Wurfmaterial für Rosenmontagszug: No-name-Produkte sind nicht gefragt

Von: Stefan Herrmann
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Das Kamelle-Team der Narrengarde packt: (von links) Eric Reimann, Wolfgang Liebert und Guido Greven. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. „Krise am Morje on Krise am Ovend - mie fiere trotzdäm Fastelovend”, hat das Karnevalskomitee für die Session als Motto ausgerufen. Krise hin, Krise her, Kamelle darf an den tollen Tagen einfach nicht fehlen. Gespart wird, so der Eindruck der vergangenen Jahre, bisher zumindest nicht am Wurfmaterial, auch wenn sich einiges geändert hat im „Warenbestand” der Bagagewagen.

Bei der Narrengarde Dürwiß ist 2010 Kaugummi Trumpf. „Natürlich zuckerfrei”, sagt Wolfgang Liebert mit einem Schmunzeln. Beim Kamelle-Team ist er für die Bestellung zuständig. Und das, berichtet er, war dieses Mal mit einigen Hindernissen verbunden. Bei einem großen Kölner Anbieter von Karnevalswurfmaterial habe man früh reserviert, doch dann kam eine Karnevalsgesellschaft aus der Domstadt, legte 15.000 Euro bar auf den Tisch und kaufte das Lager einfach leer. Der Kampf um Kamelle wird halt mit (fast) allen Mitteln geführt.

Aber die Kaafsäck hatten schnell Ersatz parat, der sich nun zum einen in einer Halle des Lindenhofs befindet und zum anderen bei Eric Reimann die Garage füllt. Reimann ist Bagageoffizier der Narrengarde. Eine ganz schöne Logistik stecke dahinter, damit allein die etwa 100 erwachsenen Uniformierten der Dürwisser Gesellschaft mit reichlich Wurfmaterial ausgestattet sind, und zwar für zwei Züge: Sonntags im Ort und montags durch die Eschweiler Innenstadt.

Dafür packen auch Guido Greven und Oliver Bönsch mit an. Und am Bagagewagen heißt es während des Zuges dann: „Nachladen” geht nur gegen Bon. „Damit jeder gleich viel Wurfmaterial bekommt”, erklärt Reimann.

Und wieviel Euro sind das dann, die da in süßer Form auf die Jecken am Straßenrand niederregnen? „15.000 bis 18.000 Euro sind da bei uns schnell zusammen”, schätzt Wolfgang Liebert. Denn neben der offiziellen Kamelle-Menge legt fast jeder noch eine zusätzliche private Reserve an. „Die wird nicht nur in unserem Bagagewagen, sondern auch in Wohnungen am Streckenrand oder in extra in der Nähe geparkten Autos gelagert.”

„Und wir sprechen hier nur”, betont Eric Reimann, „von unseren 100 Uniformierten.” Dazu kommen die Herren des Elferrats, die Kaafsäck, die Kinderabteilung und die vielen Fuß- und Kostümgruppen, die bei der Narrengarde mitziehen. Multipliziert man das Ganze mit 22, denn so viele Karnevalsgesellschaften gibt es an der Inde, kommen ungezählte Tonnen Süßigkeiten zusammen.

Markenbewusste Jecke

Samstag packen für Sonntag, danach dann die gleiche Prozedur für Montag: circa eine Tonne pro Tag. Reimann und sein Kamelle-Team sind am Wochenende ganz schön im Stress. „Nicht zu vergessen unser Fahrer Matthias Hanf”, lobt der Bagageoffizier den „Kamelle-Chauffeur”, der stundenlang Ruhe am Gaspedal bewahrt, während sich rechts und links des Lieferwagens Jecke am Straßenrand nach dem Geworfenen bücken.

Die jedoch, so die Erfahrung, nicht mehr für alles die Kamelletüte aufmachen. „No-Name-Produkte bleiben liegen”, weiß Reimann. Daher setzen mittlerweile alle Gesellschaften auf immer hochwertigeres Material. Einfache Kamelle ist out, kostspielige Kaugummis sind in.

Und so greifen die Karnevalisten Session für Session tief in den eigenen Geldbeutel. Der Fastelovendsjeck von heute ist markenbewusst. Eines gibt es aber immer noch kostenlos dazu: ein lautstarkes „Eischwiele Alaaf”.
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