrich Dreiner, und der Schatzmeister, Georg Rosarius, noch nicht ausgemacht. Ein Hintergrund ist sicherlich die sinkende Zahl der Spendetermine.

13 waren im Terminkalender des Jahres 2006 verzeichnet, in diesem Jahr werden nur noch sechs angeboten. Das Berufskolleg Eschweiler verzichtet aus organisatorischen Gründen auf seine Gesundheitswoche, in der an einem Tag die Möglichkeit für Lehrer und Schüler bestand, Blut zu spenden.

Logistischer Aufwand

Wenn in Eschweiler ein Blutspendetermin geplant wird, dann ist dies mit einem logistischen Aufwand verbunden, denn der Blutspendedienst West muss mit einem Team anrücken, während der gesamten Spendezeit muss ein Arzt vor Ort sein. Ohnehin rechnet der Dienst auf seiner Homepage vor, dass der Erlös vom Verkauf der Blutkonserven gerade eben die Kosten deckt. „Kommen an einen Ort dann in vier Stunden nur 23 Spender, dann lohnt sich der Aufwand nicht mehr“, sagt Ulrich Dreiner.

Immerhin lassen die beiden Sondertermine im Eschweiler St.-Antonius-Hospital hoffen. 129 Spender nutzten diese beiden Gelegenheiten, einen halben Liter ihres Lebenssaftes abzugeben. Zur Tradition hat sich der Termin unmittelbar vor Weihnachten im Eschweiler Krankenhaus gemausert: Dann werden die designierten neuen Narrenherrscher um eine Spende gebeten.

Viele Eschweiler Karnevalsfreunde, darunter auch ehemalige Tollitäten und Zeremonienmeister, folgen der Einladung. So kommt es nicht von ungefähr, dass der Komiteepräsident Norbert Weiland nun für 100 Blutspenden geehrt wurde.

An der mangelnden Werbung könne es nicht liegen, dass die Spenderzahlen sinken, meint Rosarius. Vor jedem Termin werde man schriftlich erinnert. Auch auf dem Smartphone könne man einen Hinweis erhalten. Was Dreiner und Rosarius freuen dürfte: Die Zahl der Helfer im Ortsverein ist konstant.

Auch die Nachwuchssorgen haben sich mit der Gründung der Jugendrotkreuz-Gruppe im vergangenen Juni verringert. Sieben Kinder sind mit Feuereifer dabei, spielerisch das Einmaleins des DRK zu lernen. „Sie legen schon Verbände an und erläutern, wie sie in bestimmten Situationen reagieren sollen“, sagt Dreiner.

Die Arbeit für das Deutsche Rote Kreuz in Eschweiler nimmt nicht ab. Im vergangenen Jahr leisteten die 37 aktiven Ehrenamtler 7814 Stunden. Alleine 1230 Stunden Sanitätsdienst wurden verrichtet. Für Unterricht und Ausbildung wurden 1889 Stunden verbucht. Für den Rettungsdienst waren 1643 Stunden erforderlich, die Krankentransporte wurden in 755 Stunden erledigt. 350 Stunden lang waren die Helfer für Blutspendetermine in 2015 im Einsatz.

Viele Ausbildungen kommen den Menschen in Eschweiler unmittelbar zugute. Alleine an den sieben Erste-Hilfe-Kursen nahmen 85 Indestädter teil. Drei Kurse in Erster Hilfe für Betriebshelfer (37 Teilnehmer) und fünf Kurse im Erste-Hilfe-Training für Betriebshelfer (46) wurden angeboten. Die Kurse im Erste-Hilfe-Training und in Erster Hilfe mit Selbstschutzinhalten für Jugendliche besuchten 25 Teilnehmer. Vertreter der Ausbilder ist seit vielen Jahren Thomas Baltus.

Bei diesem Aufwand, den die ehrenamtlichen Helfer betreiben, fragt man sich schon, warum sich nach wie vor Menschen beim Roten Kreuz in Eschweiler engagieren. „Bei uns zählt die Gemeinschaft ohne Wenn und Aber, und das macht einfach Spaß“, ist Dreiner überzeugt. Manche Ausbildung übe natürlich auch eine große Faszination auf jüngere Menschen aus. Er nennt als Beispiel die Tätigkeit in der Bergwacht. Letztlich gehe es darum, seine Freizeit sinnvoll zu gestalten, bedient Rosarius ein gängiges Klischee.

Früher hatte die Mitgliedschaft im Deutschen Roten Kreuz den Vorteil, dass man als junger Mann nicht zum Wehrdienst herangezogen wurde, wenn man sich über eine bestimmte Stundenzahl hinaus an den Aktivitäten beteiligt. Im Gegensatz zur Feuerwehr entstand mit der Abschaffung der Wehrpflicht kein Abbruch bei den Neuanmeldungen. Georg Rosarius ist ohnehin überzeugt: „Wer nur wegen der Wehrpflicht bei uns tätig war, ist nicht lange geblieben.“ Demnach habe es keine gravierende Veränderung im Mitgliedsbestand gegeben.

Dreiner blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir bilden einen ganzen Zug, was für eine Stadt wie Eschweiler mit ihren 57000 Einwohnern eine ordentliche Basis ist.“ Beim Rettungsschutz gebe es ohnehin keine Stadtgrenzen mehr. Bei größeren Einsätzen unterstütze man andere Hilfsorganisationen. Im vergangenen Jahr stand allerdings auch die Flüchtlingshilfe im Mittelpunkt.

So halfen DRK-Mitglieder aus Eschweiler nicht nur beim Betrieb der Unterkunft an der Jahnstraße mit, sondern waren auch am Zeltaufbau für die Erstaufnahmeeinrichtung in Herzogenrath beteiligt und betreuten die Menschen in den Unterkünften Stolberg und Aachen mit. Im September des vergangenen Jahres waren Helfer bei der Impfaktion von Flüchtlingskindern aktiv.

Immerhin 62 Neuspender

Bleibt als Wermutstropfen die Entwicklung der Blutspenderzahlen: „Wir werden weiterhin versuchen, neue Spender zu gewinnen“, sagt Dreiner. Im vergangenen Jahr wurden immerhin 62 Neuspender gewonnen. Eine Überlegung ist auch, ins Eschweiler Rathaus zu einem Blutspendetermin einzuladen. Der Vorstand des DRK-Ortsvereins will aus diesem Grund das Gespräch mit Bürgermeister Rudi Bertram suchen. Denn eines ist den Verantwortlichen des Eschweiler DRK bewusst: Sinkt die Zahl der Spendetermine weiter, dann wird das nichts mit den steigenden Blutspenderzahlen.

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